|
Lost In Hildurness: Mount A
(2006, 12 Tonar 12t030)
Was soll das sein, eine Cello-Platte? Das hört sich nach Apokalyptika an, klingt aber gottlob genau nach dem Gegenteil. Hildur Ingveldardóttir Guðnadóttir heißt die junge Lady hinter diesem Solo-Album, das keines ist, weil sie mit endlosen Multiplikationen von sich selbst spielt, vielen Cello-Spuren, Harfe, Gambe, Vibraphon und Stimme. Mit Múm hat sie schon gespielt, mit Skúli Sverrisson, Pan Sonic, Jóhann Jóhansson, Stillupsteypa undundund. Für »MOUNT A« zog sie sich in ein Holzhaus zurück – und heraus kam ein Bündel Traurigkeit wie aus dem finsteren Inneren eines Schneckenhauses.
Dunkle Flächen, alles Moll in Moll, wabernd und verwoben, dunkel wogend und voller wohlplatzierter Dissonanzen, im Hintergrund metallenes Klimpern oder seltsam fremd gestimmte Harfentöne. Minimalistisch ist das und gleichzeitig bodenlos, seufzend und klagend und bestens denkbar für einen Film von Darren Aronofsky; Musik wie ein wucherndes Schattengewächs. Doch dann, oh Wunder, öffnet Hildur im letzten Track die Tür, und siehe, es wird Sommer: Endlich klart die Musik auf, beginnt zu rotieren, schraubt sich in lichte Lagen, noch etwas ungewohnt in leicht verstimmtem Dur, aber mit Vogelzwitschern im Hintergrund. Und ganz zaghaft wird daraus eine Hymne, zehn Minuten stille, strahlende Freude. »You« heißt der Track: Der einsame Winter ist vorbei. (sep)
|