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Pettersson: Symphonies Nos 1 & 2
(CD+DVD, 2011, BIS CD-1860 / DVD-1860)
»Sie wächst und wächst, während ich immer kleiner und kleiner werde, bis am Ende womöglich nur eine Brille übrigbleiben wird.« Das schrieb Pettersson selbst über die Arbeit an seiner ersten Sinfonie, in der er sich über Jahre immer wieder sehr verlor. Wohl weil er, nach einem überschaubaren Frühwerk vorwiegend kammermusikalischer Natur, die Essenz all seines Schaffens in diesem Werk fassen wollte. Obgleich er in den folgenden dreißig Jahren fünfzehn Sinfonien vollendete, die allgemein zu den wichtigsten das Jahrhunderts gezählt werden, konnte er die erste letztlich nie abschließen. Jüngst wurde der nimmermüde Christian Lindberg langsam so von den Skizzen des Werks aufgesogen, dass er sich die Aufgabe stellte, eine spielbare Fassung herauszuarbeiten, ohne jedoch, ganz im Sinne Petterssons, auch nur eine Note zu verändern.
Passend zum leider kaum bemerkten hundertsten Geburtstag des Komponisten liegt hiermit also, sechzig Jahre nach Entstehungsbeginn, die Uraufführung und Ersteinspielung vor, und Lindberg hat eine exzellente, für die schwedische Musikgeschichte bedeutende Arbeit geleistet. Dabei darf betont werden, dass diese Aufnahme keineswegs nur als Studienarbeit für Musiker und Wissenschaftler von Belang ist. Lindbergs Interpretation – beider Sinfonien – kann auch in künstlerischer Hinsicht als Referenzeinspielung verbucht werden, und dass es sich um eine Unvollendete handelt, spielt nach dieser Aufnahme praktisch keine Rolle mehr. Die nicht orchestrierten Passagen hat er elegant und ebenbürtig miteinbezogen. Später schrieb Pettersson größeres, vielleicht auch eingängigeres und noch persönlicheres, doch die Bedeutung, die seinem Einstieg in die Karriere als Komponist extraordinärer Sinfonien zuzuschreiben ist, sollte nicht unterschätzt werden.
Als Bonus zur CD veröffentlicht BIS Records eine DVD mit einer einstündigen Dokumentation, die streckenweise spannend wie ein Krimi die Arbeit an der ersten Sinfonie nacherzählt, sowie im zweiten Teil auch noch eine Einführung in Allan Petterssons Leben und Werk gibt, gerade auch für Einsteiger höchst empfehlenswert. Ferner ist das Booklet mit einem Text von Kollege Michael Kube vollauf lohnend. (ijb)
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