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The Melody Bronson
(2011, Divine Records/Broken Silence)
Eine erotisch aufgeladene Schwüle, in der vieles angedeutet, manches versprochen und womöglich wenig gehalten wird, weil die Liebe ohnehin ein Spiel ist, das seine eigenen Regeln schreibt: Klassische französische Chansonniers der 60er von Serge Gainsbourgh bis Julien Clerc haben das Bild des anarchischen Romantikers geprägt, der voll crooniger Eleganz im schwarzen Anzug plus schmalem Schlips ins Melodrama-Land zu segelt. Die dänischenen Bronson Brothers berufen sich auf ihrem Debüt »THE MELODY BRONSON« auf diese glorreichen Zeiten, als Sänger wie Jacques Brel Volksheld und Paria gleichermaßen waren - und scheitern am mangelnden Willen zum Wahnsinn. Merke: Überkandidelter Zuckerbäcker-Pop braucht mehr als Sinn für Schwulst, um unsere Empfindsamkeit zu rühren. Da nützt es wenig, dass das Album-Design beflissen in den Farben der Trikolore gestaltet ist und gleich drei eher weniger bekannte französische Sängerinnen im Duett mit Sänger Ted Bronson trällern.
Das kleine Boot der Bronson Brothers segelt bisweilen bedrohlich nah am Kitsch-Äquator vorbei und kreuzt zwischendurch die Route des Electric Light Orchestra. Hach Großmotzherrlichkeit! Trotz aller Hingabe an die Kunst des Pathos haben die Dänen nicht verstanden, dass Leichtigkeit das eigentliche Lebenselixier des French Pop war und ist. Voller Erdenschwere, mit lehmigen Stiefeln, kommen die Gebrüder bisweilen daher - und die ernsthaft-tiefe Stimme von Ted Bronson, der in »The Tide« seine Krebserkrankung thematisiert, lässt den Kutter tief in dunkle Wellentäler treibn. Was bleibt, sind hehre, große Gefühle, die so gar nicht zur abgeklärten Alain-Delon-Attitüde passen wollen. (emv)
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