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Höldum í átt að óreiðu
(2010, Eigenverlag FAMRCD02)
Keine Suche ist vergeblich. Denn Fundstücke liegen ausreichend am Wegesrand, vielleicht sogar noch am ehesten dort, wo man sie am wenigsten erwartet. Analog dazu könnte sich die größte Schwäche von »Höldum í átt að óreiðu« (übersetzt: auf das Chaos hinsteuern), dem ersten Longplayer von For A Minor Reflection, noch als seine größte Stärke erweisen: Die Uneinheitlichkeit. Postrock heißt die Flagge, unter der das Quartett segelt, aber unversehens changiert hier bei voller Fahrt die Farbe. Die genreüblichen repetitiven Gitarrenschleifen und die kathartische Klimax, das Mäandern und Schlendern, sie nehmen naturgemäß großen Raum ein. Aber gleichzeitig flirren irritierenderweise andere musikalische Inspirationen durch die Lüfte: Die ernsthafte Romantik mit ihrem sensiblen Piano. Die nachdenkliche instrumentale Filmmusik. Und der zärtliche Pop.
Den ganz großen Wurf wollten sie abliefern, die fast noch minderjährigen Vier aus Reykjavik. Das ist ihnen nicht gelungen, und das ist keine schlechte Nachricht. Den wütenden Gitarrenausbrüchen entwachsen sie allmählich. Dunstig zeichnet sich am Horizont die Insel ab, auf der For A Minor Reflection ihren Heimathafen finden könnten: ihre ureigene Nische abseits der wohldefinierten Stile. Eine Insel, auf der Leidenschaft und Hingabe, Zartheit und Neugier, Experimentelles und Karges doch tatsächlich Arm in Arm am Strand sitzen. Was nicht heißt, dass das Quartett hier Dutzendware abliefert. Songs wie »Flóð«, »Tómarúm« und »A Moll« überwältigen mit schierer Schönheit. Diese Vier werden ihre blaue Blume noch finden. (emv)
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