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Heimo
(2011, CCAP CRCD101)
Früher glaubte man ernsthaft, dass sich die Farben Orange und Rosa »beißen« und deshalb tunlichst nicht gemeinsam zu tragen seien. Derlei Unsinn hat sich erfreulicherweise überlebt, ebenso wie die irrige Ansicht, dass man Musik fein nach Genres zu trennen habe. Nun also dies: Psychedelische Electronics treffen experimentellen Jazz, Discobeats kuscheln sich an Mitsingschlager, Dancefloor-Coolness hält Händchen mit abgedrehten Kifferpop-Waldschratereien und Kraftwerk waren auch noch zum Kaffee da. Ein Stilmix dieser Art kann nur aus Finnland kommen, einem Land, in dem abgedrehte Eigentümlichkeiten gedeihen wie Löwenzahn im Frühlingsregen. Uuusi Fantasia (neue Phantasie) sind ein Trio aus Helsinki, das sich mit seiner zweiten Veröffentlichung »HEIMO« (Stamm) reichlich Zeit gelassen hat und ein nur auf den ersten Blick disparates Album vorgelegt hat. Die Klammer, die hier alles zusammenhält, ist eine unbändige Leichtigkeit. Von der ironischen Lebensfreude ganz zu schweigen.
Die drei Herren mit den schönen Bühnennamen DJ Street Kobra, Kroko-Roc und Ercola sind seit Jahren in der Helsinki-Musikszene aktiv und haben in Formation wie RinneRadio und Op:l Bastards Erfahrungen gesammelt. Bestens vernetzt sind sie zudem: Als Gastsänger treten hier neben Jimi Tenor auch Eirik Bøe von Kings Of Convenience (sehr cool in »Barefoot Not Naked«!) und Paula Vesala von den finnischen Aufmüpfer-Mädels PMMP auf. Den Bass bedient Lauri Porra von den Metallheroen Stratovarius. Ein Mann aber stielt hier allen die Show, und das ist das finnische Schlager-Urgestein Freeman, der in »Liian Myöhään« eine so abgedrehte Perfomance abliefert, dass selbst Catweazle neidisch werden könnte. Uusi Fantasia geben hier die Dandys, denen die Stilmeinung anderer Leute völlig schnuppe ist und entwickeln eine respektlose Eleganz. Flöten flirren, Violinen jauchzen, Congas machen kirre, Saxophone irritieren und Beats puckern. »HEIMO« ist auf eine seltsam stimmige Weise unberechenbar. Dazu tanzen muss man trotzdem! (emv)
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