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![]() Ein Portrait von Peter Bickel Knut Reiersrud, Ketil Bjørnstad, Agnes Buen Garnås und natürlich Kari Bremnes genießen inzwischen auch außerhalb Norwegens einen ausgezeichneten Ruf. Wer CDs dieser Musiker studiert, stößt immer wieder verwundert auf den gleichen namen: »Kirkelig Kulturverksted«. Das Label, das seit einem Vierteljahrhundert einen eigenwilligen Weg zwischen Pop-Kultur und Kirchenkunst beschreitet, war Peter Bickel einen Besuch in Oslo wert. Frische Impulse
Kein Schild und kein Klingelknopf am Zaun weisen auf das Büro der »kirchlichen Kulturwerkstatt« hin, das im Dachgeschoss von Erik Hillestads Wohnhaus sein Domizil hat. Hillestad, der das Label 1974 gegründet hat, hält als Label-Chef, Songtexter und Produzent der meisten Platten alle Fäden in der Hand. In engen Kontakt mit der Kirche kam er durch seinen Vater, einen Pfarrer, mit dem er auch seine erste Platte produzierte. »Erik fand, dass der Kirchen-Musik frische Impulse gut tun würden«, erzählt Inger Dirdal. Als Export-Managerin kümmert sie sich darum, dass die Platten der Kulturwerkstatt nun auch international bekannt sind. Doch bis dahin war es freilich ein weiter und teils steiniger Weg. Toleranz und kulturelle Neugier
Ein wichtiger Schritt in diese Richtung war, dass das bis dato unabhängige Musik-Label 19S7 von Aschehoug übernommen wurde - einem der größten norwegischen Buchverlage, der z.B. mit »SOFIES WELT« einen riesigen Erfolg feierte. »Seitdem hat Erik eine Gesellschaft hinter sich, die ihm als Partner den Rücken stärkt«, meint Inger und betont: »Vorschriften künstlerischer Richtung gibt es aber nicht.« Oberflächlich betrachtet scheint die Verbindung zur Kirche mit dem Einsetzen des Erfolgs verloren gegangen zu sein. Doch dieser Eindruck täuscht. Auch wenn Knut Reiersrud mit seiner letzten CD »SOUL OF MAN« alten Blues-Helden Tribut zollt und Kari Bremnes auf »SVARTA BJØRN« ihre anspruchvolle Pop-Folk-Mixtur weiter perfektioniert - der kirchliche Anspruch bleibt spürbar. Zumindest, wenn man darin nicht konfessionellen Traditionalismus, sondern Toleranz und kulturelle Neugier sieht. Von Südafrika nach Tansania
Im modernen Musikgeschehen mit all seinen Plattitüden sichert sich das norwegische Vorzeige-Label jedenfalls seinen Nischenplatz mit genreübergreifenden Aufnahmen, die zur (manchmal auch anstrengenden) Auseinandersetzung einladen. Inger erklärt das KKV-Credo: »Es geht uns darum, die Augen und Ohren der Hörer zu öffnen, indem wir Musik-Kulturen mischen. In diesem Sinne ist »TRANZANIA« von Acid Queen eine typische Produktion: Zwei hierzulande bekannte DJs waren in Tansania und trafen auf Tarab-Musiker. Ein anderes gutes Beispiel ist Marianne Antonsens »BLOMSTER I SOWETO«. Als Norwegerin reiste sie nach Südafrika und brachte bekannte Melodien von dort mit. Erik Hillestad schrieb dann dazu Protest-Texte, wie man auch hier in Norwegen Immigranten behandelt. Als Chor ist die Imilonji Kantu Choral Society beteiligt, die schon zusammen mit Mandela bei vielen Veranstaltungen sang.« Zurück in die Kirche
Der Chor sang auch am norwegischen Nationalfeiertag auf einem Open-Air-Konzert am Akerselva. In diesem Viertel, das für seine blühende Alternativkultur bekannt ist, wird die Kirkelig Kulturverksted demnächst eine neue Heimat finden. »Die Jakobskirche in der Torggata wurde geschlossen, und es ist uns gelungen, für diese Kirche einen Langzeit-Mietvertrag zu bekommen«, verrät Inger. »Wir planen, aus der Jakobskirche eine Art Kultur-Kirche zu machen, in der Konzerte und Vorträge stattfinden. Und im Nebengebäude werden wir unser neues Büro haben.« Mit diesem zukünftigen Auftrittsort werden auch andere Aktivitäten mehr zum Zug kommen - Theater-Performances etwa und Kunstausstellungen. Umso besser, wenn dabei verschiedene Künstler zusammentreffen. So ließ sich etwa Gabrielle Kielland von Arild Andersens Vertonung der alten Saga »KRISTIN LAVRANSDATTER« zu Bildern inspirieren, die wiederum auf dem CD-Cover Verwendung fanden. Meßgewänder und Kirchendesign
Eine andere bisher kaum bekannte KKV-Seite: Die Kirchenkünstler fertigen Meßgewänder für Priester, verkaufen Kerzen und entwerfen Kircheneinrichtungen. Manch einer mag sich an den Ruheraum der kleinen Kapelle am Nordkap erinnern, für deren Ausstattung die Kulturwerkstatt zuständig war. Ob Jazz, Ethno oder Klassik - gemacht wird, was gefällt. Das kann eine CD wie »FRANSKE MIRAKLER« sein. bei der sich Cellist Aage Kvalbein auf ein französisches Chateau zurückzog und bei der Auswahl der Stücke von Weinen inspirieren ließ. Auch ein Künstler wie der Schlagersänger Ole Paus ist bei der KKV gut autgehoben. Bei dessen Autnahmen in der Ris-Kirche treffe ich schließlich den Label-Chef Erik Hillestad, wo er bereitwillig, aber geschafft von der vielen Arbeit für Fotos posiert. Etwa 16 Platten pro Jahr veröffentlicht die Kirkelig Kulturverksted. Klasse statt Masse? »Wir machen nicht CDs, die die Leute haben wollen, sondern die sie haben sollten«, betont die KKV. »Und wir verkaufen viele Backlist-CDs, die also älter als ein Jahr sind. Das sagt einiges über unsere CDs aus: Sie sind keine Eintagsfliegen.«
© Peter Bickel, erstmals erschienen in Nordis 1/2, 1999 Adresse: Kirkelig Kulturverksted,
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