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Alle Rezensionen zu Pan Sonic
(Genre »Avantgarde«, Land »Finnland«)

 

Kesto
(4 CDs, 2004, Blast First BFFP180BX)

»Dauer« – so heißt der Titel von Pan Sonics sechstem Album zu deutsch, in Klammern hinzugefügt die Laufzeit: Vier Stunden komplett neue Musik auf vier CDs. Ein Fest! Man sollte annehmen, dass die beiden Exil-Finnen hier den Bogen überspannen, aber nein, »KESTO (234.48:4)« ist so etwas wie die Summe und der Höhepunkt in ihrem gemeinsamen Oeuvre. Wer in seinem Leben nur ein Pan-sonic-Album kaufen will, möge zu diesem greifen. Die anderen wird er dann ohnehin ganz automatisch haben wollen.

Es geht drastisch los mit dem bezeichnenden Titel »Mayhem«, und die fünfzig Minuten strukturierter Krach von CD1 sind drei Jahre nach dem letzten Album »Aaltopiiri« ein deutlicher Schritt in eine neue kreative Richtung. Eigentlich ist das schon Industrial-Punkrock, live gespielt mit allerlei analogen Klanggeneratoren, wie gewohnt ohne Overdubs. Hatten manche »AALTIPIIRI« noch als Stagnation auf hohem Niveau empfunden, so leiten Pan sonic hier die zweite Phase ihres Schaffens ein – die im Rückblick quasi auf dieses Mammutwerk und die zeitgleich entstandenen Trioalben mit John Duncan bzw. Merzbow eingegrenzt werden kann.

CD2 legt den Fokus auf entspanntere, knackig-pulsierende Tracks, teils mit altmodischem Elektro-Charme; hier sind Pan sonic am nächsten an ihrem bis dato bekannten Sound. Mit über 70 Minuten ist die dritte die längste CD: acht Tracks experimenteller, latent düsterer und zumeist ruhig-abstrakter Klangwelten, die sich nicht so schnell erschließen wie der Rest der vier Stunden. Auf »KESTO (234.48:4)« expandieren Pan Sonic ihre Kunst in alle Richtungen, so dass der abschließende, gut einstündige Ambient-Track sicher konsequent ist – aber nichts mehr hinzufügen kann. (ijb)



Siehe auch:
Mika Vainio (Ø)
VVV (Vainio Väisänen Vega)

 Pan Sonic: Kesto

   

A
(1999, Blast First/Naxos BFFP149)

Das finnische Elektronik-Duo Panasonic hatte sich in den 1990ern langsam, aber sicher eine internationale Fangemeinde erarbeitet, mit ihren spröden, reduzierten und stets ungewohnten Sounds und mit angesagten Konzerten – als ein sicher nicht zufällig namensgleicher Weltkonzern auf die beiden aufmerksam wurde und sie aufforderte, sich einen anderen Bandnamen zu suchen. Vainio und Väisänen ließen sich auf keinen Rechtsstreit ein und entfernten für ihr 1999 erschienenes viertes Album kurzerhand einen Buchstaben aus dem Namen und nannten die Platte »A«.

Nach dem blauen und dem grünen Album ist »A« das braune, wobei innen ein seltsames Bild von einem unförmigen stofftierartigem Etwas überrascht, fotografiert von Landsmann Jimi Tenor. »A« erscheint weitestgehend ruhiger und auf die Einzelteile des Pan-Sonic-Klangkosmos konzentriert: 17 spröde, oft skizzenhafte Tracks, noch mehr als zuvor völlig frei von Genrepfaden, aber ebenso nicht digital programmiert, sondern mit Hilfe von analogen, selbst montierten Gerätschaften erzeugt. Anfangs lebt diese Musik von minimalistischen Rhythmen mit subtilen Verschiebungen und dichter Atmosphäre; im Mittelteil des Albums wird es dann zunehmend flächig, es rauscht und raunt, und fiese extreme Frequenzen greifen an.

Von allen zwischen 1994 und 2010 erschienenen Alben und EPs dürfte das rund 65 Minuten lange »A« das reduzierteste, kleinteiligste sein, sicherlich aber das abstrakteste. Nichts hier lässt Gemütlichkeit aufscheinen, und wenn schließlich in den letzten vier Tracks langsam aber sicher der technoid anmutende Krach der vorhergehenden »Osasto EP« und der ersten beiden Alben zurückkehrt, kommen auch die Noise-Freunde auf ihre Kosten. Großartig! Auch zwölf Jahre nach Erscheinen ein präzis geschliffenes Meisterwerk abstrakt-analoger elektronischer Musik. Sicher nicht so unmittelbar einladend wie die späteren Alben, aber eine Einladung zum Entdecken ohne Frage. (ijb)



Siehe auch:
Ø
Jimi Tenor



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