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Alle Rezensionen zu Scorch Trio
(Genre »Avantgarde«, Land »Norwegen«)

 

Luggumt
(2004, Rune Grammofon/Universal RCD2040)

12 Minuten »Kjøle Høle« zu Beginn der Scheibe, das heißt: 12 Minuten unglaubliche Power, ein entfesselter Raoul Björkenheim, der darin die Essenz von Hendrix, Sharrock, Ulmer und Fripp verdichtet, nein, verdampft, verschmelzt zu einem gitarristischen Parforce-Ritt ohne gleichen.

In der Folge lassen's die Drei etwas ruhiger angehen, ohne jedoch an Spannung zu verlieren. Drummer Paal Nilssen-Love ist der ideale Gegenpol zu Björkenheim, ein Berserker am Drumkit, aber was er tut, hat Hand und Fuß, bzw. Sinn und Ziel. Dazwischen bewahrt mit großen Ohren Ingebrigt Håker Flaten am Bass Ruhe und Bodenhaftung, leider jedoch gnadenlos ins Nirvana gemischt. Was aber auch der einzige Schwachpunkt dieser CD ist. Ansonsten wirkt hier ein Power-Trio der Extraklasse, mit viel frei improvisierter Musik, die auf diesem Niveau derzeit kaum ihresgleichen findet. (tjk)



Siehe auch:
Raoul Björkenheim
Paal Nilssen-Love
The Thing
Ingebright Håker Flaten Quintet

 Scorch Trio: Luggumt

   

Melaza
(2010, Rune Grammofon RCD2104)

Das Auf-die-Fresse-Improvisations-Trio hat einen neuen Basissten. Paal Nilssen-Love wird nun vom Chicagoer Experimental-Szenegewächs Frank Rosaly ersetzt - eine gute Wahl. Denn der Sound des Scorch Trios bleibt mehr oder minder derselbe. Rosaly setzt mit seinem eher perkussiven als rockigen Spiel sogar neue Akzente und erweitert die manchmal doch anstrengende Klangwelt des Trios durch zusätzliche Facetten.

Doch ansonsten ist alles beim Alten. Gitarrero Raoul Björkenheim frickelt sich weiter durch seine mal versponnenen, mal brutal schrammelnden Parts, Ingebrigt Håker Flaten ist weiterhin das grummelnde, polternde Bassgewitter-Fundament. Das Scorch Trio hat seinen Stil und seinen Stand längst gefunden und spielt auch nach dem Personalwechsel munter drauf los. Alle Mann in Deckung! (sep)

   

Brolt!
(2008, Rune Grammofon RCD 2074)

Sie werden einfach nicht leiser. Das Scorch Trio trötet und rumpelt auch auf der dritten Platte derbe los, entfesselt die elektronischen Spielzeuge und schlägt auf allem herum, was sich nicht wehrt. Live ist das ein Gewitter-Erlebnis, das auf CD natürlich nicht so derbe dreinfährt. Aber trotzdem: Den Puls beschleunigen die sechs Tracks allemal.

Dabei sind Raoul Björkenheim, Ingebrigt Håker Flaten und Paal Nilssen-Love jedoch nie planlos. Selbst in den gewaltig geballtesten Momenten ist die Kontrolle spürbar, die die Drei über das von ihnen entfesselte Chaos behalten – und zwar eisern. Das ist eine Freejazz-Regel, und ein Geheimnis, wie freie Improvisation gelingen kann: zwar einfach drauf los spielen, aber extrem wach! Wie das geht, macht das Trio mal wieder mustergültig vor. Alle sind gleich. Alle sind laut. Nicht vor dem Einschlafen hören! (sep)



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