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Alle Rezensionen zu New Tango Orqesta
(Genre »Jazz«, Land »Schweden«)

 

The Kiev Concert
(2010, Laika 3510264.2)

Mit finnischem Tango haben die sechs Schweden absolut nichts am Hut, sie orientieren sich am »klassischen« modernen argentinischen Tango – will sagen: mitreißende Rhythmen, höchste Virtuosität und große Gefühle (was bitte nicht heißen soll, diese Attribute der finnischen Variante abzusprechen!). Zudem packt das New Tango Orquesta einige Jazzelemente in ihr anspruchsvolles Konzept.

Sie spielen auf diesem Live-Mitschnitt ausschließlich Eigenkompositionen, deren Qualität nicht hinter Piazzolla herhinkt. Johanna Dahl (Cello), Livet Nord (Violine) und Per Störby (Bandoneon) tragen die Melodien, Thomas Gustavsson (p) und Josef Kallerdahl (b) legen den Grund, zusätzliche Klangfarben schafft Peter Grahn mit in diesem Kontext ungewöhnlicher E-Gitarre. »Elegy« eröffnet Konzert und CD, wie der Titel verspricht, bei »Bestiario« geht es schon mehr zur Sache. In der Folge hält das NTO die Spannung aufrecht, changiert geschickt und gekonnt zwischen forschem Feuer und herzergreifender Hingabe: »Cinnamon« versprüht in seiner Moll-Melancholie unglaubliche Leidenschaft, »Avantgardia« wartet mit entsprechend ausgeklügelten Breaks und Melodien auf. Kaum zu überbieten! (tjk)

 New Tango Orqesta: The Kiev Concert

Offizielle Website

Offizielle Website      www.orquesta.nu

   

Bestiario
(2005, Laika/Rough Trade 3510101.2)

Das Erbe Astor Piazzolas wird nicht in Argentinien verwaltet und – nein – auch nicht in Finnland, sondern in Schweden. Sogar die Familie und die ehemaligen Musiker des verstorbenen Tango-Innovators haben sich begeistert über das New Tango Orquesta geäußert und es damit geadelt. Das Qunitett, in dem Bassist Josef Kallerdahl nun den auf dem Debüt agierenden Christian Kullberg ersetzt, lässt sich abermals durch eine fiebrige, stets vergebens nach Glück und Vollkommenheit suchende Tango-Halbwelt treiben, die in ihrer Radikalität in der Tat wie eine konsequente Weiterentwicklung der Modernität Piazzolas wirkt.

Weiterentwicklungen gegenüber dem Debüt? Hier und da wird eine Melodie vollmundiger ausgeformt (»Push«), eine Phrase entspannter variiert. Ansonsten lautet die Devise: Warum etwas verändern, wenn der künstlerische Ausdruck Vollkommenheit erreicht hat? Die Musik des Orqquestas, abermals durchweg komponiert von Bandoneon-Spieler Per Storby, ist ein Erlebnis. Live wie zuhause. (lha)

   

Part II
(2000, Imogena IGCD085)

Bei Tango denkt man nicht unbedingt an Schweden, doch die Kompositionen dieser Tango-Enthusiasten sind mehr als prall gefüllt mit glühender Leidenschaft für lateinamerikanische Tanzrhythmen. Die unnachgiebige Jagd nach Perfektionismus zaubert immer neue Spannungsbögen, wobei Schwermut, Glück und tiefes Verlangen gewinnbringend als emotionale Leitlinien fungieren.

Geschickt verbindet das schwedische Tango-Orchester die Sinnlichkeit des Tangos mit herausfordernden Jazzelementen und füllt so elegant-leichte Tonfolgen mit brutaler Energie. Das ist nur scheinbar ein Widerspruch, denn das NTO überbrückt den Spagat zwischen Ekstase und Glückseligkeit, zwischen arglistigen Improvisationen und Harmonie mühelos. Ungeheure Tempiwechsel durchbrechen immer wieder die Suche nach Ruhe in diesem avantgardistisch-furiosen Tango-Cocktail. (rab)



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