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Alle Rezensionen zu Food
(Genre »Avantgarde«, Land »Norwegen«)

 

Quiet Inlet
(2010, ECM/Universal ECM 2163)

Eigentlich ist das Wichtige dieses Albums das, was man nicht hört: die Stille im Hintergrund. Es scheint so, als würden Thomas Strønen und Iain Ballamy, der Drummer und der Saxophonist des Duos Food, diese Stille die ganze Zeit gleichzeitig umkreisen und damit verhindern. Aber dass sie da ist, lässt sich nicht leugnen.

Dieser Tanz um die Stille, für den sich das Duo noch den Trompeter Nils Petter Molvær und den Elektroniker Christian Fennesz als Verstärkung für einige Tracks gemietet hat, ist eine ziemlich hypnotische Sache. Strønens halb akustische, halb elektronische Art des Schlagzeugspiels hat immer etwas Ruheloses, klinisch Nervöses. Geräusche, als würden viele Ameisen mit stählernen Füßen über Trommeln und Becken laufen. Wispernde Geräusche, aus denen manchmal ein instabiler Beat herauswächst und wieder zusammenfällt. Dazu Ballamys tastendes Saxophonspiel, das stets nur aus einer ziellosen Reihe einzelner Töne zu bestehen scheint, die aber doch einen untergründigen Sinn ergeben.

Zu Molværs Verdiensten in diesem Musikgenre muss man nicht mehr viel sagen – er passt einfach hierher. Die Kooperation mit Christian Fennesz ist erstaunlicher – aber auch ergiebiger. Fennesz benutzt seine Gitarre als Klanggenerator, mit dem Computer erzeugt er aus ihrem Tonsignal wispernde bis reißend dröhnende Klangwände. Eine wundervolle Kulisse für Foods stilles Getänzel. »QUIT INLET« ist eine CD für diese Momente, in denen einem das Drumherum eigentlich zu still ist, aber man trotzdem eigentlich keine Musik ertragen kann. Bis auf diese. (sep)



Siehe auch:
Nils Petter Molvær
Verschiedene: Runeology 2
Thomas Strønen

 Food: Quiet Inlet

   

Molecular Gastronomy
(2007, Rune Grammofon/Cargo RCD2069)

Viele Köche verderben den Brei, heißt es ja. Gut also, dass die Klangköche von Food nur noch ein Duo sind: Thomas Strønen an Schlagzeug und Elektronik, Ian Ballamy an Saxophon und Querflöte. Ihrer entschlackten, auf den Punkt gebrachten Molekularküche kommt das sowieso zugute – auch wenn sie sich aus Aufnahmen aus vollen zwei Jahren bedient. Das Album hat eine fast magische Geschlossenheit.

Das liegt nicht nur daran, dass Strønens Mischung aus Computer- und Schlagzeugsounds so unverwechselbar und immer noch und immer wieder spannend anzuhören ist. Neben seine lässige Drum-Robotik stellt Ballamy wunderschöne, klangsatte, lyrische, oft auch orientalisierende Sax- und Flöten-Parts, was nur beim ersten Hinhören nicht zusammen zu passen scheint. Tatsächlich entsteht aus kalter Technik + sinnlichem Instrument ein seltsam universelles, erfrischendes Menü mit zehn überraschenden Gängen. (sep)

   

Last Supper
(2004, Rune Grammofon/Universal RCD2041)

Wer soll da noch den Überblick behalten? Das Quartett Food ist ein weiteres der vielen Projekte des Trompeters Arve Henriksen. Hier bläst er im lyrisch-melodischen Wechselspiel mit Saxofonist Iain Bellamy und leichtfüßig schwebend auf elektronischen und klangästhetisch noch völlig unverbrauchten Soundscapes. Unterstützt von Drummer Thomas Strønen und Bassist Mats Ellertsen kredenzen uns Food ein stilvolles, an die asketische Zen-Ästhetik erinnerndes Menü.

Bedächtig, vorsichtig tastend ziehen uns die »Christcookies« in ihren Bann, vollwertiger dann und dennoch nicht schwer im Magen liegend verwöhnt uns »Quinoa«, während beim »Junk Food« der revoltierende Magen Kapriolen schlägt. Feinschmecker dagegen warten bis zum Ende der CD und goutieren bei den stilvollen Gängen von »First Supper« und »Last Supper« die fremde Jazz-Gewürze und perfekt komponierten Zutaten. Visionäre Musik, anregend für die Ohren und reinigend für den Geist. (peb)



Siehe auch:
Arve Henriksen
Mats Eilertsen



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