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Skoddeheimen
(2010, Norcd NORCD0988)
Wieviele Bands haben nicht schon »Musik gegen das Vergessen gemacht«. Karl Seglem und seine Projektband nun machen Musik über das Vergessen. Hintergrund: Gedichte von Ola Hunderi und die Bilder von dessen alzheimerkranker Frau Inger Anne. Texte, Bilder und das Buch werden als zusammengehörende künstlerische Einheit veröffentlicht.
Seglem ist beim Komponieren zum Glück nicht in die üblichen Fallen getappt, die entlang schwerer, existenzieller Themen wie diesem lauern: Gefühligen Kitsch zu produzieren oder sklavisch an der Wortvorlage entlang Töne zu setzen. Vielmehr tut er, was er als eine der ganz zentralen Figuren des norwegischen Jazz immer tut: Er verbindet die erdigen Klänge seines Bockshorns mit Klangbastelei und klassischen Jazzelementen, und erreicht so Erdigkeit und Ehrlichkeit, die aber immer wieder mal ins Sphärische abdriftet.
»Nebelheim« könnte man den Titel der CD übersetzen, die den Weg eines Menschen ins Vergessen nachzeichnet. Das klingt mal zärtlich und wunderschön – getragen von Liebe. Und dann wieder, vor allem von Lindha Kallerdahl ihre typische, stählerne Schärfe in die Stimme legt, fast unerträglich schmerzhaft. Zwischen diesen Extremen pendeln auch die Titel: Hell und Dunkel. Schrei. Walzer. Wolken. Nebel. Roter Abend.
Mit diesem Projekt, weil es so ernsthaft, so einfach und so wahr ist, so tieftraurig und doch bejahend, wird aus einer Musik über das Vergessen – eine Musik gegen das Vergessen. (sep)
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