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Alle Rezensionen zu Múm
(Genre »Pop«, Land »Island«)

 

Finally We Are No One
(2002, Fat Cat Records fatcd18)

Vier Isländer, die auszogen, um uns kleine Electronica-Geheimnisse zuzuflüstern und wundersame Beats in die Ohren zu hauchen, die nach feinstem Programming klingen und doch live eingespielt sind. Múm leben zu einer Hälfte in Reykjavik, zur anderen in Berlin, aber scheinbar nicht in dieser Welt. Denn das, was da auf »FINALLY WE ARE NO ONE« zwischen den Analog- und Digital-Sounds klebt, ist traumhaft süßer Zucker, mit dem Verwöhnaroma sentimentaler Melodien.

Selbst wenn Gesang und Melodie gegeneinander schwimmen und die textliche Fracht der Nebensächlichkeit preisgegeben wird, summieren sich Arrangements und Sounds am Ende zu jener Harmonie, die glückselig macht. Dabei bedarf es kaum einer weiteren Interpretation, denn alles auf diesem Album ergibt sich von selbst. Musik abseits aller Chartsformate, für Träumer, Schlafwandler und süße Melancholiker, die in Wolken noch Gesichter sehen. (lic)



Siehe auch:
Apparat Organ Quartet
Ólöf Arnalds
Lost In Hildurness

 Múm: Finally We Are No One

Offizielle Website

Offizielle Website      www.randomsummer.com

   

Sing Along To Songs You Don't Know
(2009, Morr Music morr 092-cd)

Eine Band, die aus dem Kokon der Elektronika schlüpfte, um mit allerlei unrätigem Instrumentarium ihre Version der verhuschten Koboldmusik zu zelebrieren – die Metamorphose ist geglückt. Mit dem schüchternen »Sing Along« und dem flügelschlagenden »Prophecies And Reversed Memories« (mit Maultrommel!) geht es gleich auf und ab. Die Emotionen schlagen Wellen in dieser grandiosen Eröffnung zwischen grenzenloser Weitläufigkeit und erdig-akustischem Eigensinn.

Mit hohem Assoziationspotenzial appelliert dieses Album an unsere Vorstellungskraft. Geister, Kinder, Geothermal-Quellen, Schotterwüsten, Zeitläufe markieren eine Welt, in der vieles möglich ist. Und dennoch scheint ein wenig die Luft raus zu sein – Wiederholungen häufen sich, und das bloße Übertünchen von Ratlosigkeit mit kleinkindlichen Schichtungen (Billigcasio-Beat!) hat man inzwischen zu häufig gehört, um darin noch Neues entdecken zu können. (maw)

   

Go Go Smear The Posion Ivy
(2007, Fat Cat Records/PIAS 449.3030.022)

Sicher haben auch die Aufnahme-Locations den skurrilen Pop beinflusst: Eine davon war ein kleines Fischerdorf in den isländischen Westfjorden, während die Drums meist in einer alten Schule auf einer westfinnischen Insel eingespielt wurden. Vom Kern sind nur noch Gunnar Örn Tynes und Örvar und Örvar Þóreyjarson Smárason dabei, dafür ist die Band inzwischen zum Septett gewachsen und die Musik vielschichtiger, sinfonischer und insgesamt leichter geworden.

Der Eröffnungssong »Blessed Brambles« könnte sogar von Peter Gabriel stammen, wenn er zu viel Joints geraucht hat: dieselben sehnsüchtigen Akkordfolgen, treibenden Beats und hymnischen Vocals, aber eben wie durch ein kaputtes Räderwerk laufend – surreal zerhackstückt, als ob ein kleines Kind frohgemut am Mixdown herumspielt. Der Rest des Albums: schwerer verdaulich, aber kaum minder phantasie- und gehaltvoll. (peb)

   

Summer Make Good
(2004, Fat Cat Records/PIAS fatcd26)

Obwohl Kristín Anna Valtysdóttir und Örvar Dóreyjarson Smárason mittlerweile in Berlin leben, zogen sie sich mit dem Dritten im Bunde namens Gunnar Örn Tynese in einen verlassenen Leuchtturm im Nordosten ihrer Heimatinsel zurück.

Dort, wo man Proviantnachschub mit dem Ruderboot holen musste, entstand - offensichtlich in der Gesellschaft einiger Geister - »SUMMER MAKE GOOD«: ein cineastisches Panoptikum mit brüchig säuselnder Falsettstimme, in dem es zur spieldosenartigen Musik ständig stürmt und brandet, knistert und zischt, knarrt und plätschert. Das ist quasi der Soundtrack dieses Leuchtturms, den Múm »nur« in eine musikalische Form gegossen haben. (peb)

   

Please Smile My Noise Bleed
(EP, 2001, Morr Music 4015698055320)

Der Zauber Múms hat auch Musikerkollegen erfasst. So besteht dieses Mini-Album aus zwei Originalen und sechs Remixen, die mit traumwandlerischer Sicherheit von Morr Music-Künstlern konstruiert wurden.

In den Vorlagen überwiegen pastorale Wolkenklänge mit elaborierter Melancholie, vertonte Gerüche und unterkühlte Elektrosplitter. Die Defragmentierer wählen nun ihren ganz persönlichen Ansatz. Sie nähern sich mit tiefen Echos, hauchen ein Overdrive zu den Drums, samplen die elfengleichen Texturen zu luftdurchlässigem HipHop oder bauen neckisch kleine Turbulenzen ein. Hier wird nirgends das Original nur lieblos mit stumpfen Beats umschachtelt, sondern sanft dessen Seele verpflanzt. (maw)

   

Yesterday Was Dramatic, Today Is Ok
(2000, Thule Musik TMT02)

Múms Debüt zeugt von einer anderen Wirklichkeit, von Ankunft an Nicht-Orten. Wie ein Schwebezustand über dem Strom, immer eine Metaebene weiter als der Hörer. Magisch schichten sich die Collagen zu atmosphärischer Dichte auf, und glucksende Sounds mit Fetzen von anorganischem Rock synthetisieren eine raumfüllende Spannung voll geheimnisvoller Tiefenstrukturen.

Eine komplexe Spannung, die auch durch die unterirdisch brodelnden Melodien und die grazilen Gesänge getragen wird. Und ein irisierender Beat spielt Wegweiser: hin zu den säuselnden Feen und pluckernden Kobolden irgendwo da draußen. In dieser unwirklichen und erhabenen Soundlandschaft im Panorama-Format. (maw)



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