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Alle Rezensionen zu Ketil Bjørnstad
(Genre »Pop«, Land »Norwegen«)

 

Grace
(2001, Emarcy/Universal 013.622.2)

Als Autor von rund 20 Büchern – darunter Kriminalromane ebenso wie Künstler-Biografien – errang Bjørnstad literarisches Ansehen, und sein musikalisches Debüt gab er schon als Sechsjähriger mit Bartóks Piano-Konzerten. Doch dann entdeckte Ketil Bjørnstad den Jazz und schuf auf seinen Solo-Alben intime Klangpoesie.

Mit »GRACE« folgt ein Pop(!)-Album, zum Zuhören und bedingungslosen Eintauchen. Der norwegische Grenzgänger verwebt dort kunstvolle Jazz- und Folklore-Elemente zum stimmigen, feingesitig kultivierten Hörvergnügen. Die Gesangsparts übernahm der an Jan Garbarek erinnernde Saxofonist und Sänger Bendik Hofseth, meist jedoch die von Bel Canto bekannte Anneli Drekker. Der Rest der Truppe besteht aus Kontrabass-Altmeister Arild Andersen, Session-Gitarrist Eivind Aarset und Trommel-Tausendsassa Trilok Gurtu. Eine Platte zum Immer-wieder-hören, denn Björnstads – für einen Jazzer ungewöhnlich – vollmundige Melodiebögen schwingen sich einfach wunderbar auf und nieder. (peb)



Siehe auch:
Anneli Drekker
Eivind Aarset
Ketil Bjørnstad / Svante Henryson
Bjørnstad & Rypdal


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Ketil Bjørnstad: Grace

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Offizielle Website      www.ketilbjornstad.com

 

Rainbow Sessions
(3 CDs, 2006, Emarcy/Universal 0602498561324)

Wer das Œvre des norwegischen Pianisten verfolgt, der weiß, dass dieser eine besondere Vorliebe für das Osloer Rainbow Studio und dessen Akustik hegt. Als nun das Rainbow Studio 2004 in neue Räumlichkeiten umzog, entstand die Idee für diese dreiteilige Aufnahme-Session. Die erste CD »THE LONG FAREWELL (FINAL RAINBOW SESSION)« war die letzte Aufnahme überhaupt, die im Juni 2004 noch in den alten Räumen stattfand. Trotz des hochsommerlichen Tages meint man ein wenig von der Schwermut zu spüren, mit der sich der Pianist von dem eine ganze Jazz-Epoche prägenden Studio in der Christies Gate verabschiede-te.

»THE RAINBOW (FIRST NEW RAINBOW SESSION)« entstand dann nur sechs Wochen später in den neuen Studioräumen. Die vorherrschende Stimmung: verträumt, vorsichtig, fast weihevoll. Wieder einige Monate später, im Dezember 2004, komplettierte Bjørnstad seine »RAINBOW SESSIONS«: Er und Kongshaug waren zwischenzeitlich in Hamburg gewesen und hatten bei Steinway eines unter acht laut Bjørnstad »bemerkenswerten« D-Modellen für das neue Studio ausgesucht. »THE WAY THROUGH THE WOODS (THE NEW STEINWAY RAINBOW SESSION)« entstand im neuen Studio auf dem neuen Flügel – beglückt, entspannt und hörbar mit der Welt im Reinen. »Man kann auf ihm dynamischer spielen als auf einigen der älteren Steinways«, beschreibt denn auch Bjørnstad das neue Instrument. Für Liebhaber ruhiger Solo-Piano-Musik ein Hörfest! (peb)



Siehe auch:
Terje Rypdal
Arve Henriksen
Kolbein Falkeid


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Ketil Bjørnstad: Rainbow Sessions

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The Light
(2008, ECM/Universal 175.7977)

Freilich wissen wir von Ketil Bjørnstad, dass er in Jazz und Klassik gleichermaßen zuhause ist, dass sich sein musikalisches und geschriebenes Schaffen immer stärker vermischt und er ein Meister vollmundiger Melodien ist. »THE LIGHT« ist jedoch darüber hinaus eines der konzeptionell geschlossensten Alben des Osloer Pianisten geworden. Obwohl teils komplett von ihm geschrieben (zum Beispiel »Fire Nordikse Sanger«), teils vertonte John Donne-Lieder (die Liedersammlung »The Light«) wirkt Bjørnstads Zyklus über nordische Nächte wie aus einem Guss.

Zusammen mit der Mezzosopranistin Randi Stene und dem Bratschisten Lars Anders Tomter lässt sich der »Meister der wenigen Noten« durch den »Summersang« treiben, schlendert durch sein bekanntes »Sommernatt Ved Fjorden«, sehnt sich »The Sun Rising« entgegen und findet einen würdigen Schluss mit »A Hymn To God The Father« . Was macht es da schon, dass man manche melodische Wendung schon von früheren CDs kennt? Wir finden hier Romantik pur, für verliebte Fjordbummler, für Osloer Straßencafes und überhaupt ... (peb)



Siehe auch:
Jazz-CDs von Kjetil Bjørnstadt
Erik Hillestad & Jetil Bjørnstad


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Ketil Bjørnstad: The Light

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Early Piano Music
(2011, Hubro HUBROCD2506)

Ketil Børnstad arbeitet ja mit vielen Projekten an der Grenze zum allzu Einfachen. Meist - und das macht ihn zu einem so gefragten wie auch guten Musiker - gelingt es ihm, diese Grenze gerade eben nicht zu überschreiten. Also Musik zu machen, die man sofort versteht - und die einen trotzdem berührt.

Diese Doppel-CD versammelt komponierte Klavier-Solo-Improvisationen aus der Mitter der 80er. Und hier befindet sich Børnstad - man muss das so hart sagen - kilometerweit hinter der Grenze. Auf CD1 hören wir 21 Preludes, auf CD2 acht Werke namens "Pianology". Sie klingen wie Hintergrund-Barmusik. Unaufdringlich, ein bisschen schnulzig, ein bisschen melancholisch. Für Klassik zu flach, für Jazz zu lahm, für Minimalismus à la Philip Glass zu wenig radikal. Keine Leerstellen, keine einzige Kante. Musik für die besinnlichen Stellen in Unternehmens-Imagefilmen. Das ist deshalb besonders traurig, weil wir wissen, dass Børnstad das so viel besser kann. Manchmal ist es besser, Archive nicht zu öffnen oder wenigstens nicht alles ans Licht zu zerren, was man dort findet. (sep)

   

Floating
(2005, Verve/Universal 06024 987 2884)

»FLOATING« ist ein Debüt in vielerlei Hinsicht: Erstens ist die CD Ketil Bjørnstads erste Aufnahme im Piano-Trio, mit dem aufs Höchste konzentrierten Palle Danielsson am Bass und der mit unglaublich phantasievoller Becken- und Glöckchenarbeit agierenden Drummerin Marilyn Mazur. Man muss dazu wissen: Das Trio scheute Bjørnstad laut eigener Auskunft, weil ein Pianist dort gern dazu verleitet wird, zu viele Noten und zu solierend zu spielen. Kein Problem für einen Melodiker wie ihn: Das Pinao schwelgt in einer vollmundigen Melodien nach der anderen – und zu viele Noten? Nix da!

Die zweite Neuerung: Star-Tonmeister und Rainbow Studio-Besitzer Jan-Erik Kongshaug ist mit seinem Studio umgezogen, und Bjørnstad wählte für ihn bei Steinway Hamburg einen neuen Flügel aus. »FLOATING« entstand in zwei Tagen auf diesem neuen Pracht-Instrument, mit einem Pracht-Sound und einer Pracht-Besetzung. Hut ab! (peb)



Siehe auch:
Marilyn Mazur

   

Seafarer's Song
(2004, Emarcy/Universal 06024-9865777)

Schon seit Alben wie »THE SEA« oder »WATER STORIES« ist der Pianist fasziniert vom Meer, das sich als Motiv bei ihm fast wie ein roter Faden durch sein Werk zieht. Während man ihn vor allem als stillen und reduziert agierenden Jazzmann kennt, unternehm er mit seinem Meisterwerk »GRACE« eine überraschende Hinwendung zum Pop.

»SEAFARER'S SONG« steht ebenfalls in dieser Tradition, fährt jedoch mit teils veränderter Mannschaft zur See: Gitarrist Eivind Aarset und Trompeter Nils Petter Molvaer breiten gewohnt hochwertige Soli aus, doch statt der großartigen Anneli Drekker holte er die mit Raureif überzogene Stimme von Kristin Asbjørnsen ins Boot. Ihr rockig-kratziger Gesang mag das raue Meer Nordnorwegens stimmig widerspiegeln, zu den weichen Melodiebögen Bjørnstads passt er jedoch nicht so gut vollkommen wie die Kollegin von Bel Canto. (peb)

   

The Nest
(2003, Emarcy/Universal 004400671532)

Wieder bringt Ketil Bjørnstad antike Lyrik mit schmeichelnden Songs zum Schweben: Diesmal griff er auf Gedichte des Amerikaners Hart Crane (1899 – 1932) zurück. Und wieder griff er auf bewärte Musiker zurück wie Bel Canto-Sängerin Anneli Drekker Drekker und Gitarren-Wizzard Eivind Aarset. Außerdem mit im Team, meist jedoch im Hintergrund: Kjetil Bjerkestrand an Synthesizern und Nora Taksdal als Violinistin.

»THE NEST« braucht zum Hören ebenso viel Ruhe wie die sie ausstrahlende Musik. Ein stiller einsamer Wintertag, die zweite Hälfte der Nacht – hier können sich diese langsamen und behutsamen, doch bis auf wenige Ausnahmen gänzlich unkitschigen Songs entfalten. Das Album besitzt im Vergleich zu »GRACE« weniger Song- und mehr Soundtrack-Charakter; oft wiederholt der Pianist jedoch auch nur melodische Floskeln jenes Albums, ohne dessen Faszination zu erreichen. (peb)

   

Before The Light
(2002, November Music NVR 2019-2)

Auf »BEFORE THE LIGHT« spielte sich das Team Ketil Bjørnstad (Piano, Synthesizer), Eivind Aarset (Gitarre), Nora Taksdal (Viola) und Kjetil Bjerkestrand (Synthesizer, Sampler, Percussion) anscheinend für den Nachfolger »THE NEST« warm: Im Vergleich zum Folge-Werk wirkt das als Soundtrack konzipierte Album – der Song »Intimacy« etwa fand beim Film »Just A Kiss« Verwendung – in der Tat eher wie eine Fingerübung: Techno-lastiger, weniger konzeptionell und statt Songwriting-orientiert mehr hilflos experimentell.

Sicher – zauberhafte Beiträge wie etwa das oben erwähnte »Intimacy« oder »Cookie's Face No. 1 & 2« finden sich einige, aber die nicht immer stimmigen Brüche und wenig überzeugenden Drumloops erschweren ein kompromissloses Eintauchen. Aber so ist das halt mit den Soundtracks ... (peb)

   

New Life
(2002, Emarcy/Universal 017 265-2)

Ketil Bjørnstad muss schockiert gewesen sein, als er 1997 hörte, dass das Osloer Major Studio geschlossen werden sollte. Sofort buchte er einen Aufnahmetag in diesem Studio, in dem in den Siebzigern einige der wichtigsten norwegischen Jazz-Aufnahmen entstanden – darunter auch seine frühe Einspielungen. Es war eine melancholische Session, und das hört man den zwölf Solo-Piano-Stücken mit jedem Ton an.

Es war auch eine Zeit der Erinnerung an vergangene Stücke: Die zwölf »live«, also ohne nachträgliches Editieren eingespielten Nummern spannen einen Bogen vom still-andächtigen »Blue Man« über tongewordene Naturszenerien wie »Song For The Sun« oder »By The Fjord« bis zum versöhnlichen Titeltrack – bisweilen an Erik Satie erinnernd und nah an der Kitsch-Grenze, aber diese nicht überschreitend. Übrigens: Das Major Studio wurde doch nicht geschlossen. (peb)

   

Epigraphs
(2000, ECM/Universal 543.159-2)

Obwohl das Wasser diesmal nicht offensichtliche Inspiration war, passt diese Aufnahme stilistisch doch nahtlos in das Bjørnstads restliche Œvre: Der Pianist und der Cellist widmeten sich diesmal der Renaissance: Sie nahmen Motive von William Byrd und Orlando Gibbons und formten aus ihnen modern-reduzierte Kammermusik, mit einem guten Schuss Romantik und in vorbildlicher Klangqualität.

Dann ergänzten sie diese zwei Stücke mit eigenen Kompositionen im selben Renaissance-Geiste – und fertig sind die erneut sanft fließende und geheimnisvollen »EPIGRAPHS«. Musik, bei der man zu sich selbst findet und die, wenn die CD längst zu Ende ist, sich noch immer in langsam kreiselnden Bewegungen weiter bewegt und wie ein sanfter Leitstern im Kopf neue Räume öffnet. Weniger ist mehr. (peb)

   

The Sea II
(1998, ECM/Universal 537.341-2)

Das nasse Element lässt Bjørnstad nicht mehr los. Nicht mehr ganz so eindringlich und klangbildnerisch, dafür mit einer Traum-Mannschaft brandet »THE SEA II« heran: Cellist David Darling addiert eine kontemplative, ja meditative Komponente, und der große Jon Christensen, Meister der Beckenarbeit, zeichnet sensibel die Gezeiten des Wassers nach. Terje Rypdal bleibt meist im Hintergrund, doch wenn er an die Saiten gebeten wird, beschwört er dramatische Wechsel und die unkontrollierbare Gewalt des Wassers.

Die Kompositionen wirken insgesamt nicht mehr so schlüssig wie sonst bei diesem melodisch denkenden Pianisten üblich, was aber auch am Konzept der Band liegt. Improvisation spielt eine zentrale Rolle; eine feste oder wenigstens erkennbare Metrik findet man kaum. Wie auch – bei Wasser? (peb)

   

The River
(1997, ECM/Universal 531.170.2)

Oft sind es gerade die stillen und unscheinbaren Aufnahmen, die am nachhaltigsten wirken. Auf »THE RIVER« – einer weiteren Folge seines Wasser-Zyklus – tat sich Bjørnstad nur mit Cellist David Darling zusammen, während er doch ansonsten meist noch Gitarrist Terje Rypdal und Trommler Jon Christensen in sein Ensemble holt.

Bjørnstads Konzeptalben über Wasser, von denen »THE RIVER« weder das erste noch das letzte war, präsentieren sich als klangmalerische Bilder mit perfekt gewähltem Thema: Sie zeigen nur unmerkliche Veränderungen und stellen das langsame Dahintreiben mit beispielloser Effizienz dar – kein Ton ist hier zuviel. Hinzu kommt, dass sich der fließende Charakter des Cello und der tröpfelnde Anschlag des Flügels ideal ergänzen: eine klug gewählte Besetzung ... und eine schwerelose Platte zum Eintauchen und Treibenlassen; irgendwo zwischen der pianistischen Brillanz von Keith Jarrett und der Klangmalerei von Paul Winter. (peb)

   

Water Stories
(1993, ECM/Universal 519.076-2)

Ketil Bjørnstads Zyklus-Beginn über das feuchte Element noch heute als epochales ist Werk zu werten: Kraftvoll, schneidend scharf und dennoch mit vollkommener Eleganz vertont der klassisch geschulte Pianist in zwölf Sätzen den Weg des Wassers vom Gletscher über Eisverschiebungen und – etwa 10.000 Jahre später – mächtige Wasserfälle bis hinein ins Meer.

Ein großes, für das an der wilden Westküste stattfinden Rosendal Music Festival komponiertes Thema, das große Musiker erfordert: Terje Rypdal legt in jeden kreischenden, Vibrato-getränkten Gitarren-Schrei noch mehr Dramatik, das Dreamteam Bjørn Kjellemyr (Bass) und Jon Christensen (Drums) findet das entsprechend unterkühlte und dennoch mächtige Fundament. In der zweiten Hälfte wird Christensen abgelöst von Zweit-Drummer Per Hillestad, eigentlich Rock-Drummer u.a. bei A-ha. (peb)



Siehe auch:
Terje Rypdal
A-ha

   

The Shadow
(1990, Kirkelig Kulturverksted FXCD93)

Das tendenziell ruhig angelegte, auf Gedichten von John Donne basierende Album »THE SHADOW« präsentiert einen ganzen Reigen abwechslungsreicher Melodien. Diese muten manchmal etwas süßlich an, doch Jazz- und Rockelemente, Pop-Balladen- und Klassikeinflüsse durchbrechen immer wieder die fast meditative Stimmung, instrumentiert von Gitarrist Frode Alnæs, Bassist Arild Andersen, Drummer Jon Christensen und Violinist Lars Anders Tomter.

Frappierend in jedem Falle wirkt das Stück »The Paradox«, das im Einleitungsthema an Mezzoforts »Garden Party« erinnert. Wenn es denn so etwas wie einen roten Faden gibt, dann sind es die wiederkehrenden Passagen mit dem Gesang von Randi Stene und die einprägsamen Klavierfigurationen. Leider nicht durchweg überzeugend. (ano)



Siehe auch:
Frode Alnæs & Arild Andersen
Mezzoforte



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