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Alle Rezensionen zu Oslo Kammerkor
(Genre »Klassik«, Land »Norwegen«)

 

Strid
Oslo Kammerkor, Håkan Daniel Nystedt (Dirgient), Sondre Bratland, Kirsten Bråten Berg, Liv Ulvik, Helga Gunnes, Bjørn Sigurd Glorvigen
( SACD, 2011, 2L /Naxos 2L-073-SACD , Einspielung: 2010 )

Wer diese CD in Erwartung norwegischer Volkslieder einlegt, wird sicherlich überrascht sein, dass man erst einmal von orientalisch anmutenden Melodien empfangen wird. Doch die Irritation über »Gud unde os her at leve saa« (in etwa: »Gott, erlaube uns, hier zu leben») hält nur kurz an; die zwölf Lieder dieses Programms sind so wenig exotisch wie sie klassische Musik sind. Eher schon »Folk«. Damit hat der Osloer Kammerchor seit 25 Jahren viel Erfahrung, wenn auch nicht immer derart religiös aufgeladen. So dürfte »STRID« eine Freude für protestantische Kirchgänger sein. Nicht nur entspricht der Titel dem deutschen Wort Kampf oder Mühe, auch wären alle Lieder, ob norwegisch traditionellen Ursprungs oder aus der klassisch-romantischen Musik (Bruckner, Grieg, Rachmaninov, Tschaikowski), im Gottesdienst genau richtig.

Kein Wunder, der sehr junge Håkan Daniel Nystedt studierte Kirchenmusik; er wurde 2005, bereits zwei Jahre vor seinem Abschluss an der Akademie in Oslo, musikalischer Direktor des Chors. Er fasst dieses Programm unter dem Stichwort »music of longing« (»Musik über/der Sehnsucht«) zusammen. All diese Informationen können jedoch nicht hinreichend auf das Hörerlebnis vorbereiten. Wenn sich scheinbar fremde Melodieführungen und Gesangsstile auf Augenhöhe begegnen, in Dialog miteinander treten, sich gar vermischen, gegenseitig widersprechen, wird sich ein puristischer Teil des Publikums mit Grausen abwenden: »Bruckners ausladende Größe auf religiöse Simplizität heruntergebrochen? Also nee, das bitte nicht!« Doch öffne man Geist und Ohren und lasse sich ein auf diese unerwartete, aufregend interpretierte und tiefgreifende Begegnung. Es gibt noch viel zu entdecken. Gelehrt wurden dem Chor einige der Lieder übrigens von Unni Løvlid, Berit Opheim Versto und anderen renommierten norwegischen Sängern. (ijb)


Siehe auch:
Oslo Kammerkor mit Ketil Bjørnstad und Erik Hillestad
Unni Løvlid

Edvard Grieg

Berit Opheim Versto


 Oslo Kammerkor: Strid

 

Dåm
( 1995, Kirkelig Kulturverksted FXCD 147 )

Das Genre »religiöse Volksmusik« ist in Norwegen recht verbreitet, auch wenn in diesen Gefilden ziemlich viel Kitsch lauert. Ganz anders diese CD des Oslo Kammerkor, die die alten Lieder in teils ziemlich neue Gewänder kleidet. Strukturen werden zerfasert und zu wunderschönen Klangteppichen neu verknüpft. Was sich mit der Stimme machen lässt, findet Eingang in die Gesaltung: Zischen und Flüstern, Summen von Borduntönen und aparte Akkordsäulen. Der Chor ist eine Offenbarung: extrem sicher, höchst kreativ, klanglich erstaunlich homogen. Dabei bewahren sich die einzelnen Stimmen trotzdem ihre jeweils eigene Färbung, ihren Stil, der irgendwo zwischen kultiviert-glattem Chorgesang und diesem typischen, etwas scharfen, sehr präsenten Ton norwegischer Volkssänger liegt.

Eines ist allen Stücken gemeinsam: eine tiefe innere Ruhe, die aus den oft vertrackten Arrangements herausstrahlt, sowie eine gewisse fromme, kühle Melancholie, wenn man das so sagen kann. Das Label Kirkelig Kulturverksted steht ja bekanntlich für hohe musikalische Qualität. Aber sogar in der Reihe der hochkarätigen Veröffentlichungen steht »DÅM« ganz weit vorn. (sep)

 Oslo Kammerkor: Dåm

Offizielle Website      www.oslokammerkor.net



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