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Edvard Grieg: Sämtliche Violinsonaten / The Violin Sonatas
(2010, Claves/Klassik Center Kassel 50-1002)
Edvards Griegs Werke scheinen sich jüngst einer zunehmenden Beliebtheit zu erfreuen, jedenfalls unter Musikern. Vielleicht sind es auch die veröffentlichen-den Firmen, die nach »neuen Klassikern« suchen, da Beethoven und Kollegen bereits zum x-ten Mal herausgebracht wurden und man auf dem engen CD-Markt nach eingängigen, einträglichen und zugleich mit einigem Spielraum für Viruosentum ausgestatteten Kompositionen bekannter Namen sucht.
Die in Moskau geborene Alexandra Soumm nahm sich im Alter von zwanzig Jahren, noch als Violinstudentin in Wien, für ihre zweite eigene CD also gleich alle drei Sonaten vor, um sie im Februar 2010 in einer Kirche in Berlin fürs schweizer Qualitätslabel Claves aufzunehmen. Schön auch, dass Claves trotz elegant gestalteten und kostspielig aufgemachten CD-Verpackungen es nicht für notwendig erachtet, wie derzeit nicht wenige Plattenfirmen ihre hochbegabten Talente mit Erotikfotos auf Vorder- oder Rückseiten des Covers zu bewerben, sondern Musik und (gleichwertig alle) Namen für sich sprechen lassen kann. Im dreisprachigen Booklet finden sich überdies kenntnis- und aufschlussreiche Anmerkungen zu Werk und Komponist aus der Feder des Autors Etienne Barilier.
Und die Aufnahmen halten, was das Äußere verspricht. Alexandra Soumm und ihr ebenbürtiger Partner, der französische Pianist David Kadouch, spielen nicht nur durchweg so präzise wie kraftvoll, ihre Interpretationen leben zudem von dichtem Miteinander und fast strengem Charakter, bestechen durch Abwesenheit erwartbarer »nordischer Melancholie«. Am deutlichsten wird all das vielleicht in der dritten Sonate, mit der sich Grieg im Jahr 1886 besonders individuell zeigte. Von Alexandra Soumm wird man noch einiges zu hören bekommen, und ihre Bekanntheit wird sich ohne Zweifel international durchsetzen. Gespannt darf man sein, ob sie bei der Klassik und Romantik bleiben, ihre Veröffentlichungen weiterhin auf das nicht ganz so offensichtliche fokussieren wird – oder ob sie sich gar auch an zeitgenössische Komponisten heranwagen wird. Mit dieser CD ist ein sicherer Grundstein gelegt, eingängig, differenziert und emotional, aber keineswegs vorhersehbar oder sentimental. (ijb)
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