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Alle Rezensionen zu Terje Rypdal
(Genre »Jazz«, Land »Norwegen«)

 

Chaser
(1985, ECM/Universal 827.256.2)

Zunächst noch gemeinsam mit Jan Garbarek, später dann parallel zu seinem Landsmann entwickelte Rypdal jenes spezifische Sound-Idiom, das oft als typisch nordisch bezeichnet wird – klar, kühl, herb, pastellfarben und impressionistisch, aber auch mit hell loderndem Feuer unter der nur oberflächlich vereisten Oberfläche. Charakteristisch für ihn scheint vor allem sein Gitarrenton, der mit lang singendem Sustain seine einsame Melodie in den Nachthimmel schreit. Manchmal aus dem Nichts kommend und sich steigernd bis fast zum Kollaps der Röhren in seinem Marshall-Verstärker branden Rypdals Eruptionen an und reißen den Hörer mit sich.

In den letzten Jahren machte sich der Gitarrist leider sehr rar, so dass noch immer das 85er Album »CHASER« als sein Meisterwerk gilt. Im Gegensatz zu manch anderem zerfahrenen Rypdal-Alben geriet diese perfekt ausbalancierte CD geschlossen und dennoch visionär: Vom zerrenden Gitarren-Slowblues zur poetischen Klangcollage, von kreischenden Jazz-Improvisationen bis hin zu bittersüßen Balladen gab Rypdals Trio dem Modern Jazz hier heftige Impulse, die bis heute nachwirken. (peb)



Siehe auch:
Jan Garbarek
Bjørnstad & Rypdal

Terje Rypdal: Chaser

   

Crime Scene
(2010, ECM/Universal 273 3215)

Mit der Auftragsarbeit »CRIME SCENE« ist Terje Rypdal ein Meisterwerk gelungen, so spannend und aufregend ist diese Kombination aus Rypdals Quartett und der Bergen Big Band unter Leitung von Olav Dale. Der Bogen über diesem Werk ist die Idee eines Krimis in Musik, so wird diese immer wieder durch Geräusch- und Dialogfetzen aus Thrillern unterbrochen, bzw. die Fetzen in die Musik eingebettet.

Rypdal hat mit viel Phantasie komponiert und arrangiert; die präzise Big Band spielt nicht immer mit, aber mit manchmal herrlichen Klangfarben wie drei Bassklarinetten. Im Zentrum freilich Rypdals Quartett mit Drummer Paolo Vinaccia, der auch die Power-Rock-Sau rauslassen darf, mit Ståle Storløkken, der meist kühle Hammond-Orgel-Sounds gegen die nur manchmal wärmere Trompete von Palle Mikkelborg ins Rennen schickt. Terje Rypdal spielt Gitarre wie ein junger Gott. Augen zu, großes Krimi-Kino! (tjk)



Siehe auch:
Palle Mikkelborg
Ståle Storløkken
Olav Dale

   

Vossabrygg Op. 84
(2006, ECM/Universal 987.538.1)

»VOSSABRYGG OP. 84« – das klingt nach einem satt-ambitionierten Opus, das keine Fragen offen und eine eher gediegene Atmosphäre erwarten lässt. Doch Terje Rypdal ist kreativer Chaot genug, dass ihm sein Ansinnen nicht allzu streng und gekünstelt gerät. Wie gehabt kreischt und wimmert und kreiselt und verbiegt sich seine Gitarre; sie schlägt Breschen in die mollige Jazzwelt, die Mikkelborg (tp), Christensen/Vinaccia (dr), Kjellemyr (b) und Wesseltoft/Storløkken (keys) liefern.

Wenn aber zwischendurch die Beatbox rumpelt und sich dröhnende Soundschleifen ausbreiten, als sei der heilige Molvær unter den Musikern erschienen, liegt das vielmehr an Sohnemann Marius Rypdal, der hier sein gekonntes Debüt mehr hin- als vorlegt. Zugrunde liegt der CD ein Konzert im Jahre 2003 beim Vossa Jazz Festival, das ohne lästiges Geklatsche pur aufgezeichnet wurde und uns so einen echten Rypdal beschert: verlässlich gewagt, entschieden mutig. (frk)

   

Lux Aeterna
(2002, ECM/Universal 017.070-2)

Lang dauert es diesmal, beinahe 16 Minuten, bis Rypdal seine hymnischen Gitarrenschreie gen Himmel aufsteigen lässt. Er hält sich hörbar im Hintergrund, denn »LUX AETERNA« hat er im Rahmen des Molde Jazz Festivals speziell für die neue Kirchenorgel in Molde komponiert.

Beeinflusst von György Ligetis »Lux Aeterna« schuf Rypdal eine respektvolle Ode an die mächtige Molde-Orgel, eine virtuos mit Licht und Schatten spielende Auftragsarbeit in fünf Sätzen. Umringt vom Bergen Chamber Ensemble besetzt Rypdal seine Gitarre, Palle Mikkelborgs Trompete und natürlich Iver Kleives Orgelspiel als furiose Solisten in diesem Genre-sprengenden Triple-Konzert. (peb)

   

Nordic Quartet
(1998)

Fast schon ein Spoken-Word-Projekt mit Sängerin Karin Krog und dem grandiosen John Surman (Bariton-Sax, Bass-Klarinette) als Solo-Partner. (peb)

   

If Mountains Could Sing
(1995)

Nach einigen klassischen Projekten kehrte Rypdal hier wieder zu einstiger Brillanz zurück - kompositorisch, aber auch spiel- und klangtechnisch. (peb)

   

Descendre
(LP, 1980, ECM/Universal 1144)

Weitgehend ruhig lässt es Terje Rypdal hier angehen. Mit Palle Mikkelborg, der seine Trompete natur, gestopft oder verzerrt spielt, hat er einen kongenialen Partner für sein hier ganz besonders am Klang orientiertes Konzept. Beide bedienen diverse Keyboards und legen damit Flächen, die von Jon Christensen am Schlagzeug zerhackt und aufgedröselt werden. Als Rhythmusgeber fungiert er auf »DESCENDRE« selten; er agiert eher als perkussiver Klangmaler – selbstverständlich auch dies par excellence!

Doch plötzlich explodiert die LP bei »Innseiling«: Christensen schlägt Latin Rhythmen, Rypdal und Mikkelborg lassen alle Schranken hinter sich, es wird fast wild – ein arg kurzes Strohfeuer leider. Meistens klingen Rypdal, Mikkelborg und Christensen reichlich mysteriös (»Men Of Mystery«), allerdings hat der Gitarrist einige wunderschöne Melodien im Gepäck, so in »Speil«, »Avskjed« und dem Titelstück. (tjk)

   

Rypdal/Vitous/Johnette
(1979, ECM/Universal 1125)

Nur die beiden ersten Stücke auf dieser LP sind von Rypdal allein, doch hört man hier den Unterschied, den der Ex-Weather Report-Bassist Miroslav Vitous und Drummer Jack DeJohnette machen: Unter Rypdals stehende Töne legen sie nervöse Beats und fulminante Bass-Kaskaden – DeJohnette trommelt gefühlte 300 mal so viele Schläge wie Jon Christensen, auch Vitous stellt seine Virtuosität nicht unter den Scheffel. Terje Rypdal hingegen scheint nicht so recht zu wissen: Soll er die beiden bremsen oder ihnen in Tempo und Vitalität folgen.

Die beiden Stücke von Miroslav Vitous sind die besten dieser Aufnahme, er scheint sich mit dieser Trio-Besetzung am besten zu arrangieren. Toll sein gestrichener Bass auf »Will«, »Believer« ist zudem eine feine Komposition. Die beiden übrigen Stücke sind eher freie Exkursionen der drei Beteiligten, die im Konzert sicher spannender wären als hier. (tjk)

   

Waves
(1978)

Ein besonders schwebend-lyrisches Album. Rypdal experimentierte hier sparsam mit Beatbox-Drums. (peb)

   

After The Rain
(1976)

Rypdals impressionistisch singender Ton beginnt sich zu entwickeln. Gelegentlich greift er auch zur akustischen Gitarre. (peb)

   

Odyssey
(1975, ECM/Universal 1067/68)

Spätestens mit »ODYSSEY« manifestierte Terje Rypdal seinen Gitarrenstil, der oft als »Fjord Blues« bezeichnet wird: lange, verzerrte Töne und karge Linien, die oft außerhalb der Harmonien über schroffe, dabei hypnotisch-monotone Klanglandschaften mäandern. Posaunist Torbjørn Sunde spielt feine Soli und verbindet Rypdals Gitarre mit der Orgel von Brynjulf Blix, der bewusst einfach spielt und einzelne Noten gelegentlich minutenlang stehen lässt. Sveinung Hovensjø (b) und Svein Christiansen (dr) bilden eine Rhythmusgruppe, die (wenn auch nicht bei allen Stücken dabei) ähnlich reduziert für Spannung sorgt, manchmal zieht sich eine Ostinato-Basslinie durch das ganze Stück.

Einige Klassiker finden sich auf »ODYSSEY«: »Over Birkerot« ist sehr lebhaft, »Better Off Without You« lebt von Rypdals Gitarre, »Fare Well« und »Ballade« bleiben wie anhand des Titels erwartet auf ruhigem Niveau, und letzteres hat sogar eine richtig schöne Melodie: ein klassisches, faszinierendes Rypdal-Album der 70er; auf der später veröffentlichten CD-Version fehlt das 24-minütige »Rolling Stone«. (tjk)



Siehe auch:
Torbjørn Sunde

   

What Comes After
(1973, ECM/Universal 1031)

»WHAT COMES AFTER« begründete Terje Rypdals Ruf als außergewöhnlicher Gitarrist mit ganz eigenem musikalischen Ansatz. Dieses frühe Meisterwerk gehört immer noch zu den wichtigsten und besten norwegischen Jazz-Scheiben.

Beispielhaft »Bend It«, das erste Stück, knapp 10 Minuten lang: Über eine von Sveinung Hovensjø gespielte E-Bass-Figur und Jon Christensens gewohnt sparsames Schlagzeug breitet Rypdal seine Gitarrenlinien, ruhig und souverän schafft er Klang und Raum, überlässt diesen dem grandiosen Barre Philipps für ein herausragendes Kontrabass-Solo, darauf wieder Rypdal mit seinen verzerrten Tönen – die Stimmung dieses Stücks fängt den Hörer ein und lässt ihn lange nicht mehr los. Konzeptionell sind die übrigen langen Stücke ähnlich; Erik Niord Larsen fügt mit Oboe und Englisch Horn weitere Klangfarben hinzu, Rypdal spielt auch Flöte und Christensen Orgel (»Séjours«). Grandios. (tjk)

   

Bleak House
(1968, Emarcy/Universal 073145478852)

Kurz nach der Trennung von The Dream veröffentlichte Terje Rypdal seine zweite Solo-LP »BLEAK HOUSE«, 1999 auf CD wieder veröffentlicht, die in Norwegen für einiges Aufsehen sorgte. Rypdal changiert hier noch zwischen Blues, Jazz und freien Passagen; sein Gitarrenspiel ist aber schon unverkennbar. Der Opener erscheint als typischer Blues der späten 60er, dominiert von Christian Reims Orgel.

Schon in »Wes« zeigt Rypdal, dass er eine Hommage an den Gitarrenhelden Montgomery mit ganz eigenem Gitarrensound und Technik veredeln kann. Die recht freie »Winter Serenade« bringt diverse Bläser, koordiniert von Knut Riisnæs. Garbarek und Christensen sind auch schon dabei. Über den Rausschmeißer, mit brasilianisch-akustischer Gitarre und Gesumme, muss Rypdal heutzutage sicher auch schmunzeln. (tjk)



Siehe auch:
Jan Garbarek



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