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Lange Rezensionen 1 - 10 von 27 im Genre »Avantgarde« und Land »Schweden« (insgesamt 32)

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Tape: Opera
( 2002, Häpna /A-Musik 09 )

Die Gebrüder Andreas und Johan Berthling sowie Tomas Hallonsten kann man als Soundtüftler der Gelassenheit bezeichnen. Den dreien geht es mitnichten um lärmiges Austesten technischer Möglichkeiten, sind die Instrumente erst an das Stromnetz angeschlossen. Vielmehr pflegen sie ganz stille, hypnotisierende Sounds, bei denen die scheinbar unhörbaren Passagen ebenso wichtig sind wie das rasch zu Erkennende.

Die akustische Gitarre lässt sich vom Laptop begleiten; das Akkordeon nutzt seine sonoren Resonanzen, um Klanglandschaften dauerhaft zu besiedeln. Dazu rumpelt und raschelt es vernehmlich im Hintergrund; es rauscht und knistert, als seien gute Geister unterwegs, um über uns zu wachen. Musik für Stunden, bei denen man nicht recht weiß, in welchem Teil der Welt man sich gerade befindet und wo man nichts weniger gebrauchen kann als standardisierte Pop-Artigkeit mit Mitklatsch-Zwang. (frk)



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Palllin

 Tape: Opera

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Hans Appelqvist: Naima
( 2006, Häpna /A-Musik H.31 )

Alles scheint ganz alltäglich, bis sich irgend etwas um einen halben Millimeter verschiebt. Dann ist eine Frau mit Pelikankopf, die einem sagt, was man tun soll, keine Unmöglichkeit mehr. Es ist dieses Wesen mit Namen Naima, dem Hans Appleqvist seine CD widmet – ein kleiner, großer musikalischer Schritt seitwärts hinaus aus der Realität.

Field Recordings, seltsame Samples, eine kalte Computerstimme und warmer Gesang, Windows-Soundfiles, MIDI-Instrumente und echte Gitarren, mal erschreckend pompös, mal simpel klimpernd. Das alles verwebt sich zu einem perfekten, farbstarken Klanggemälde, das man beinahe hyperreal vor Augen hat. Was genau es aber bedeutet, ist ein wundersames Rätsel, das man gar nicht lösen mag. Zwischen Pop-Balladen und sehr merkwürdigem Experimentalgestus pendelt die CD zwischen den Welten hin und her, immer getragen von einer leisen Melancholie. Nachher ist man ein kleines bisschen traurig, und sei es nur, weil einem die normale Welt so normal-banal vorkommt.

Übrigens: Appleqvists Debüt auf dem kleinen, sehr feinen Häpna-Label hieß »ATT MÖTA VERKLIGHETEN«: »Der Wirklichkeit begegnen«. Naima führt einen in die Gegenrichtung. (sep)



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Hans Appelqvist: Naima

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Andreas Bertilsson: Paramount
( 2007, Komplott /A-Musik escudre08 )

Wie lange nun der Schöpfer brauchte, um das Universum zu erschaffen, sei mal dahingestellt. Der Schwede Andreas Bertilsson baute seine mindestens universale, exakt dreißigminütige Klangwelt »PARAMOUNT« in einem Jahr zusammen, eine Welt voller Details und Geister und wundervoller Tiefe. Digitale Klänge und Field Recordings vermischen sich hier symbiotisch: Knarzen und Atmen, Wasser und knisternde 0/1-Wölkchen, geflüsterter Text und stark verzerrter E-Bass, Kieselstein-Klickern und Schlagzeug.

Klanglich ist das brillant produziert, diamantklar und transparent und ungeheuer nah. In die Collage, so kann man es wohl nennen, kann man sich hineinfallen lassen wie in einen abstrakten Kopfkinofilm, der höchst ambivalente, starke Bilder erzeugt. Am Ende kulminieren Zimbeln und Stimmen in einem Wall aus Klang, einer akustischen Supernova – das angemessene Ende für dieses perfekt erschaffene Klanguniversum. Unbedingt eine Reise wert! (sep)

Andreas Bertilsson: Paramount

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Anders Dahl: Hundloka, Flockblomstriga 1
( 2006, Häpna H.27 )

Wenn Musik Aggregatzustände hätte, wäre das Debut des Schweden Anders Dahl wohl gasförmig. Gitarre und Bouzuki, Violine und Klarinette, Blockflöte und Perkussion, präparierte Lautsprecher und Computer sind die Elemente, aus denen er auf »HUNDLOKA« eine dreiteilige Klangwolke entstehen lässt. Meist flächig und sphärisch, mit hohem, aber nicht unangenehmen Geräuschanteil entfaltet die Musik schnell einen Hörsog; man verirrt sich gern zwischen den Partikeln. Henrik Olsson steuert auf dem zweiten Track metallische Perkussion bei, und beim letzten Track kommt noch körniger, zerstäubter Computer-Sound hinzu. Trotzdem kreisen die 40 Minuten stets um zentrale Töne und Akkorde, die mal im Rauschen und Knistern verschwinden, mal zu fast reinen Sinustönen ausdünnen.

Irgendwie ist was dran am Titel »Hundloka« (schwedisch für »Wiesenkerbel«), so wie die Musik wuchert und sich nach allen Seiten multipliziert. Gleichzeitig ist sie so etwas wie ein musikalischer Vor- oder Zwischenzustand, kreist um sich selbst, droht manchmal fast zu verschwinden. Eine Musik, die dafür gemacht zu sein scheint, den Sonnenflecken beim Wandern über die Tapete zuzusehen. (sep)

Anders Dahl: Hundloka, Flockblomstriga 1

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Diablo Swing Orchestra: The Butcher's Ballroom
( 2007, Candlelight Candle195CD )

Nach über 500 Jahren ist das teuflische Orchester wieder auferstanden – so erzählt es zumindest die Bandgeschichte. Doch vereint die Musik des Diablo Swing Orchestras nicht nur den Klang verschiedenster Epochen, sondern auch den verschiedenster Länder: Sie verquicken auf ihrem Debüt Klassik mit Swing-Jazz, (symphonischen) Metal mit mexikanischen Mariachi-Stil. Dank dieses Stilmixes setzt das Sextett Bass, Gitarre und Schlagzeug auf unterschiedlichste Weisen ein.

Ferner wimmert im Opener ein Saxophon und ein Trompeter peppt »Poetic Pitbull Revolutions« auf. Die Schweden lassen Cello-Melodien ebenso selbstverständlich einfließen wie Didgeridoos, fremdartige Saiteninstrumente oder futuristische Spielereien. Dazu schmettert Annlouice Loegdlund Arien à la Tarja Turunen, zeitweise pointiert durch einen männlichen Gegenpart. »THE BUTCHER'S BALLROOM« ist ein Gesamtkunstwerk, das auf 13 höchst originellen Stücken basiert – und nur geeignet für Leute mit einer gesunden Portion Neugier sowie Appetit auf Exotisches. (nat)



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Tarja Turunen

 Diablo Swing Orchestra: The Butcher

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Andreas Eklöf: NOR
( 2010, Compunctio COMPCD003 )

Musik wie ein Puzzle, in einem phantasievollen Booklet verpackt. Wenige, oftmals gleiche, nur gering modulierte Töne greifen ineinander, treffen trotz langsamer Tempi wie die Zähne eines Uhrwerks an klar definierten Stellen zusammen und wirken doch menschlich. Andreas Eklöfs Musik sitzt zwischen den Stühlen von Avantgarde und moderner Klassik und könnte doch beide Lager vereinen: Er arbeitet viel mit präparierten Pianos – ein Stilmittel, das oft John Cage zugeschrieben wird, jedoch schon viel länger bekannt ist und entsprechend benutzt wurde.

Wenn Eklöf in »Patterns For Three Pianos« oder »Piece For Three Pianos« mit minimalsten Mitteln Spannung erzeugt durch die Reibung von Tönen, die die präparierten und nicht präparierten Klavierseiten erzeugen, dann begeistert dieser geplante Zufall. Insbesondere wenn man erfährt, dass die drei Pianisten ihre Aufnahmen sogar in drei unterschiedlichen Studios einspielten. (peb)

Andreas Eklöf: NOR

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Rolf Enström: Quarks
( 2007, Caprice Records CAP 21650 )

Nach Quarks, winzigen Atomsplittern, hat Enström diese Sammlung elektroakustischer Werke genannt. Und wirklich ist seine Musik das klangliche Pendant zum Schwirren von Elementarteilchen, ein hörender Blick ins Innere von Mikroprozessen – was allerdings einen großen Teil aller Elektroakustik treffend beschreibt. So ist in den meisten der fünf aufeinander bezogenen Werke dieser CD eine unverwechselbare kompositorische Handschrift schwer auszumachen, auch wenn sich das Handwerk auf hohem Niveau bewegt.

Wabern, abstürzende metallische Schläge, Flächen, Nebel, Rauschen, ein Gemisch aus gesampelten und rein elektronischen Klängen, aufgekörnt und zusammengeballt, kunstvoll gemischt und verstrickt, gleichzeitig fremdartig kalt und brodelnd: Enström entwickelt seine Klänge, denen die teure Hard- und Software großer Elektro-Musik-Studios anzuhören ist, konsequent auseinander oder assoziativ aufeinander folgend. Taucht man ein in diese Maschinenträume, mag man die Quarks aneinander vorbeizischen hören. Spannend ist das allemal – wie jede gut gemachte elektroakustische Musik, die leider noch immer schwer den Weg zu den Hörern findet. (sep)

Rolf Enström: Quarks

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Ernesto: A New Blues
( 2005, Exceptional Records exlpcd0504 )

Neuer Blues also: Traditionelle Schemata in kontemporärer Umgebung – das hat der in Birmingham lebende Jonatan Bäckelie aus Göteborg zum überspannenden Charakteristikum seines Debütalbums erkoren. Er verquirlt das konzentrierte Elektronik-Substrat von Rare Groove und Downbeat mit Bluesanleihen, wobei die leicht verrutschten, nie offensiven Beats auch Lebenszeichen von sich geben und hie und da in den Vordergrund trollen. Jazz findet man hier genau so, wie Soul – war doch sein Vater Wanderprediger und Musik schon seit jeher Bestandteil seiner Sozialisation. So zeugen selbst unbeholfen dahertapsende Pianoklänge von musikalischer Souveränität. Die geruhsamen und chilligen Sounds wirken dabei jederzeit warm und unscharf, wenngleich auch teilweise etwas bemüht und langatmig.

»A NEW BLUES« ist eine eklektische Angelegenheit, die man in stark abgewanderter Form auch bei Beanfield vorfindet, auf deren Album der Mitzwanziger Gast-Vocals beisteuern durfte. Kein Wunder, denn seine Stimme ist emphatisch und wirkt in den schönsten Momenten so geborgen wie ein an der Nase schon ganz abgewetzter Teddybär. (maw)

 Ernesto: A New Blues

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Mats Gustafsson & Sonic Youth With Friends: Hidros 3
( 2004, Smalltown Supersound /Rough Trade STS080 )

Schon immer waren Sonic Youth eine stark polarisierende Band: Man kann sie nur lieben oder hassen, vielleicht »kopfmäßig« zumindest interessant finden. Mit Mats Gustafsson und seiner Zusammenarbeit mit Kim Gordon, Thurston Moore etc. ist das auch nicht anders, sogar noch extremer. Gustafsson hatte sich für seine Komposition »HIDROS 3« nämlich etwas ganz Besonderes ausgedacht: Fünf Gitarristen (Moore, Lee Ranaldo, Loren Connors, Steve Shelley und David Stackenäs) kreieren Klänge um die Wette, angereichert mit Electronics und unterlegt von Gustafssons Kontrabass-Saxophon, das in tiefsten Tiefen röhrt und überblasen quietscht. Darüber kommen die (meist eher sprechenden) Stimmen von Kim Gordon und Lindha Kallerdahl.

Jeder Musiker saß einzeln in einem Raum mit Notenblatt und Uhr im Kunstmuseum von Ystad, wo sonst nur Wallander seine Mörder jagt. Für das Publikum war das Konzert, bei dem man frei von einem Raum in den anderen wandeln konnte, sicher ähnlich spannend wie ein Mankell-Roman; dem CD-Hörer erschließt sich das Ganze natürlich weniger. Insofern eher ein Dokument eines faszinierenden Moments und somit eigentlich unbewertbar. (tjk)



Siehe auch:
Original Silence

Mats Gustafsson: Hidros 3

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