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Chinese Locks
(2008, Around Your Neck Records AYN004)
Murmansk meinen es ernst. Sie spielen nicht herum, sie kämpfen, sie wüten. Sie sind gewaltbereit, aber gefühlsbetont. In den Weg stellen möchte man sich dem Quartett aus Helsinki nicht, das auf seinem Debütalbum »CHINESE LOCKS« mit düsterer, bassgetriebener Intensität sein Territorium absteckt: eine etwas abseits gelegene Parzelle zwischen den Endloschleifen des Postrock, der Empfindsamkeit des Shoegaze und dem Lärm des 90er-Alternative-Rock-Helden wie den Pixies oder Sonic Youth. Und einer Stimme, die den Unterschied macht: Die gehört Laura Soininen. Die Sängerin balanciert schlafwandlerisch auf einem schmalen Grat, wo Hysterie, Angst, Aggressivität und Schönheit ausnahmsweise zusammenlaufen.
Blumen pflücken kann man zu den Songs von Murmansk nicht. Aber aufbegehren, experimentieren oder ein leeres Bierglas voller Wut gegen die Wand schleudern. Und vor allem auch: loslassen. Sich von endlosen Variationen über wenige Akkorde in dunkle Trancezustände versetzen lassen. Und in Momenten friedlich sein. Etwa wenn Gitarrist Jari es sich erlaubt, eine halbe Minute zu träumen und dabei scheinbar vergisst, dass sein Instrument eine Waffe ist. Murmansk, die sich nach der nördlichsten Großstadt der Welt benannt haben, sind auf der Nachtseite zuhause. Und von dort heben sie ab in Richtung eines fernen, denkelrot glühenden Leuchtens. Sie sind bereits auf gutem Weg. (emv)
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