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Alle Rezensionen zu For A Minor Reflection
(Genre »Rock«, Land »Island«)

 

Reistu þig Við, Sólin Er Komin Á Loft
(2007, Eigenverlag)

Man traut es sich angesichts der offenkundigen Unfertigkeit der Band kaum laut zu sagen, aber heraus muss es trotzdem: Die Debüt-EP dieser vier jungen Isländer, an einem einzigen Wochenende eingespielt, ist ein Triumph in Rohlingform. Mit einem großen Versprechen in die Zukunft. Warum? Weil trotz aller allzu offenkundigen Mängel beim Sound und trotz allerlei Holpereien beim Songwriting die unbedingte Leidenschaft dieser zum Zeitpunkt der Aufnahme kaum 18jährigen mitreißt wie ein Sturzbach. Kein Widerstand möglich.

Der Postrock mit seinem endlosen Verglühen in repetitiven Klangmustern ist ein reichlich von Dinosauriern zertrampeltes Territorium. For A Minor Reflection orientieren sich mit ihrer instrumentalen Variante des Genres klar an Vorbildern wie Mogwai oder Explosions In The Sky. Der Hang zum romantischen Ausleben zarter Gefühlstiefen könnte in der Familie liegen: Gitarrist Kjartan Holm ist der kleine Bruder des Sigur-Rós-Bassisten Georg Holm. Die nächste Generation aber steht mit den Jungspunden auf diesem sechs Songs umfassenden Minialbum in den Startlöchern: Mit einer naiven, aber selbstbewussten Ernsthaftigkeit. Mit dem Versprechen, über Grenzen zu gehen. Mit einer Fähigkeit zur Hingabe, die es einem eng ums Herz werden lässt. Und einem Lächeln, das trotz aller heftigen Ausbrüche durch die Songs leuchtet. Übersetzt lautet der Albumtitel: »Steh auf und strahle, die Sonne ist aufgegangen«. Wow. Passt. (emv)



Siehe auch:
Sigur Rós

 For A Minor Reflection: Reistu þig Við, Sólin Er Komin Á Loft

Offizielle Website

Offizielle Website      foraminorreflection.com

   

EP
(2011, Eigenverlag)

Mit der dritten Veröffentlichung ist für For A Minor Reflection das Zeitalter der Romantik angebrochen. Das Zeitalter der Empfindsamkeit und der zarten Verästelungen von Gefühlen. Die Ära des Suchens, nicht der des Findens Das Zeitalter, in der das sensible Piano von Guðfinnur Sveinsson immer weiter in den Mittelpunkt rückt. Die Vier aus Reykjavik lassen die vier Songs knapp unter der Flagge »EP« laufen, was nur als selbstbewusstes Understatement durchgehen kann.

Den lärmigen Ausbrüchen des Postrock, den endlos sich verzweigenden Songstrukturen ist das Quartett noch lange nicht entwachsen. Dem Purismus in Form rein instrumenal eingespielter Songs wird weiter gehuldigt. Wohin der Weg sich mit Titeln wie »Ephemeron« oder »Impulse« öffnet, ist klar: In eine Richtung der intelligenten Raffinesse, des Öffnens in Richtung Elektronik, der Zuwendung zu einem dezidiert komplizierten, lyrischen Nachbarland. An Intensität geht hier nichts verloren. For A Minor Reflection setzen hier Segel mit unbekanntem Ziel. Gehen auf Gralsfahrt. Möge die Abenteuersuche mit all ihren Unwägbarkeiten noch lange dauern. (emv)

   

Höldum í átt að óreiðu
(2010, Eigenverlag FAMRCD02)

Keine Suche ist vergeblich. Denn Fundstücke liegen ausreichend am Wegesrand, vielleicht sogar noch am ehesten dort, wo man sie am wenigsten erwartet. Analog dazu könnte sich die größte Schwäche von »Höldum í átt að óreiðu« (übersetzt: auf das Chaos hinsteuern), dem ersten Longplayer von For A Minor Reflection, noch als seine größte Stärke erweisen: Die Uneinheitlichkeit. Postrock heißt die Flagge, unter der das Quartett segelt, aber unversehens changiert hier bei voller Fahrt die Farbe. Die genreüblichen repetitiven Gitarrenschleifen und die kathartische Klimax, das Mäandern und Schlendern, sie nehmen naturgemäß großen Raum ein. Aber gleichzeitig flirren irritierenderweise andere musikalische Inspirationen durch die Lüfte: Die ernsthafte Romantik mit ihrem sensiblen Piano. Die nachdenkliche instrumentale Filmmusik. Und der zärtliche Pop.

Den ganz großen Wurf wollten sie abliefern, die fast noch minderjährigen Vier aus Reykjavik. Das ist ihnen nicht gelungen, und das ist keine schlechte Nachricht. Den wütenden Gitarrenausbrüchen entwachsen sie allmählich. Dunstig zeichnet sich am Horizont die Insel ab, auf der For A Minor Reflection ihren Heimathafen finden könnten: ihre ureigene Nische abseits der wohldefinierten Stile. Eine Insel, auf der Leidenschaft und Hingabe, Zartheit und Neugier, Experimentelles und Karges doch tatsächlich Arm in Arm am Strand sitzen. Was nicht heißt, dass das Quartett hier Dutzendware abliefert. Songs wie »Flóð«, »Tómarúm« und »A Moll« überwältigen mit schierer Schönheit. Diese Vier werden ihre blaue Blume noch finden. (emv)



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