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Alle Rezensionen zu Hildur Guðnadóttir
(Genre »Avantgarde«, Land »Island«)

 

Hildur Guðnadóttir & Hauschka: Pan Tone
(2011, Sonic Pieces/Morr Music / Anost SP012)

Wohin nur mit dieser CD? »Pop« ist sie wohl leider nicht, »Klassik« und »Jazz« ebenso wenig. Sowohl der Pianist Volker Bertelmann alias Hauschka als auch die Cellistin Hildur Guðnadóttir sind zwar oft in der elektronischen Musik aktiv, doch »Beats« gibt es hier keine. Für die Schublade »Avantgarde« wiederum gründet ihr Duoalbum zu sehr auf Tradition und Eingängigkeit. Mehr Klassik als Pop – oder mehr Pop als Klassik? »PAN TONE« müsste man vielleicht am ehesten beschreiben als eine Kreuzung aus Suite und langer Sonate für Cello und Piano, bereichert um den Gestus einer höchst zeitgenössischen und so warmen wie minimalistischen Elektronik. Häufig findet man dafür die Bezeichnung als »New Composition«, »(Alternative) Ambient« oder »Indie Electronic« (vgl. Jóhann Jóhannsson oder Valgeir Sigurðsson).

Hauschkas Alben, obgleich zumeist im »New Age«- oder »Club Music«- Regal einsortiert, stehen zudem klar in der kompositorischen Tradition von Satie und John Cage, nicht zuletzt wegen seines Fokus aufs präparierte Piano. Und da ist die Grenze zum banalen Poesiealbumsgeklimper nicht selten schmal. Ähnliches konnte man überdies Guðnadóttirs bisherigen Veröffentlichungen entgegenhalten, ob solo oder etwa beim Trio »Angel«. Am eindringlichsten ist ihre Mitwirkung an »Katodivaihe«, der vorletzten CD von Pan Sonic, geblieben. In »PAN TONE« also, dieser live aufgenommenen Begegnung der beiden, entsteht nun ein so eigener, starker und auch fern jeglicher Oberflächlichkeit angesiedelter Kosmos, der das beste aus ihrem jeweiligen Schaffen zusammenführt. Der Pianist und die Cellistin gehen eine derart zwingende homogene Verbindung miteinander ein, dass die Frage aufkommt, warum denn bislang keine gemeinsamen Werke zu hören waren. Und man hofft, sie mögen doch bitte noch ganz viel Zeit miteinander verbringen, gerne weitere CDs miteinander eispielen – und dieses Niveau unbedingt auch in andere Zusammenarbeiten weitertragen, ausloten und gerne auch weiter variieren.

Sonic Pieces veröffentlicht dieses Album in limitierter Erstauflage von 450 handgemachten gebundenen CDs und 350 LPs, zu bestellen am besten direkt über die Label-Website: www.sonicpieces.com (ijb)



Siehe auch:
Pan Sonic
Jóhann Jóhannsson

Hildur Guðnadóttir: Hildur Guðnadóttir & Hauschka: Pan Tone

Offizielle Website

Die CD »Hildur Guðnadóttir & Hauschka: Pan Tone« war »CD des Monats« im Monat 9 / 2011.
Und so urteilten unsere anderen Autoren darüber:

Bisschen Cage und präpariertes Klavier, bisschen Klangflächen und Geklöppel - ja, es ist schon speziell, was es hier zu hören gibt, aber umwerfend neu oder einfach nur umwerfend ist es nicht. Immerhin: Bei genügend Lautstärke gibt es einige Passagen mit Überwältigungspotential.
Sebastian Pantel

Ich habe mir den Luxus geleistet, die Musik zu hören, ohne mich vorher darüber informiert zu haben. Und da tauchen sich dann Räume, Flächen und Assoziationen auf, wie man das kaum für möglich hält. Natürlich trifft nicht jeder Track ins Schwarze, aber selten passt der Begriff »Kopfkino« so gut wie hier.
Peter Bickel

Nein, Seb, umwerfend neu ist es nicht, was die beiden Musiker hier erschaffen - aber darum geht es hier auch gar nicht. Es ist der intensive kreative Austausch zwischen Cello und Piano, der das Herz klopfen lässt - in einer unerhörten Intensität, die gleichwohl von hohem gegenseitigen Respekt geprägt ist. Hier machen zwei die Leinen los und segeln im kleinen Boot zum Horizont. Wir sehen ihnen lange nach.
Eva-Maria Vochazer

Dass dieser Auftritt eine einmalige Sache gewesen sein soll, mag man kaum glauben. Dieses unauffällige, aber voller reicher Momente steckende Duett erweckt den Eindruck, Ergebnis langer Studioarbeit zu sein. Die Stücke sind übrigens inspiriert von Pantone-Blauschattierungen, von fast schwarz bis aquamarin, Farben des Ozeans assoziierend.
Leif Haugjord

Offizielle Website      www.hildurness.com

   

Without Sinking
(2010, Touch/Morr Music / Anost TO:70CD)

Man muss nur zum Beispiel das frühe Album »MOUNT A« gehört haben und ein bisschen über Hildur Ingveldardóttir Guðnadóttir lesen – dann wird klar, dass auch »WITHOUT SINKING« wohl kein lichtdurchflutetes Sommeralbum sein wird. Mit Jóhann Jóhansson hat die Cellistin schon zusammengearbeitet – mit dessen ganz ähnlichem Faible für melancholisch wuchernde Streichersymphonik. Oder mit Throbbing Gristle, den britischen Industrial-Veteranen – daher der Wille zur Avantgarde. Eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis »Fountain«-Regisseur Darren Aronofsky für den nächsten tiefschwarzen Soundtrack das Kronos-Quartett gegen Hildur tauscht.

Denn »WITHOUT SINKING« ist, im Vergleich zu »MOUNT A«, noch fokussierter, noch präziser dunkel getüncht – gleichzeitig sind die Trennlinien zwischen den Dunkel-Stufen noch schärfer gezogen. Über rauen Flächen im Bassregister schichtet die Musikerin schluchzende Melodien und manisch pochende Pulse – harmonisch ausgesucht, blitzsauber intoniert und mit einem untrüglichen Gefühl für Dramaturgie und Timing. Konnte man in »MOUNT A« noch grübelnd abtauchen, so muss man hier zuhören und sich sehenden Auges runterziehen lassen. Sicherlich kein Album für laue Sommernächte, wie gesagt, und zu häufiges Hören wäre für die seelische Balance sicher auch nicht ratsam. Aber solche dunklen Alben-Perlen warten geduldig im CD-Regal – irgendwann braucht man sie. (sep)

   

Lost In Hildurness: Mount A
(2006, 12 Tonar 12t030)

Was soll das sein, eine Cello-Platte? Das hört sich nach Apokalyptika an, klingt aber gottlob genau nach dem Gegenteil. Hildur Ingveldardóttir Guðnadóttir heißt die junge Lady hinter diesem Solo-Album, das keines ist, weil sie mit endlosen Multiplikationen von sich selbst spielt, vielen Cello-Spuren, Harfe, Gambe, Vibraphon und Stimme. Mit Múm hat sie schon gespielt, mit Skúli Sverrisson, Pan Sonic, Jóhann Jóhansson, Stillupsteypa undundund. Für »MOUNT A« zog sie sich in ein Holzhaus zurück – und heraus kam ein Bündel Traurigkeit wie aus dem finsteren Inneren eines Schneckenhauses.

Dunkle Flächen, alles Moll in Moll, wabernd und verwoben, dunkel wogend und voller wohlplatzierter Dissonanzen, im Hintergrund metallenes Klimpern oder seltsam fremd gestimmte Harfentöne. Minimalistisch ist das und gleichzeitig bodenlos, seufzend und klagend und bestens denkbar für einen Film von Darren Aronofsky; Musik wie ein wucherndes Schattengewächs. Doch dann, oh Wunder, öffnet Hildur im letzten Track die Tür, und siehe, es wird Sommer: Endlich klart die Musik auf, beginnt zu rotieren, schraubt sich in lichte Lagen, noch etwas ungewohnt in leicht verstimmtem Dur, aber mit Vogelzwitschern im Hintergrund. Und ganz zaghaft wird daraus eine Hymne, zehn Minuten stille, strahlende Freude. »You« heißt der Track: Der einsame Winter ist vorbei. (sep)



Siehe auch:
Múm
Skúli Sverrison
Pan Sonic



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