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Alle Rezensionen zu Sister Flo
(Genre »Pop«, Land »Finnland«)

 

Au
(2009, Fullsteam Records FS148)

Sister Flos neues Album »AU« zu hören ist wie in einer warmen Sommernacht den Sternenhimmel zu betrachten. Es passiert vordergründig nicht viel. Vielleicht fällt eine Sternschnuppe und noch eine. Eine ruhige Intensität, eine verträumte Wärme, ein tastendes Suchen. Irgendwie eine Meditation über Dinge, die man nur spürt, aber nicht genau benennen kann. Seitenpfade einschlagen, unbekannte Gefühle entdecken. Das Quartett erfindet sich auf seinem vierten Album in vieler Hinsicht neu. Und bleibt sich in aller Veränderunge selbst treu. Am ehesten noch in seiner Leidenschaft zur verhaltenen Euphorie. Abheben, trotz aller irdischen Skepsis!

Auf »AU« ist der Elektronik-Tüftler Jori Hulkkonen zu Sister Flo gestoßen und hat der Band die Tür in Richtung Ambient weit aufgestoßen. Pop, schnöder Pop, wir winken goodbye. Wir brechen aus dem Drei-Minuten-Schema aus, wir mäandern vor uns hin und lassen die Songs so lange fließen, wie es eben nötig ist. Wir entscheiden uns bewusst für einen hauptsächlich instrumentalen Ansatz und vergessen, dass die nuschelige Stimme von Sänger Samae Koskinen eigentlich bislang unser Markenzeichen war. Wir schreiben Songs über Zahlen und den Zeitraum von 1473 bis 1543. Und unversehens streifen wir unterwegs das Glück. »The Great Polymath« ist einer der eigenwilligsten, verschrobensten und schönsten Songs des ganzen finnischen Popjahres. Wir schwingen uns empor zu den Sternen, ganz leicht. (emv)



Siehe auch:
Samae Koskinen
Jori Hulkkonen
Kevin

 Sister Flo: Au

Offizielle Website

Offizielle Website      www.sisterflo.com

   

The Healer
(2007, Fullsteam Records FS-069)

Tod und Krankheit sind keine populären Themen in der Popmusik. Heilungsrituale haben hier nichts zu suchen, und Zitate wie »Meine Krankheit ist meine Liebe« könnten peinlich sein. Sister Flo aber machen auf »THE HEALER« daraus ein hintergründiges, eigenwilliges, wunderbar leichtes Album und begründen nebenbei ein neues Genre: den heiteren Nekropop.

Das Quintett um Sänger Samae Koskinen, der das Nuscheln zur Kunstform erhoben hat, schafft eine magische Klangcollage, die man so noch nicht gehört hat. Psychedelische Einflüsse sind auszumachen, ein angetütertes Piano schliddert durch die Songs. Hinter diesen Klängen tun sich Abgründe auf, aber das merkt man erst nach dem dritten Hören. Songs wie »Hyvinkää« und »My Weakness« sind wundersam wirkende Stimulanzien, souverän irrlichternde Glanzlichter aus der Heiler-Hausapotheke. Vielleicht ist damit der Krankheit Liebe am besten beizukommen. (emv)

   

Tragician's Hat
(2004, Delphic Recordings Delphic004)

Songs, wie geschaffen, um an einem Novembertag selbstvergessen aus dem Fenster zu schauen. Plötzlich bricht die Sonne durch, und dann ist da eine erstaunliche Wärme. Sister Flo sind ein Quintett aus dem südfinnischen Riihimäki, und sie müssen an trüben Tagen viel von Kalifornien träumen. Die Band bringt auf ihrem zweiten Album »TRAGICIAN'S HAT« scheinbar Unvereinbares zusammen: Anklänge an den US-Westküstenpop der 70er Jahre (America – genau, die mit dem Pferd ohne Namen – lassen grüßen), entspannte Gitarrenharmonien und aufblitzende elektronische Wärmegewitter.

Erstaunlicherweise funktioniert diese Mischung: Sister Flo entwickeln einen eigenen, unbeschwerten Charme, geprägt von der zurückgenommen, unaufgeregten Stimme von Samae Koskinen. Und dessen größtes Problem ist, dass er nicht tanzen kann: »Dancing used to make me sick, because I'm no good at it«. Wenn's sonst nichts ist, Jungs, dann bitte weiter so! (emv)



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