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Alle Rezensionen zu Vilde Frang
(Genre »Klassik«, Land »Norwegen«)

 

Violin Sonatas - Grieg, Bartók, Strauss
Vilde Frang (Violine), Michail Lifits (Piano)
( 2011, EMI 50999 94763928 , Einspielung: 2010 )

Vilde Frangs zweite CD ist dem Debüt in macherlei Hinsicht überlegen. Schon der Klang ist um einiges präsenter und feiner, was sich vor allem in den leisen und subtilen Passagen auszahlt, auch kann man überhaupt in der Dynamik der gesamten Aufnahme die junge Interpretin hier viel besser entdecken und kennenlernen. Zudem handelt es sich hier um den intimeren Rahmen zweier Sonaten mit Piano und einer für Violine solo. Und nicht zuletzt sind diese drei Werke weit weniger häufig im Repertoire aktueller Konzerthäuser und Interpreten zu finden als die beiden Konzerte der Debüt-CD.

Mit der Kraft und Lebendigkeit der Jugend stürzt sich Frang mit ihrem durchweg gleichrangigen Partner Michail Lifits in die facettenreichen Springinsfeld-Werke der jeweils anfang-zwanzigjährigen Komponisten: Griegs erste Violinsonate (von dreien) und Richard Strauss’ Opus 18, bevor er sich vollkommen den großen Orchesterwerken hingab; zwei Werke die, trotz ihrer Unterschiedlichkeit, vergleichbar zugänglich sind und von den Musikern souverän und so einfühlsam wie mit dramatisch großem Atem getragen werden.

Eingerahmt von diesen beiden romantischen Werken wagt sich Vilde Frang an Bartóks achtzig bzw. sechzig Jahre später entstandene, knapp halbstündige Solosonate. Kein einfaches Werk, streng und voller Kanten und Risse, kaum etwas darf hier melodisch aufblühen oder gar Raum für entspanntes Aufatmen bieten; kein Wunder, Bartók war zur Zeit der Komposition bereits todkrank, und so könnte der Kontrast zu Grieg und Strauss hier kein größerer sein. Eine mutige Entscheidung, doch im 80-minütigen Programm dieser CD die größte Entdeckung, natürlich auch weil die Solistin jede Hürde meistert in dieser vom Auftraggeber Yehudi Menuhin zuerst als »fast unspielbar« empfundenen und später als »die wichtigste Komposition für Violine solo seit Bach« bezeichneten Sonate. Wie schon bei ihrer ersten CD zeigt sich auch hier Vilde Frangs besondere Stärke, für jedes Werk eine eindringliche Charakteristik in ihrem Spiel herauszuarbeiten – und dieser Entscheidung dann offenbar intuitiv zu vertrauen. Expressiv. Beeindruckend. Sehr empfehlenswert. (ijb)


Siehe auch:
Edvard Grieg (1843-1907)

Vilde Frang: Violin Sonatas - Grieg, Bartók, Strauss

 

Sibelius Violin Concerto, Humoresques; Prokofiev Violin Concerto No.1
WDR Sinfonieorchester, Thomas Søndergård, Vilde Frang
( 2009, EMI 5099968441326 )

Sowohl Jean Sibelius’ einziges Violinkonzert als auch das erste von Sergej Prokofiev sind zugegeben keine Raritäten, und es herrscht kein Mangel an erstklassigen Einspielungen. Wenn also EMI die noch relativ unbekannte, zu diesem Zeitpunkt 22 Jahre junge Vilde Frang aus Oslo aufgrund dieses Sibelius-Konzerts mit dem WDR-Sinfonieorchester Köln begeistert unter Vertrag nimmt und ihr ein Solo-Debüt ermöglicht, merkt man schon mal auf. Frangs Spiel ist von einem ganz anderen Charakter als die eigenwillig-klare Hilary Hahn oder die mehr zum Populären strebende (und gleichwohl stilsichere) Janine Jansen: lyrischer, elegisch gar und doch subtil und fließend in leidenschaftlichen Passagen, vor allem bei Sibelius. Bei dieser ersten CD-Aufnahme Vilde Frangs fällt auf, dass die Solistin kein virtuoses Auftrumpfen notwendig hat – entgegen des Rufs, der ihr in manchen Feuilletons voraneilt, und ja, auch entgegen der technischen Anforderungen, die Sibelius hier bekanntlich komponiert hat. Das kürzere, persönliche Konzert Prokofievs, zur Zeit des ersten Weltkriegs entstanden, spielt Frang mit einer merklich spröderen Stimme, aber zugleich eben auch mit beherzter Expressivität. Somit wird schon nach diesen zwei Konzerten deutlich, dass eine Stärke der jungen Interpretin ist, jedes Werk mit einem eigenen Stil zu erfüllen, so dass man als unvoreingenommener Hörer fast meinen könnte, man hätte es mit zwei verschiedenen SolistInnen zu tun.

Als Zugabe schließt diese CD dann noch mit drei selten zu hörenden »Humoresquen«, wiederum von Sibelius. Wer die Werke bislang nicht kennen sollte (oder vielmehr sogar gerade dann), wer eine aktuelle Einspielung möchte oder auch nur eine Interpretation aus einem anderen als immer den selben Ländern sucht, ist mit dieser Aufnahme bestens beraten. Einzig beim Klang wünscht man sich hin und wieder, vor allem beim Sibelius-Konzert, mehr Transparenz, damit sich die Details zwischen Orchester und Solistin gerade auch zu Hause besser entfalten. Es scheint, die Rhein-Sieg-Halle in Siegburg bietet nicht die ideale Akustik. Und noch ein Detail: Bitte, die vier Cover-Fotos der Interpretin hätten doch nicht unbedingt elfenhaft mit weißem Hemdchen sein müssen, oder? Dazu das grimmige Porträt des älteren Herrn Sibelius – und schon gehen die Assoziationen in unpassende Richtungen ... Die Musik ist dafür um so viel spannender und niveauvoller als der Gelegenheitskäufer es aufgrund der Weichzeichnerbilder vermutet. (ijb)

Mit folgenden nordischen Komponisten und Werken:
Jean Sibelius: Violinkonzert in D-Dur Op.47; Humoresquen Op.87 Nr.1+2, Op.89 Nr.3
Sergej Prokofiev: Violinkonzert Nr. 1 in D, Op.19



Siehe auch:
Jean Sibelius (1865-1957)

Vilde Frang: Sibelius Violin Concerto, Humoresques; Prokofiev Violin Concerto No.1

Offizielle Website      www.vildefrang.com



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