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Diminuito
(2009, ECM/Universal 476 3317)
Der Lautenist Rolf Lislevand und sein Ensemble haben’s, anders als viele knöcherne Alte-Musik-Dogmatiker, verstanden. Und zwar, dass der Jazz viel älter ist, als das im Allgemeinen angenommen wird. Damals, im 16. Jahrhundert hieß er zwar noch nicht so. Aber improvisiert haben sie damals schon, mindestens ebenso lustvoll und fetzig, virtuos, tieftraurig versunken und dreist fröhlich wie vierhundert Jahre später. Und multikulti waren sie damals sowieso.
Lislevand lässt also bei sich und seinen Mitstreitern den Weltmusik-Jazzer raus – und spielt Renaissance-Musik aus dem alten Italien so frisch und aus dem Moment heraus, wie es damals sicher auch üblich war. Verziert (akademisch korrekt übrigens, für alle, die da meckern wollen würden) und umschlingert die Melodien mit Ornamenten, die ungeahnt orientalisch klingen.
Die üppige Besetzung mit vielen tiefen Instrumenten, Rasseln und Klappern, Trommeln, Orgel (aus der auch mal ein lässiger Wanderbass wird) und Stimme macht aus der CD ein sattes Klangbad, in dem man zwar mit alten Wassern gewaschen wird, aber dafür umso frischer draus hervortaucht. Keine Frage nach Technik übrigens – wer die ganz eigenen, hinterhältigen Tücken alter Instrumente kennt weiß, was für eine Kunst es ist, darauf so überlegen und entspannt zu musizieren wie Lislevand und seine – tja – naja – Band. Oder wie man das früher genannt hat. (mku)
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