|
Standing On Top Of Utopia
(2010, hfn music/Rough Trade)
Der blasse Lockenkopf gibt den Nerd. Den eckig-hölzernen Schlaumeier, der in der Disco unbemerkt am Rand stünde, wenn, ja wenn: er die Menge nicht von der Bühne aus auf die intelligenteste und verführerischste Art auf der Tanzfläche auf Abwege führen würde. Kasper Bjørke, seit Jahren eines der prägenden Gesichter der Kopenhagener Club-Elektronikszene, entwirft auf seiner zweiten Veröffentlichung »STANDING ON THE TOP OF UTOPIA« seine ganz eigene Sicht auf perfekte Zukunftsszenarien. Unwiderstehliche Bass-Loops, präzis-verträumte Synthies und ausufernde künstliche Klangspielereien bilden dabei nur die breite Plattform, von der aus Bjørke abhebt in die wilde Wunderwelt der Zitate und Anspielungen: Discofieber, ägyptischer Reggae, die Talking Heads in ihrer Hochphase, die Rolling Stones und und das neugierige, geradezu nichtsnutziges Sich-Treiben-Lassen gut gemachter Popsongs stehen Pate. Verhaltene Euphorie, unbedingte Hingabe. Hui!
Bjørke lässt sich Zeit. Lässt die elektronischen Blubbereien wie ein Bächlein ihren eigenen Weg durch die Wiesen talabwärts finden. Mal verträumt, mal trotzig, mal wütend gurgelnd. Von eigenbrötlerischem Solistentum hält der Meister nichts und hat eine ganze Phalanx von Gastmusikern mit an Bord geholt: Louise Foo von Giana Factory und Thomas Höffding von WhoMadeWho steuern Vocals bei, und Kumpel Tomas Barfod vom gemeinsamen Nebenprojekt Filur sowieso. Kasper Bjørke beweist mit dem Zweitling, dass er über das Sternschnuppen-Phänomen schon längst hinaus ist und sich in Richtung eines veritablen Komete (mit Schweif!) entwickelt. Puuh! (emv)
|