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Alle Rezensionen zu Edvard Grieg
(Genre »Klassik«, Land »Norwegen«)

 

Edvard Grieg: Lyric Pieces
(2002, EMI 557296.2)

Klang Grieg je »griegerischer« als in seinen »Lyrischen Stücken«, von denen der norwegische Star-Pianist Leif Owe Andsnes vierundzwanzig in den Original-Steinway-Flügel des alten Meisters auf Troldhaugen selbst hineintupft, -hämmert, -klopft, -streichelt?

Die kleinen Miniaturen für Klavier spiegeln in ganz besonderer Weise Griegs Harmonik wider, deren Chromatik häufig von norwegischen Volksweisen durchsetzt ist. Rhythmisch verarbeitet er dabei neben klassischen Walzer-Takten auch traditionelle Bauerntänze wie den dreitaktigen »springar« und den zweitaktigen »halling«. Die vorliegende Auswahl verzichtet natürlich auch nicht auf die Publikumslieblinge wie den »Marsch der Trolle« und den »Hochzeitstag auf Troldhaugen«.
Kurzum: Für Grieg-Fans ein genussvolles Muss! (mls)

Edvard Grieg: Edvard Grieg: Lyric Pieces

 

Edvard Grieg: Haugtussa op. 67; Vinje-Lieder op. 33 (Auswahl)
(2003, NMA NMA 3)

»Die besten Lieder, die ich je komponiert habe«, schrieb Edvard Grieg selbst über seine »Haugtussa«-Vertonungen. Wenn sich eine norwegische Sopranistin – in diesem Falle keine geringere als Solveig Kringelborn – also den zwei bedeutsamsten Liedzyklen ihres Landsmannes annimmt, dann gilt vor allem eins: genau Hinhören.

Wie sie hier zusammen mit ihrem langjährigen Klavierbegleiter Malcolm Martineau den »Haugtussa«-Liederzyklus op. 67 sowie sechs persönliche Favoriten der »Vinje-Lieder« aus op. 33 interpretiert, kann man nur als »Musikgenuss pur« bezeichnen. Die zahlreichen Aufführungen in aller Welt scheinen die beiden bei der CD-Aufnahme jedenfalls nicht abgeschreckt, sondern regelrecht beflügelt zu haben. Einziger Wermutstropfen: Der frühere Liedzyklus der zwölf Melodien zu Gedichten von Aasmund Olavsson Vinje wurde leider nur zur Hälfte realisiert. (ano)

Edvard Grieg: Edvard Grieg: Haugtussa op. 67; Vinje-Lieder op. 33 (Auswahl)

 

Edvard Grieg: Peer Gynt (komplette Bühnenmusik mit Schauspielauszügen)
(SACD, 2005, BIS BIS-SACD-1441/42)

In jedem Plattenladen stehen gleich Dutzende von Einspielungen der beiden beliebten Peer-Gynt-Suiten, doch gibt es nur wenige CDs mit der kompletten, weitaus umfangreicheren Bühnenmusik. Aber was nützt die werbewirksame Vollständigkeit der Partitur, wenn die dazugehörige Szene fehlt? Wer hat schon Henrik Ibsens mehrstündiges Drama in allen Details parat? Hier nun setzt die 2005 in Bergen aufgeführte Konzertfassung von Svein Sturla Hungnes an, der in Norwegen eine Institution in Sachen Peer Gynt darstellt.

Puristen mögen zwar angesichts seines nun bei BIS auf zwei Hybrid-SACDs erschienenen »Schnelldurchlaufs« erblassen; was jedoch gewonnen wird, das ist endlich einmal der szenische Zusammenhang zu einer Musik, die längst in die Herzen jedes Musikliebhabers gewachsen ist. Die Suiten geben eben doch nur eine Vorahnung vom klanglichen Füllhorn und dramatischen Zug dieser Bühnenmusik.

Vor allem aber fasziniert die Interpretation. Es ist nicht nur das herrlich trockene Klangbild und die vorbildliche Orchesterleistung, die sanfte Töne ebenso kennt wie das rauhe Aufbrausen – sie allein beansprucht schon Referenzcharakter. Es ist auch die phantastische schauspielerische Leistung in den gesprochenen Szenen, die die gesamte Produktion zu einem Erlebnis werden lassen, das einen über Tage nicht loslässt. Das Booklet bietet übrigens eine englische Übersetzung der norwegisch gesprochenen Worte. (mku)

Edvard Grieg: Edvard Grieg: Peer Gynt (komplette Bühnenmusik mit Schauspielauszügen)

Die CD »Edvard Grieg: Peer Gynt (komplette Bühnenmusik mit Schauspielauszügen)« war »CD des Monats« im Monat 8 / 2005.
Und so urteilten unsere anderen Autoren darüber:

Von der ersten bis zur letzten Minute ein großartiges sinnliches Erlebnis! Eigentlich bin ich ja nicht so ein Freund von Eingriffen ins Original, aber bei dieser gelungenen Version und dem audiophilen Genuss mach ich gern eine Ausnahme. Wenn nur die Doppel-SACD nicht so teuer wäre ...
Harald Kepler

Wer vom ersten Skandinavienurlaub zurückkomt und dort entstandene klassische Musik sucht, landet bei Sibelius und Griegs »PEER GYNT«. Und allein schon weil die vorliegende Aufnahme den großen Unterschied zur Grabbeltisch-Konkurrenz deutlich macht, gebührt ihr unendlicher Dank.
Peter Bickel

Da nimmt man sich vor, Peer Gynt als Begleitmusik aufzulegen – aber nichts da! Diese entfaltet sich hier nämlich zu einem ganz eigenen Hör-Erlebnis, welche es verdient, die volle Aufmerksamkeit zu erhalten. Bügelwäsche? Die kann heute ausnahmsweise liegen bleiben!
Petra von Schenck

Zu Grieg bügeln? Das hat selbst »PEER GYNT« nicht verdient. Mir ist die Musik trotzdem zu »abgegrast«, wofür freilich diese Aufnahme nichts kann. Und zugegeben: Wenn schon die »Halle des Bergkönigs«, die »Morgenstimmung« und all die Gassenhauer, dann kann ich Hungnes' Fassung gut hören.
Leif Haugjord

 

Edvard Grieg: Peer Gynt (Bühnenmusik)
(2004, Virgin/EMI 7243 5 45722 2 7)

Wohl in jeder Plattensammlung wird sich eine Aufnahme der beiden Peer Gynt-Suiten finden. Aber die komplette Bühnenmusik? Auch wenn man nicht das ganze Schauspiel präsentieren muss, so erscheint der szenische Zusammenhang bei einigen Nummern (die Grieg eben nicht für die Suiten übernommen hat) doch zwingend notwendig.

Davon abgesehen bleibt Paavo Järvis Sicht auf die Partitur blass, weil trotz des weiten dynamischen Spektrums die Grieg'schen Kanten abgerundet klingen. Mit ihrer weiträumigen Akustik ist die Veröffentlichung in diesem Sinne aber konsequent. Ein schärferer Kontrast zur weit besseren Produktion aus Bergen (Siehe die BIS erschienene Einspielung mit dem Bergen Philharmonic Orchestra unter Ole Kristian Ruud) ist kaum zu denken. (mku)

Edvard Grieg: Edvard Grieg: Peer Gynt (Bühnenmusik)

 

Evard Grieg: Sinfonische Tänze op. 64, Elegische Melodien op. 34, Norwegische Tänze op. 34, Holberg-Suite op. 40
(2006, Virgin/EMI 3 44722 2)

Wie schon bei der Peer Gynt-Suite treibt Paavo Järvi auch mit dieser Grieg-CD die international noch unbeschriebenen Mannen aus Tallin zu einer respektablen Leistung an (die offenkundigen Nervositäten der Holberg-Suite einmal ausgenommen). Gleichwohl: Die indirekte und weiträumige Akustik kappt doch vielfach die einkomponierte rhythmische Schärfe und rundet lyrische Linien allzusehr ab.

So rückt der kraftvolle, mitunter gar wild vorwärtsstürmende Impetus der »Sinfonischen Tänze« zugunsten einer interpretatorischen wie technischen Homogenität in den Hintergrund. In Sachen Grieg bleibt für mich aktuell Ole Kristian Ruud mit den Philharmonikern aus Bergen (beim schwedischen Label BIS) erste Wahl. (mku)

Edvard Grieg: Evard Grieg: Sinfonische Tänze op. 64, Elegische Melodien op. 34, Norwegische Tänze op. 34, Holberg-Suite op. 40

 

Edvard Grieg: Ballad for Edvard Grieg
(2007, EMI 0946 3 94399 2 8)

Ein Geburtstagsalbum zum 100. von Edvard Grieg von Landsmann Leif Ove Andsnes – das klingt ja erstmal wunderbar. Leider, leider ist an dieser CD nicht viel Neues – sowohl das Klavierkonzert als auch die lyrischen Stücke stammen von älteren Aufnahmen; nur die groß angelegte Ballade ist eine Neueinspielung. Und die ist auch gelungen, wenn man denn Andsnes' samtweichen, leicht melancholischen, eher nebligen Anschlag mag. Die furiose Wildheit ist seine Sache nicht, die glasklare Technik schon, sie ist wirklich ein Hörerlebnis.

Die solistischen Werke bekommen dadurch eine zerbrechliche Tiefe, klingen ein bisschen wie von fern gespielt, wenn man so will: skandinavisch eben. Das Klavierkonzert aber hätte einige Kanten durchaus verdient, die auch die Berliner unter Mariss Jansons nicht voll beisteuern. Grieg ist eben nicht der plüschige Romantiker wie einige seiner Zeitgenossen, sondern durchaus ein Wegweiser, der in Richtung Zukunft zeigt – selbst in dem heute fast zu populären Klavierkonzert. Eine Ahnung davon würde der Musik seiner norwegischen Landsleute auch hundert Jahre später guttun. (sep)

Edvard Grieg: Edvard Grieg: Ballad for Edvard Grieg

 

Edvard Grieg: The Complete Music für Piano
(2006, BIS CD-1626/28)

Man muss kein ausgewiesener Liebhaber sein, um doch das eine oder andere »Lyrische Stück« von Edvard Grieg zu kennen. Denn diese nationalromantisch getönten Petitessen gehören zum unverrückbaren Kernbestand europäischen Kulturguts. Irgendwie ist wohl jedem schon mal eine der Melodien über den Weg gelaufen. Wer nun aber Lust auf mehr hat und es gründlich angehen will, der sollte auf eine ungemein wohlfeile Box des schwedischen Labels »Bis« zurückgreifen: 12 CDs zum Preis von dreien, insgesamt mehr als 13 Stunden pure Musik – einfach alles, was Grieg fürs Klavier geschrieben hat.

Langeweile kommt dennoch nie auf, denn die jüngst verstorbene Pianistin Eva Knardahl packt die Stücke nicht in Watte, sondern nimmt sie wundervoll straff und schnörkellos. Außerdem: Der herrlich direkte Klang dieser überwiegend zwischen 1977 und 1980 produzierten Aufnahmen (digital remasterd) steckt viele Einspielungen neueren Datums locker in die Tasche. (mku)

Edvard Grieg: Edvard Grieg: The Complete Music für Piano

 

Edvard Grieg: Slåtter in der Tradition von Knut Dahle
(2007, Simax PSC 1287)

Hier hört man nicht nur norwegische Weisen, sondern schaut dem Komponisten auch über die Schulter. Denn Grieg, der mit seinen lyrischen Klavierstücken weltberühmt wurde, hat mit seinem Opus 72 auch ein Stück norwegischer Musikidentität geschaffen. So gehen die insgesamt 17 kunstvoll bearbeiteten Stücke auf originale Slåtter zurück, wie sie vom alte Knut Dahle gespielt wurden. Beides erschien dann 1903 im Druck: die Transkription der Volksweisen und Griegs Komposition.

Soweit, so gut. Ingfrid und Åshild Breie setzen aber mit ihrer CD noch einen drauf: Hier erklingen die Klavierstücke auf Griegs eigenem, wundervoll weichem und farbenreichen Steinway auf Troldhaugen; ihnen werden die originalen Slåtter auf der Hardangerfidel zur Seite gestellt (leider en block und nicht im direkten Vergleich). Auch wenn ein i-Punkt an Spritzigkeit fehlt, so ist doch das Konzept der Scheibe zutiefst beeindruckend. Die Zugabe: eine tolles Booklet und das auf einem Wachszylinder bewahrte Tondokument aus dem Jahre 1912. (mku)



Siehe auch:
Tre Nyhus

Edvard Grieg: Edvard Grieg: Slåtter in der Tradition von Knut Dahle

Die CD »Edvard Grieg: Slåtter in der Tradition von Knut Dahle« war »CD des Monats« im Monat 8 / 2008.
Und so urteilten unsere anderen Autoren darüber:

Von der ersten bis zur letzten Minute ein großartiges sinnliches Erlebnis! Eigentlich bin ich ja nicht so ein Freund von Eingriffen ins Original, aber bei dieser gelungenen Version und dem audiophilen Genuss mach ich gern eine Ausnahme. Wenn nur die Doppel-SACD nicht so teuer wäre ...
Harald Kepler

Wer vom ersten Skandinavienurlaub zurückkomt und dort entstandene klassische Musik sucht, landet bei Sibelius und Griegs »PEER GYNT«. Und allein schon weil die vorliegende Aufnahme den großen Unterschied zur Grabbeltisch-Konkurrenz deutlich macht, gebührt ihr unendlicher Dank.
Peter Bickel

Da nimmt man sich vor, Peer Gynt als Begleitmusik aufzulegen – aber nichts da! Diese entfaltet sich hier nämlich zu einem ganz eigenen Hör-Erlebnis, welche es verdient, die volle Aufmerksamkeit zu erhalten. Bügelwäsche? Die kann heute ausnahmsweise liegen bleiben!
Petra von Schenck

Zu Grieg bügeln? Das hat selbst »PEER GYNT« nicht verdient. Mir ist die Musik trotzdem zu »abgegrast«, wofür freilich diese Aufnahme nichts kann. Und zugegeben: Wenn schon die »Halle des Bergkönigs«, die »Morgenstimmung« und all die Gassenhauer, dann kann ich Hungnes' Fassung gut hören.
Leif Haugjord



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