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Fever Ray
(2009, Rabid Records/Universal RABID03-9)
Im Schattenreich der Karin Dreijer werden die Lichter ausgeblasen. Es regiert gespenstische Düsternis, die sich beklemmend mit ihren eiskalten Fingern um den Hals schlingt. Nur ein sturer Puls zeugt von Leben. Dann erklingt die Stimme der The Knife-Frontfrau – wie gewohnt so verzerrt und verlangsamt, dass die Vermännlichung einer Entmenschlichung gleichkommt. Und diese entstellte Fratze ist das Einzige, was hier grinst.
Geisterhaft und bedrohlich ist die Grundstimmung, selbst die Texte sind in triefendes Schwarz getüncht: »If I Had A Heart I Could Love You« heißt es im gefühlsdehydrierten Opener. Postnatale Stimmungen verarbeitet Frau Dreijer auf ihrem Solodebüt und nicht nur das: Ihre Vorliebe für die Filmemacher Jarmusch und Lynch ist es, die im Referenzrahmen dieser ungemein eigenen Ästhetik nur allzu schlüssig erscheint. Zwischen all den Effekten und Loops werden so die Abgründe der Seelen zu Tage gebracht. Das geschieht auf eine ebenso simple wie ungemein effektvolle Art: Die Beats pluckern in stoischem Fluss, die Details sind metallisch und schillern aus der Tiefe hervor. Hier und da setzt entrücktes Karibik-Flair eine Duftmarke, bevor das bizarre Experiment wieder in jene ungreifbaren Sphären abtaucht, die jeden Song als düstere Ahnung durchwabern.
Zunächst mag die Wiederholung der stilistischen Mittel und das Fehlen von melodischen Höhepunkten etwas befremden, aber die Eigenart der Songs und deren spezielle Aura sind spannend genug, um späterhin über die volle Distanz zu fesseln. Denn was Fever Ray ausmacht, ist im Baukasten des Gegenwartspop so bisher nicht zu finden. (maw)
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