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Keeper Of The Flame
(2010, Sony Music 886977350729)
In einer Zusammenstellung von Klassikern, Evergreens und Songwritingperlen unterschiedlicher Herkunft sollte man neue Sichtweisen finden können, wenigstens einen eigenen Zugang. Im besten Fall erwartet man das Unerwartete. Caroline Hendersons »Keeper Of The Flame« jedoch fehlen Mut und Originalität. Ihre neue CD ist mehr eine dünne Ansammlung als ein einprägsamer Stilmix geworden. Henderson ist eine gute Sängerin, aber unter den zahllosen vergleichbaren – und besseren – Interpretinnen fällt sie nicht weiter auf. Die soliden Musiker, die keinen eigenen Raum bekommen, und die bemühten Arrangements dieser Platte sind leider auch nicht dazu angetan, ihr zu einem markanten Profil zu verhelfen. Enttäuschend auch: Beim wiederholten Hören lassen sich kaum neue Facetten entdecken. Zu dieser Platte wird man bald kaum mehr zurückkehren.
Im selbstkomponierten »Evolution« soll sie Shirley Bassey im Jahre 1965 werden, Nat King Coles »Nature Boy« swingt munter soulful mit pseudo-arabischen Streichern, und in einem fast geglückten Versuch, Bob Dylans »Ring them Bells« zu zerstören, klingt Henderson wie der späte Elton John. Und so geht es durch die zwölf Lieder gerade weiter. Alles wird schnell mal angerissen, doch die Interpretin vermag die Sammlung über das 42-minütige Album nicht zu tragen, geschweige denn zu verdichten. Duke Ellingtons »Caravan« und Cole Porters »Get out of Town« kommen mit einem blauen Auge davon (hübsch, aber nicht einprägsam), »Yesterday is here« von Tom Waits klingt immerhin schräg und ein bisschen ungewohnt. Doch dann gibt es kurz vor Schluss eine absolute Überraschung, für die es unbedingt einen Extra-Stern geben muss: PJ Harveys bislang recht unauffälliges »This is Love« wird hier eine große Entdeckung: Plötzlich holt Henderson Facetten aus ihrer Stimme; die viel zu kurzen drei Minuten sind klar, dramatisch, dicht und spannungsvoll; der Pianist wirft wenige pointierte Töne ein, Schlagzeug und Orgel leben auf, ohne auftrumpfen zu müssen ... wie gerne würde man hören, wie die Band mit dieser Komposition sechs oder zehn Minuten verbringt! Besser als das Original. Gleich noch mal hören. Wäre doch nur das ganze Album so, es wäre groß! (ijb)
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