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That Lucky Old Sun
(2010, Stunt/Sunny Moon 10082)
»Altersweise« wird mancher Journalisten-Kollege diese CD nennen. Und wird dann weiter darüber fabulieren, dass guter Whisky erst ab einem bestimmten Alter schmeckt und dass die beste Musik doch aus unseren nordischen Nachbarstaaten kommt. Aber wie sonst soll man es auch erklären, dass Povl Dissing, ein 72jähriger Singer/Songwriter und in seiner Heimat Dänemark eine Institution, eine äußerst liebenswerte und eigensinnige Hommage an Louis Armstrong veröffentlicht? Dissing, der in den Fünzigern und Sechzigern oft kontrovers bewertet wurde und in den Siebzigern dennoch eine zentrale Person der dänischen Rockszene wurde, ehrt hier einen Jazz-Titan, der nach eigener Aussage »mein erster Held war, der mich noch dazu lehrte, wie man in Dänisch singen könnte«.
Mit potenten Jazzbegleitern, darunter Bassist Anders Christensen oder Saxofonist Jakob Dinesen, knöpft sich der stets unbequeme Sänger Nummern wie »Blueberry Hill«, »St. Louis Blues« oder »Beale Street Blues« vor. Dem übermächtigen Vorbild Louis Armstrong begegnet Dissing durch eine völlig eigene Handschrift, die vor allem durch seinen kauzigen, irgendwie »zerzausten« Gesang geprägt wird. Aber auch Gitarrist Jakob Bro macht vieles anders als erwartet, wenn er ähnlich wie Bill Frisell die Klassiker mit lang singenden, sustainreichen Melodielinien modernisiert. Eine vergnügliche und sehr anregende Reise in die Frühzeit des Jazz. (peb)
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