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Alle Rezensionen zu Bugge Wesseltoft
(Genre »Jazz«, Land »Norwegen«)

 

It's Snowing On My Piano
(1997, ACT/Contraire 9260-2)

Dem Studio-Pianisten und Keyboard-Tausendsassa gelang eine wunderbare – ach was schreib' ich: die wunderbarste Weihnachtsplatte überhaupt! Wesseltoft schloß sich zwei Tage ins Rainbow Studio ein und interpretierte dort Christmas-Evergreens wie »Stille Nacht«, »O Little Town Of Bethlehem« oder »Du grønne, glitrende tre«. Ganz still, ganz transparent – so, wie Schnee, der lautlos und leicht vom Himel herabschwebt und die ganze Welt in anderes Licht taucht.

Er entwickelte die Christmas-Gassenhauer mit so liebevoll-weichen Kadenzen, dass man die Original-Melodie nur in wenigen Momenten überhaupt identifiziert. Dabei verzichtet er sowohl auf virtuose Kraftmeierei wie auf den hierzulande oft üblichen Weihnachts-Kitsch. Seine Stärke liegt vielmehr im Weglassen von Tönen, die erst der Kopf dazu addiert. So erreicht sein Spiel fast die Eleganz und Kompetenz eines Keith Jarrett. (peb)



Siehe auch:
Beady Belle
Patrick & Raymond
Jan Bang
Bertine Zetlitz


Zum Artikel über Bugge Wesseltoft


Zu den aktuellen Tourterminen von Bugge Wesseltoft

Bugge Wesseltoft: It

   

Playing
(2009, Jazzland/Universal 06025 1796167)

Seine Band New Conception Of Jazz, die immerhin dem Jazz wegweisend neue Impulse verliehen hatte, ist seit dem Album »IM« auf Eis gelegt. Auch »PLAYING« offenbart einen meist in sich gekehrten Bugge Wesseltoft, der am Solo-Piano Songs entkernt und auf ihre Melodien reduziert. Doch plötzlich springt den Hörer mit »Take 5« ein altbekannter, flotter Track an, den der Norweger allerdings rhythmisch stolpern lässt und elektronisch gehörig verbiegt.

Will er sich über die Komposition lustig machen? Nein, Wesseltoft liebt das Spielen ohne Tabu-Grenzen; Achtung vor Klassikern ist ihm fremd, und das ist gut so. Schließlich gelingt ihm mit der zwanzigminütigen Piano-Träumerei »Talking To Myself« eine feine Ballade im Stil von Bill Evans und Keith Jarrett. Und dass er Songs sehr wohl zu emotional ungeahnten Höhepunkten führen kann, beweist er aufs Wunderbarste mit Jimmy Cliffs »Many Rivers To Cross«. (peb)

   

IM
(2007, Jazzland/Universal 06025 1743585)

Trotz seiner Fähigkeiten als Band-Chef seiner New Conception Of Jazz ist es ein ganz anderes Album, für das ihn viele Fans lieben: »IT'S SNOWING ON MY PIANO«“ zeigte den Norweger als Meister der stillen Töne und der aufs Nötigste reduzierten Improvisation, die fast die Prägnanz eines Keith Jarrett erreichte. Sein zweites Solo-Album knüpft im Prinzip da an, wobei es mit mehr Groove und Soundscapes aufwartet: Der Laidback-Soul »Joi« überrascht mit Mari Boine als Gastsängerin und einem entspannten E-Piano; ansonsten regiert jedoch das akustische Piano.

Meist melancholisch oder gar traurig anklagend wie in dem mit George Bush-Samples und den Erzählungen eines kongolesischen Kriegsopfers startenden »WY«, bisweilen aber auch mit verschmitztem Witz wie im minimalistischen »Fo(o)t«. Wesseltofts Domäne sind aber zweifellos die langsamen, jede Note auskostenden Piano-Soli, und davon findet man auf »IM« jede Menge. (peb)



Siehe auch:
Mari Boine

   

New Conception Of Jazz Film'ing
(2004, Emarcy/Universal 06024.9866123)

Ob ihn sein programmatisches Motto »New Conception Of Jazz« zu sehr unter Druck setzt? Wesseltoft, als Produzent und Keyboarder für andere so innovativ, verrennt sich zunehmend in diffuses Jazzfunk-Gedudel und opfert Tugenden wie Leitmotive oder die angestrebten Visionen zugunsten virtuoser Improvisationen.

Dafür versteht es der Keyboarder zweifellos, Songs zu entwickeln und diese wachsen zu lassen von stillem Vorgeplänkel zu ekstatischen Soli und wieder zurück zum entspannten Ausatmen. Mit Gästen wie dem Saxer Joshua Redman, dem tunesischen Oudspieler Dhafer Youssef oder der Sängerin Øyonn Groven Myhren groovt Wesseltoft mal durch hitzige House-Beats, meist jedoch durch zurückgenommene und atmosphärische NuJazz-Balladen. (peb)



Siehe auch:
Ensemble Du Verre
Dhafer Youssef

   

New Conception Of Jazz Live
(2003, Jazzland/Universal 038 500-2)

Er kann es nicht lassen, seine Combo New Conception Of Jazz als DAS neue Ding zu preisen. Dabei führt der Osloer Keyboarder lediglich die Tradition der Siebziger fort, den Jazz in ausgedehnten Improvisationen mit hitzigen Rockgrooves aufzumischen, freilich zeitgemäß orientiert an Drum'n'Bass und Ambient.

Nichtsdestotrotz agiert Wesseltoft brillant auf seinem Fender Rhodes und führt seine Mannschaft in immer neu treibende Acid-Jazz-Bahnen – mal zu langatmig (»Live In Amiens«), mal atmosphärisch packend (»Lone Live In Paris«), mal spontan begleitet von Gitarrist John Scofield (»Live At Blå«). Oder sind es eher seine Begleiter, die ihren Chef auf eine Reise mitnehmen? Der Verdacht scheint nicht unbegründet – man höre etwa Wesseltofts DJ und Perkussionisten zusammen bei Gen:Lon, die dort mehr visionäre Krfat demonstrieren. (peb)



Siehe auch:
Gen:lon

   

New Conception Of Jazz Moving
(2001, Jazzland/Universal 013.534-2)

Wesseltoft führt die Linie seines 98er Albums »SHARING« fort: Wieder lässt er sich treiben durch ein eklektisches Univesum aus Electronic, Ambient, DeepHouse, Triphop und vielem mehr. Kommerzielle Überlegungen sind ihm dabei reichlich egal; wichtiger scheint es ihm, seiner Zeit voraus zu sein. Zu wichtig? mag sein.

Denn historisch knüpft sein verschwitzter Clubjazz lediglich an die Musik der Siebziger an, wenngleich sich seine Klangfarben freilich up-to-date präsentieren – der Norweger zeigt, dass er die in Oslos Jazz-Kellern wogenden Trends aktiv mitgestaltet, sei es als Keyboarder auf unzähligen Aufnahmen oder eben den Jazz/Dance-Beats seiner eigenen Combo. Leider verkommen jedoch einige Soli – wie damals in den Siebzigern – zum Selbstzweck und lassen das Ergebnis dadurch etwas blutleer wirken. (peb)

   

New Conception Of Jazz Sharing
(2 CDs, 1998, Jazzland/Universal 538.278-2)

Es war der Startschuss für Bugge Wesseltofts Solo-Karriere, und der Titel seines Projekts New Conception Of Jazz provozierte bei vielen Hörern die Vermutung, dass hier der Jazz wirklich neu definiert wurde. Was natürlich Quatsch ist, denn Wesseltofts Verbindung aus hippem Dancefloor und Cool-Jazz ist streng genommen nur eine logische Weiterentwicklung von Acid Jazz, TripHop und Nu Jazz.

Nichtsdestotrotz darf man Weeseltofts Verdienste für die norwegische Tend-Jazz-Szene nicht unterschätzen, denn seine Jazzland-Label war Brutstätte für viele neue Impulse, und in seiner Truppe wirken etliche kleine Genies wie Saxofonist Vidar Johansen, die DJs Pål Strangefruit und Jan Bang oder Bassist Ingebrigt Flaten sowie Drummer Paal Nilssen-Love. Außerdem Sidsel Endresen, die den Song »You Might Say« zum Album-Highlight macht. (peb)



Siehe auch:
Sidsel Endresen
The Thing



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