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Alle Rezensionen zu Karl Seglem
(Genre »Jazz«, Land »Norwegen«)

 

Femstein
(2004, Long Distance/Harmonia Mundi 0540204)

Mystisch, mysteriös, meditativ – und gleichzeitig energisch, erdig und evolutionär: Mit derlei Adjektiven lässt sich Karl Seglems »FEMSTEIN« beschreiben, aber auch so: Tradition und Innovation, Komposition und Improvisation fließen ineinander, lassen Räume und Landschaften entstehen. Oder noch anders: Femstein ist große Musik. Seglem schürft so tief in norwegischen Heimatklängen, dass seine Kompositionen wie archaische, Jahrhunderte alte Melodien aus der Ferne rufen. Insbesondere wenn er eines seiner Ziegenhörner spielt und Håkon Høgemo mit seiner Hardanger-Fiedel die Melodien doppelt oder ergänzt, erwachsen magische Momente.

Dafür braucht's natürlich eine Rhythmusgruppe gleicher Qualität: Über Gjermund Silsets Ostinato-Bass-Figuren und die vielfältigen, für sich allein schon spannenden Percussionklänge von Helge Norbakken (beide zuvor lange bei Mari Boine) schickt Seglem sein Tenorsax auf Entdeckungsreise, und Høgemo hält mit Melodie und Harmonie den Kontakt zum Boden. Auf einem Bild wirkt Seglem mit an den Kopf gehaltenen Ziegenhörnern wie der wiedergeborene Wikinger: Möge er mit »FEMSTEIN« ganz Europa erobern. (tjk)



Siehe auch:
Mari Boine
Unni Løvlid
Jon Fosse & Karl Seglem
Berit Opheim Versto


Zur DVD-Rezension über Karl Seglem


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Zu den aktuellen Tourterminen von Karl Seglem

Karl Seglem: Femstein

Offizielle Website

Die CD »Femstein« war »CD des Monats« im Monat 2 / 2005.
Und so urteilten unsere anderen Autoren darüber:

Haben wir Drogen genommen? Nein, jedenfalls keine bösen. Nur ein wenig Glögg, Faxe-Bier oder Black Death. Doch bei Seglems Musik verwandeln sich die Häuser in Felsen, tiefe Fjorde durchschneiden unsere Stadt, und aus den angeleinten Hunden werden Elche, die majestätisch im Morgengrauen die Straße kreuzen. Voila – was für ein Stoff!
Frank Keil

Montag morgen: Das Telefon klingelt pausenlos, die Redaktion wartet auf die Rezensionen von Europe und Roxette. Ich schalte das Telefon ab und tauche ein in Seglems berückende Texturen aus Holz, Luft, Stein und Knochen. Danach geht's mir besser, und die Verrisse von Roxette und Co. schreiben sich von selbst.
Leif Haugjord

Wenn die Seele einen nach Norden zur winzig-versteckten Lieblingshütte zieht, aber der Körper hier bleiben muss, hilft Karl Seglems Album, diese Sehnsucht zu stillen. Zumindest eine ganze Zeitlang. Einfach eine wunderschöne und feinsinnige Inspiration für das Kopf-Kino.
Petra von Schenck

Es fasziniert mich immer wieder, wie einen Seglem im 21. Jahrhundert abholt, um von hier aus in die Urtiefen des Menschseins zurückzukehren. Da fühlt man sich dann so fest mit der Natur verbunden, als hätte es die Entfremdung mit allem um uns rum nie gegeben. Großartig!
Harald Kepler

Offizielle Website      www.norcd.no/seglem

   

NORSKjazz.no
(2009, Ozella Music/In-Akustik OZ025CD)

Was hat den Seglem hier geritten? Eine Wette mit ein paar Kumpels, ob es ihm gelänge, mit »richtigen« Jazzern eine CD einzuspielen, die quasi im Schlaf Jan Garbarek auf dem Standstreifen überholt? Ist bei dessen CDs doch seit geraumer Zeit die spannendste Frage: noch langweiliger als die davor, oder schläft man eh schon zur Halbzeit ein?

Karl Seglem ist doch der wesentlich kraftvollere Saxofonist (auf Ziegenhörner verzichtet er völlig), zumindest erhofft man dies. Seine hier vorgetragenen Kompositionen bestehen allerdings auch nur aus ein paar wenigen Tönen, die zu einer einfachen, Folklore-basierten Melodie zusammenschnurren sollen, wie bei Garbarek. Das klappt hier und da, auf Dauer löst sich der Spannungsbogen jedoch in Wohlgefallen auf, wie bei Garbarek. Das Eple Trio, namentlich Andreas Ulvo (p), Sigurd Hole (b) und Jonas Howden Sjǿvaag (dr), können nicht allzu viel retten. Musik zum Bügeln. (tjk)



Siehe auch:
Kallerdahl, Seglem, Ulvo, Hole, Sjøvaag

   

Urbs
(2006, Ozella Music/In-Akustik OZ014CD)

Nach der etwas enttäuschenden »REIK« besinnt sich Karl Seglem wieder eines Besseren und erklimmt qualitativ fast wieder »FEMSTEIN«-Niveau. Dazu tragen nicht zuletzt langjährige Begleiter wie Helge Norbakken, Gjermund Silset und Håkon Høgemo bei, dazu als Neuzugang Gitarrist Olav Torget.

Vor allem ist Karl Seglem kompositorisch wieder auf der Höhe. Der Titel »URBS« (lat. Stadt) lässt an städtische Hektik denken; der gleichnamige Opener besticht auch mit entsprechender Kraft. Aber auch die spröde Schönheit des Nordens findet viel Platz auf »URBS«: mit ziegenhörnernen Klangmalereien, mit Ton gewordener steiniger Landschaft (»Rudlandes«), mit mysteriöser Sinnlichkeit (»Over Oslo«). Seglem spielt sowohl auf Tenorsaxofon wie auf Hörnern mit viel Kraft, viel Herz, viel Luft und Raum und viel Poesie. (tjk)

   

Reik
(2005, Ozella Music/In-Akustik OZ 011 CD)

»REIK« ist das altnorwegische Wort für »in Bewegung sein«. Auf ruhig fließenden Klangflächen lässt Karl Seglem sein Tenorsaxophon mäandern; die Ziegenhörner hüpfen, den Ziegen gleich, mal hierhin, mal dorthin, ohne sich von der heimatlichen Melodie allzu weit zu entfernen.

Seglems archaisch anmutende Tonsprache auf Sax und Hörnern steht in reizvollem Kontrast zum Basis-Sound der CD. Reidar Skår (electronics) und Harald Skullerud (dr, perc) schaffen trockene, karge Landschaften, Nikolai Ivanov verteilt darauf schüttere Gitarrenakkorde. Manchmal jedoch übertreibt es Seglem jedoch mit der hymnischen Überhöhung einfacher Melodien. Dynamik und Kraft betreffend hinkt diese CD den Vorgängern auch hinterher. (tjk)

   

New North
(2004, Ozella Music/In-Akustik OZ 006 CD)

Wenn ein norwegischer Tenorsaxofonist folkloristisch gefärbten Jazz bläst, ist der »Übervater« Jan Garbarek nicht weit. Doch Karl Seglem hat eine eigene Handschrift entwickelt, obwohl auch ihm die Volksmusik näher steht als der amerikanische Jazz und er dem Klang(vor)bild kirchlicher Choräle nahesteht.

Seglem bleibt allerdings bodenständiger als Garbarek, holt sich den Hardangerfiedler Håkon Høgemo oder Volkssänger und entwickelt – auch mal mit Nils Petter Molvær – chorische Melodien. Kurz darauf bläst er dann auf dem Ziegenhorn archaische Klänge, setzt Samples und Programming ein und bringt so verschiedene Charaktere wie Terje Isungset, Christian Wallumrød und die Bassisten Audun Erlien und Bjørn Kjellemyr zusammen. (peb)



Siehe auch:
Nils Petter Molvær
Terje Isungset
Christian Wallumrød
Jan Garbarek



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