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Alle Rezensionen zu Matthias Eick
(Genre »Jazz«, Land »Norwegen«)

 

Skala
(2011, ECM/Universal)

Jazz ja, aber dann auch wieder nicht. Im ECM-Katalog fällt auf, dass es in letzter Zeit vermehrt Platten an der Grenze zum Pop gibt, üblicherweise schwer vom Jazz herkommend. So auch dieses, Mathias Eicks zweites Album. »SKALA« ist genau genommen Popmusik, aber von einer Besetzung dargeboten, die hier wie dort zu Hause sein könnte. Für Eick passt das, denn er ist als Trompeter ja selbst überall zu Hause, ob im Rock von Motorpsycho, im Prog-Jazz-Elektro von Jaga Jazzist oder auf zahlreichen ECM-Alben, aktuell auf Iro Haarlas »Vespers«. Seine eigene Band ist (mit Ausnahme von Bassist Audun Erlien) eine komplett andere als beim Debüt »The Door«: im Kern ein kompaktes Quartett mit E-Bass, Piano und Schlagzeug, manchmal mit einem zweiten Schlagzeuger – und als Gäste hier und dort Keyboards, Saxofon und Harfe.

Kompakt sind auch die acht Stücke, knappe 42 Minuten lang, nicht im Moment improvisiert, sondern in langer Produktionszeit ausgefeilt und zu eingängigen Songs verdichtet. Neben den druckvollen Schlagzeugern sorgt vor allem auch das Piano (Andreas Ulvo) für den Pop-Appeal; mal ist es der Stil von Elton Johns Glanzzeiten (»Day After«), anderswo verbeugt sich Eick vor Joni Mitchell oder Jan Garbarek, und bei gleich einigen Stücken ist der Einfluss von Radiohead so unüberhörbar, dass man vergisst, ein ECM-Album im CD-Spieler zu haben. Manfred Eicher äußerte einmal in einem Interview, Radiohead sei die einzige Rockband, die er gerne produzieren würde. Leider unwahrscheinlich, dass das je passieren wird. »SKALA« gibt aber einen theoretischen Vorgeschmack darauf, wie eine solche Zusammenarbeit klingen könnte. Insofern ist dies kein Album für Jazzpuristen, vielmehr für Pophörer, die gerne in Jazz oder ECM einsteigen würden, aber vom Begriff Jazz schnell abgeschreckt sind. (ijb)



Siehe auch:
Iro Haarla
Motorpsycho
Jaga Jazzist
Jan Garbarek


Zu den aktuellen Tourterminen von Matthias Eick

Matthias Eick: Skala

Offizielle Website

Offizielle Website      www.myspace.com/mathiaseick

   

The Door
(2008, ECM/Universal 175 7979)

Ganz behutsam, ganz langsam baut sich das die CD eröffnende Titelstück auf, mit wenigen Klaviertupfern, einem vorsichtigen Bass, der Drummer wartet noch, dann kommt Mathias Eick und mit seiner Trompete eine wunderschöne, fast einschmeichelnde Melodie. Diese schwillt langsam an, der Rhythmus verdichtet sich, wird sogar fast rockig – und entschwindet, wie er gekommen war. Ein passenderes Stück hätte der »Rising Star« unter den norwegischen Jazzmusikern nicht an den Anfang seiner CD stellen können.

Wäre »The Door« ein Wattebausch, so ist das folgende »Stavanger« nur das diesen Wattebausch umgebende, definierende molekulare Gitternetz: So reduziert agieren, so wenig spielen Eick und seine Mitstreiter hier. Von Audun Kleive (dr, perc) ist man anderes, heftigeres gewöhnt; Audun Erlien (b, g) kennt man etwa von Molvær, Seglem oder Aarset. Bei drei Stücken, u.a. dem hymnischen »Cologne Blues«, spielt Stian Carstensen Pedal Steel guitar – im Jazz kommt das nicht oft vor, hier aber gut! Wichtigster Partner von Eick ist allerdings der Pianist Jon Balke, der Räume öffnet und schließt, Harmonien ausbreitet und wieder einsammelt – er, der in seinen eigenen Projekten viele Stimmen dirigiert, lenkt hier sich und damit das Quartett. Mathias Eick (auch g und vib) schreibt acht wunderbar ruhige, mit manch traumhaften Melodien beseelte Stücke, spielt mit Hingabe, klarem, gelegentlich etwas verhangenem Ton. Vorher Telefon und Licht aus, Kerze an, dazu darf's auch ein Barolo sein. (tjk)



Siehe auch:
Jon Balke
Audun Kleive
Stian Carstensen



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