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Alle Rezensionen zu Spunk
(Genre »Avantgarde«, Land »Norwegen«)

 

Kantarell
(2009, Rune Grammofon/Cargo RCD 2085)

Puh, was für ein Album. Dafür muss man schon aufgelegt sein. Klar, es sollte einem klar sein, dass jetzt nicht Rondo Veneziano kommt, wenn Maja Ratkje bei den Ausführenden aufgeführt ist. Aber »KANTARELL« hat es selbst für gehobene Maßstäbe in sich.

Bläser, Cello, eine Akrobatikstimme, Elektronik und noch so allerlei – das Damenquartett macht eine Musik, die nach höllisch komplizierten Partituren Neuer Musik klingt, aber trotzdem reine Kollektivimprovisation ist – wenn man so will die musikalische Königsgattung der Klangerzeugung. Die vier verstehen sich auf ihrem vierten Album ohrenscheinlich bestens – und haben ein Level der Kommunikation erreicht, auf dem sie das Bedürfnis haben, leiser zu werden. Krach machen ist einfach. Das Zerstäuben und Zerfasern von Klang, ohne dass das in Beliebigkeit oder Langeweile umschlägt, das ist die Kunst.

Und so kann man sich mit viel Konzentration, möglichst geschlossenen Augen und in einem außer den Lautsprechern klangdichten Raum doch wunderbar in die fremdartige und so seltsam störrische Musik der Norwegerinnen hineinhören. Was sich – wie immer – lohnt. Was aber selten so anstrengend ist. (sep)



Siehe auch:
Maja S.K. Ratkje
Fe-Mail
Lemur
Lene Grenager

 Spunk: Kantarell

 

Light
(DVD, 2011, Rune Grammofon RDV 2112)

Aufgenommen im August 2008 als Auftragswerk zum 40. Geburtstag des Henie Onstad Kunstsenter bei Oslo, soll diese Performance eine Art Kombination aus Klang- und Video-Installation sein, ist de facto aber eher ein Konzert mit vier im Quadrat angeordneten Musikerinnen, zu dem ein paar Videobilder an die Wände projiziert werden. Möglicherweise erschließt sich der genaue Zusammenhang auf dieser DVD nur nicht so recht. Die Videoprojektionen scheinen weder allzu kraft- noch fantasievoll. Insofern war es womöglich eine sinnvolle Entscheidung, dass der Fokus auf die Dokumentation des Konzertauftritts gelegt wurde. Besitzern von CD-DVD-Kombinationsgeräten empfiehlt sich nach dem ersten Durchlauf das künftige Abspielen auf die reine Tonwiedergabe zu beschränken.

Auf dem Papier handelt es sich bei »LIGHT« um Spunks erstes Livealbum. Da ihre bisherigen vier CDs jedoch ohnehin live (im Studio) aufgenommen werden, besteht der Unterschied vorrangig darin, dass der 40-minütige Auftritt als ein unterbrechungsfreier Track präsentiert wird, was dem üblichen Konzertverlauf von Spunk entspricht. Die vorwiegend stille Musik mäandert und entfaltet sich in kontinuierlichem Fluss, wobei besonders die fragileren Passagen durch feine Details gefangen nehmen. Nur punktuell gibt es rasante, kurze, sich jagende Töne und Geräusche, wenn etwa Lene Grenagers Cello eher nach Drum Machine als nach einem Streichinstrument klingt. Eindringlich. Für denjenigen, der das Quartet bisher nicht im Konzert gesehen hat, wird »LIGHT« höchst spannend sein, da man hier einen sehr guten Einblick bekommt, wie die vier Damen miteinander arbeiten und jedes Stück aus dem Moment heraus entstehen lassen. Jüngste Teilnehmerin des Ensembles ist nebenbei bemerkt Maja Ratkjes jüngere Tochter, die bei dieser Performance noch versteckt im Mutterbauch sichtbar ist. (ijb)

 Spunk: Light

   

Filtered Through Friends
(2002, Rune Grammofon RCD2022)

Spunk luden Freunde ein, ihr Material weiterzuführen, z.B. Jaga Jazzist, Jazzkammer, Kim Hiorthoy oder Aka Isak Anderssen. Eine Platte für jene, die »Noise« eher mit Geräusch als mit Lärm übersetzen würden. (peb)



Siehe auch:
Jagga Jazzist
Phonophani
Lasse Marhaug
Svalsatog

   

Det Eneste Jeg Vet Er At Det Ikke Er En Støvsuger
(1999, Rune Grammofon/Universal RCD2010)

»Das einzige was ich weiß, dies ist kein Staubsauger!« Ein Pippi-Langstrumpf-Zitat. Und man ahnt, dass die vierköpfige Frauencombo Schräges im Schilde führt: Vokalistin Maja Ratkje beruft sich auf Sofia Gubaidulina und Kaija Saariaho. Trompeterin Kristin Andersen ist im experimentellen Jazz beheimatet. Die Cellistin Lene Grenager frönt der Avantgarde und der freien Musik. Und Waldhornspielerin Hild Sofie Tafjord ist Teil des Trondheimer Kunstorchesters.

Entsprechend darf man keine wohlfeilen Melodien, keine eingängigen Liedzeilen erwarten. Vielmehr arbeitet Spunk energisch und hingebungsvoll mit Clustern und dreht uns immer dann eine Nase, wenn wir glauben, nun hätten wir ihre Musik im Griff. (frk)



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