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![]() Ein Interview von Liska Cersowsky Sie leiden unter dem Komplex des kleinen Bruders.
»Keep your enemies even closer«
The Hives, The Soundtrack Of Our Lives, Union Carbide Productions - sie alle kommen aus jener Hafenstadt und pflegen wie die Whyte Seeds ihre Rockwurzeln in geschichtlicher Tradition. Selbst dann, wenn Label und Studio in der verfeindeten Stadt liegen und Songschreiber Olle darauf zu antworten weiß: »Keep your friends close, but your enemies even closer.« Als »das nächste große Ding« wurden sie im Heimatland nach gerade mal einer Singleveröffentlichung gehandelt. Als eines der größten schwedischen Musikmagazine, das »Sonic«, die Band vor zwei Jahren in ungewohnter Manier mit einem Demotrack auf ihrer Samplerbeilage vorstellte, waren sich Journallie und Publikum gleichermaßen einig: Das sollten fünf Hochbegabte sein, die ihren Garagenrock jetzt wohl dem der Kings Of Leon entgegenhalten müssen. Gleichen sich ihre Vorbilder doch von The Faces, über Robert Plant bis hin zu Led Zeppelin. »Wir wären natürlich gern das nächste große Ding, aber eigentlich ist es entspannter wenn wir abwarten könnten, langsam wachsen dürften.« Dann sollte es auch nicht mehr passieren, dass der Schlagzeuger der Originalbesetzung mühsam erspieltes Konzertgeld an der Bar versäuft. »Der war so was von gefeuert«, konstatiert Olle dazu. Das Quintett weiß, also wohin es will - ohne großen Aufenthalt weiter nach oben. Charmante Großmäuler
Sie kleiden sich demnach so, sie reden so, sie sind gleich ihres Garagenrocks charmante Großmäuler mit klarem Kopf und linkischem Augenzwinkern. Sie müssen sich aufeinander verlassen können, voneinander lernen wollen, und wenn sie Lust haben, müssen sie auch Instrumente tauschen können. »Hank ist eigentlich ein groovy Schlagzeugspieler, aber erst als ich ihn bat, in meiner Band Bass zu spielen, kam er aus Nashville zurück nach Schweden.« Hank, ein kleiner Williams mit großen Cowboyhut könnte zwar stundenlang über sein Idol sprechen, schaut jetzt jedoch nur peinlich berührt in seine Kaffeetasse. »Oder nimm Axl, ich finde er hat eine großartige Stimme. Anders als zum Beispiel Pelle der Hives, mit dem er ständig verglichen wird. Die sind zwar, mir auf unverständliche Weise, sehr erfolgreich, haben aber einen ziemlich gesangsschwachen Frontmann.« Ganz gleich wie sehr sie klare Abgrenzung suchen - die Whyte Seeds schwimmen erst mal noch im Fluss des großen Rockschwarms. Da, wo eine Band wie sie gern mit den Klischees des Genres spielt, da fehlt keine Pose, kein Gitarrensoli. Es fehlen aber auch nicht jene Idol-Bands, die ihnen diesen Weg erst überhaupt gewiesen haben. »Das Leben kann eben eine Tragödie sein«, sinniert Olle. »Aber wenn du wie wir darüber schreiben möchtest, dann wird dieses Dunkle noch schwärzer, wenn du es mit Tragikhumor belegst.« Ironie, die sich entweder beattreibend oder als langsame (durchaus auch kitschige) Ballade ihren Weg in die Synapsen wühlt. Wir sind alle Charaktere
»Ich schreibe gern Songs aus der Sicht von anderen Leuten. Das Titelstück »Memories Of Enemies» vom aktuellem Album habe ich zum Beispiel aus der Sicht von Jonas von Bad Cash Quartett geschrieben.« »Jonas ist, was den Umgang mit den Medien angeht, ziemlich gewieft. Er hat sie ohne Frage in der Hand und spielt gern den wilden Rockstar. Im Gegensatz zu uns eigentlich.« Eigentlich, denn »natürlich wollen wir auch Rock'n'Roll, aber auf die Bühne gehen wir mit einem Lächeln und sind freundlich zu unserem Publikum«, fügt Bassist Hank hinzu. »Was manchmal schwierig ist, weil wir im Sinne unserer Musik nicht wie die Hives oder jene gestylten Anzug-Hampelmänner aus den 70ern wirken wollen. Da steckt in unserem Auftreten schon mehr. Wir sind alle Charaktere und vor allem persönlich.« Manchmal derart, dass sich über das Stück »XX/XY« nur schwer reden lässt. Songschreiber Olle gibt leise zu, dass es soviel Wahrheiten aus seinem Leben beinhaltet, »dass es wahrhaftig peinlich wäre, die Dinge noch weiter zu konkretisieren.« Da erwähnt er lieber schnell im Nebensatz, wie unglaublich beängstigend es wäre mit Pelle Gunnerfeldt, seines Zeichens Gitarrist bei Fireside, im Studio zusammenzuarbeiten. »Das ist vielleicht ein Typ. Der redet nicht - die ganze Zeit über hat er nicht ein Wort mit uns gewechselt. Ständig gibt er dir das Gefühl er würde dich hassen.« Auf keinen Fall wie die Stockholmer
Kalle Gustaffson dagegen, eigentlich bei The Soundtrack Of Our Lives angestellt, wäre dagegen ein toller Typ. Hat dafür auch deutlich seine Pianospuren auf der Whyte Seeds-Ep »SLOW MOTION« hinterlassen und der Band wenig später in seinem Studio für die Aufnahmen zum Album erneut eine professionelle Helferhand geliehen. »Seltsam wie klein die Welt werden kann. Bands aus Göteborg hängen irgendwie alle zusammen und trotzdem will sich jeder von dem anderen unterscheiden. Bloß nicht gleich sein, und auf keinen Fall so wie Stockholmer.« Garagenrock also, »so präzise wie Einsen und Nullen«, dazwischen soll es nichts geben. »Die full-speed-Stücke bekommen ihre Lebhaftigkeit ja auch nur durch die Langsameren.« Oder dadurch, dass sich die Mitzwanziger gleich wie Lou Reed oder Velvet Underground daran halten, Songs zu schreiben, die sich selbst immer bis an den Abgrund bringen, manchmal auch scharf bis an die Grenze des Unhörbaren. Alles gepaart mit dem persönlichen Aberglauben der Band, bei einem Rückblick in 500 Jahren zur Ära der Beatles zu gehören. Wenn nicht im musikalisch hochgelobten Sinne, dann wenigstens im zeitgeschichtlichen. »Immerhin kommt unser Album fast am gleichen Tag raus, wie einst Rubber Soul« - Hank träumt noch. Line Up:
© 2003 Liska Cersowsky
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