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Alle Rezensionen zu Nils Petter Molvær
(Genre »Jazz«, Land »Norwegen«)

 

Solid Ether
(2000, ECM/Universal 543.365.2)

Mit »SOLID ETHER« setzt Nils-Petter Molvæar fort, was er 1997 auf »KHMER« begonnen hat. Der 1960 auf der Insel Sula geborene Trompeter bildet hier die Schnittmenge aus Jazz in der Nachfolge von Miles Davis und Don Cherry mit Club-Stilistiken wie Drum'n'Bass, Jungle, Breakbeats oder Ambient.

Spacige Sphären-Sounds treffen auf donnernde Dancebeats, fuzzsatte Saitenklänge aus den Händen von Eivind Aarset gehen stimmig mit DJ Dtrangefruits Turntable-Einlagen zusammen; coole Trompeten-Improvisationen verbinden sich organisch mit weitflächigen Keyboard-Layers. In der Summe ergibt das topmodern groovenden E(c)lect(r)ic Jazz. Besonders in Titeln wie »Vilderness 1«, »Kakonita« und »Merciful 1« entwirft Molvær dabei eine kühle Klangästhetik, wie sie in dieser Ausprägung – einerseits sehr rudimentär in ihrer naturbehafteten Archaik, andererseits innovativ und alle Möglichkeiten der Technik ausschöpfend – wirklich nur aus Skandinavien kommen kann. (hake)



Siehe auch:
Frost
Kari Bremnes
Lars Danielsson
Masqualero


Zum Artikel über Nils Petter Molvær


Zur Fotogalerie über Nils Petter Molvær


Zur Konzertkritik über Nils Petter Molvær

Nils Petter Molvær: Solid Ether

Offizielle Website

Offizielle Website      www.nilspettermolvaer.com

   

Baboon Moon
(2011, Sula/Sony Music 88697959962)

Alles weg. Nichts mehr da. Aus der Asche, aus elektronischem Nebel kämpft sich eine Trompete. Karge kühle Klänge in klaren Strukturen – nur Schlagzeug, Gitarre, Electronics und eben diese Trompete. Reduktion aufs Wesentliche. Aus der Asche entsteht die beste Molvær-CD seit langem.

Erland Dahlen (dr etc.) und Stian Westerhus (g etc.) kommen beide nicht vom Jazz, gerade deswegen hat Nils Petter Molvær sie auserwählt, sie bringen klanglich Stein und Eisen. Vor allem Westerhus zaubert. Mit »Mercury Heart« fängt die CD ruhig und konzentriert an, »Recoil« ist fulminanter Höhepunkt, »Prince Of The Calm« trägt den Titel zurecht. Insgesamt verstörend und beunruhigend, ebenso faszinierend. (tjk)

   

Hamada
(2009, Sula/Universal 602527020419)

Molvær, der wie kaum ein Zweiter den Cool Jazz mit Elektronik, Live-Sampling und peitschenden Beats auf Touren brachte, kann sich daher bequem zurücklehnen und sich selbst zitieren. Was er denn auch zum Teil tut auf »HAMADA«, das die Erde mit all ihren Phänomenen und Wundern thematisiert. Er groovt jetzt nur noch im Trio, zusammen mit Gitarrist Eivind Aarset und Drummer Audun Kleive, die infolgedessen mehr Raum bekommen. Die allgegenwärtig durch den Klangraum flirrenden Tronics produzieren alle drei, und wie gewohnt schöpft der Trompeter die Spannbreite zwischen sphärisch-kühlen Träumereien und harten Freejazz-House-Ausbrüchen voll aus.

Und ebenfalls wie üblich gibt es einige Längen und improvisatorischen Leerlauf, aber auch Highlights wie den Track »Sabkah«, der zum Besten gehört, was Molvær je fabriziert hat: Aarset lässt die Saiten im Tremolo-Sound vibrieren, Kleive belastet die Tiefton-Lautsprecher mit einer fast subsonisch tiefen Trommel, und Nils Petter selbst muss da nur noch einsteigen und abheben. Ein Track, der das restliche Album-Niveau weit emporhebt. (peb)

   

Re-Vision
(2008, Emarcy/Universal 060251763446)

Die Musik des norwegischen NuJazz-Trompeters war schon immer sehr visuell veranlagt; Filmemacher nutzten sie denn auch stets gern als Soundtracks. »Re-Vision« unterscheidet sich von seinen regulären CDs dadurch, dass hier reine Soundtracks versammelt sind – Musik, die noch atmosphärischer und fließender klingt, da Molvær sie speziell für drei Filme komponiert hat: »Frozen Heart« von Stig Andersen, »EDY« von Stéphan Guérin-Tillié und »Hoppet« von Peter Naess.

Manch ungewohnte Klangfarbe – wie Nizametin Arics Stimme bei »Torn« oder die armenische Duduk bei »Visitation« – passt perfekt ins Sound-Ambiente von Molværs Electronic Jazz; andere Tracks wie »Arctic Dub« oder »Perimeters« zeigen die bewährten Stärken des Jazz-Pioniers: hypnotisierende Loops, eine mystische Drone-Basis und die wie ein eisiger Nordwind fauchenden Cool-Improvisationen à la Miles Davis. (peb)

   

Remakes
(2005, Emarcy/Universal 06024.9870342)

»Remixer sind die Jazzmusiker der Zukunft«, weiß Molvær. Nach »RECOLOURED« von 2001 reicht der Trompeten-Trendsetter nun schon zum zweiten mal seine Songs vertrauensvoll an diverse Remix-Hände – pardon: Ferstplatten – weiter. Aus dem Fundus des »NP3«-Albums bedienten sich diesmal Rmx-Spezis wie Funkstörung, Raymond Pellicer, Bugge Wesseltoft, Bill Laswell oder Rune Arnesen.

Besonders Vergleiche der fast ausnahmslos mehrfach vertretenen Songs wie »Axis Of Ignorance«, »Little Indian« oder »Frozen« demonstrieren den großen Spielraum, mit dem die Knöpfchendreher Molværs archaische Elektronika in die verschwitzten Kellerräume namens Drum'n'Bass, Raggamuffin, Ambient oder Deep Soul mitnehmen. Eine spannende Hörreise – sofern man »NP3« kennt. (peb)



Siehe auch:
Patrick & Raymond
Bugge Wesseltoft
Torbjørn Sunde

   

Er
(2005, Emarcy/Universal 987.4157)

Manche Kritiker, die Molværs Debüt »KHMER« einst euphorisch abgefeiert haben, werden wieder behaupten, sein Digital-Jazz sei nicht mehr zeitgemäß. Diese Kollegen übersehen, dass Molvær eine eigene Sprache jenseits von Miles Davis und Don Cherry gefunden hat. Auch auf »ER« erfindet er sich nicht neu, verfolgt jedoch sein Kontrastspiel aus nervös mäandernden Elektro-Beats und elegischen Trompetenrufen konsequent weiter.

Die Programmierer – DJ Strangefruit, Jan Bang, Knut Sævik – haben noch mehr Raum gewonnen. Raum, den sie mit blubbernden Sequenzen und in der Ambient-Endlosigkeit verhallendem Rhythmik-Flirren füllen. Weiterhin kommt eine forsch agierende Sidsel Endresen und Magne Furuholmen (A-ha) mit einem soft getuptfen Piano zum Zuge. Da muss der Chef selbst nicht mehr viel machen – ein paar heisere Hornstöße, und fertig ist der intellektuelle Jazz-Chillout. (peb)



Siehe auch:
Sidsel Endresen
A-ha

   

Streamer Live
(2004, Sula/Edel NPMCD1P)

Unwirklich wie von einem anderen Planeten klackt und schleift, rattert und rauscht eine mechanische Ur-Maschine. Behutsam und weich begleitet eine Trompete ihren Flug zur Erde. Gemeinsames Eintauchen bis hin zum Meeresgrund, Gleiten durch die surreale Unterwasserwelt, um an einem verlassenen norwegischen Strand an Land gespült zu werden. Kurze Stille. Warm und ruhig pulsiert das Blut, während sich sanft die Trompete zu einem traumgleichen Flug erhebt. »I Wanna Talk To You!«

Nahtlos fügen sich die Mitschnitte zweier Live-Auftritten in Trampere/Finnland und London aneinander, und die kurz auftauchenden Publikumsreaktionen werden nahezu zu einem Teil der Songs. Was für ein Album! (pvs)

   

NP3
(2002, Emarcy/Universal 017.795-2)

Oftmals haben gerade die Jazzer weniger Berührungsängste mit Trendexperimenten als die Rockmusiker. Der von Miles Davis, Don Cherry und Brian Eno inspirierte Molvær zeigte sich bisher besonders mutig bei der Synthese zwischen Ambient Jazz und Club Culture.

Mit seinem dritten und leider etwas konzeptlosen Album »MP3« entwickelt er seine neuartige Jazzbeat-Spielart weiter: Harsche Elektronik-Loops peitschen bei dem auf George W. Bush gemünzten »Axis Of Evil« aus den Boxen, doch schon in »Presence« oder »Nebulizer« friert Molvær diese akustischen Attacken wieder ein und wringt ihre musikalische Essenz mit klagenden, weit ausladenden Trompetentönen aus. (peb)

   

Recoloured – The Remix Album
(2001, ECM/Universal 013.591-2)

Mit »SOLID ETHER« ging Nils-Petter Molvær den Weg von »KHMER« weiter, perfektionierte mit knackigeren Grooves den Dialog von Jazz, Ambient und Breakbeats. Eigentlich logisch, dass er auch die »SOLID ETHER«-Tunes durch einige handverlesene Remixer veredeln ließ.

Die Bearbeitungen gerieten sehr interessant, ebenso spannend ist der Vergleich mit den Originalen – und wie unterschiedlich man mit diesen umgehen kann. Beispiel ist das Titelstück, das bei Joakim Lone nervös-polyrhythmisch über tiefen Bässen pluckert, und bei den Rosenheimern Funkstörung deutlich grooviger kommt. Weitere Höhepunkte Jan Bangs »Dead Indeed«, Deathprods Remix von »Kakonita« und Bill Laswells »Merciful / Ligotage«. Demzufolge fast notwendige Ergänzung zu »SOLID ETHER«. (tjk)

   

Khmer – The Remixes
(1998, ECM/Universal 569.493-2)

»KHMER« war nicht nur künstlerisch grandios, sondern auch sensationell erfolgreich, und so entschlossen sich Molvær und ECM, eine Remix-Single zu veröffentlichen – die erste in der langen ECM-Historie.

Nebst »Song Of Sand« als Single-Edit nahmen sich die Elektro-Giganten The Herbalizer (»Platonic Years«), Mental Overdrive (»Tløn«) und Rockers HiFi (»Song Of Sand II«) die Stücke vor und brachten die Originale auf ein anderes Level. Die kargen Molvær-Tunes bekommen einen klaren rhythmischen Unterbau, Trompete und Gitarre werden eingeschleift, und es brizzelt und knistert an allen Ecken und Enden. Löblich, dass die Remixer nicht der Versuchung erliegen, die Stücke bis zur Unkenntlichkeit zu verändern; die Grundstimmungen bleiben erhalten. Sehr spannend, sehr kreativ, ein absolutes Muss als Ergänzung zur Original-Khmer. (tjk)

   

Khmer
(1997)

»KHMER« schlug in die Musikwelt ein wie eine Bombe: Selten zuvor gelang eine so traumhafte Kombination aus Jazz und Elektronik, aus Improvisation und Club Grooves. Nils-Petter Molvær lässt seine Trompete karg und kühl über die Beats fließen, rufen und flüstern, dabei erscheint er fast als wiedergeborener Miles Davis.

Allerdings hatte Molvær (der hier auch Bass und Perkussion spielt) auch die entsprechenden Musiker: die Gitarristen Eivind Aarset, Morten Mølster und Roger Ludvigsen verteilen einzelne Töne, kleine Melodiesprengsel und Klänge über die teils spröden, teils unterschwellig brodelnden Beats, die Drummer Rune Arnesen und die beiden Elektronik-Tüftler Ulf W.Ø. Holand und Reidar Skar zusammenbasteln. Seit Miles Davis und Nachfolger Anfang der 70er Jahre gab es kaum eine so spannende, schlüssige Fusion von Jazz mit aktueller Dancefloor-Musik (auch wenn »KHMER« keine solche ist). Ein absoluter Meilenstein, eine der besten und wichtigsten CDs des Jahrzehnts. (tjk)



Siehe auch:
Nils Petter Molvær & Robyn Schulkowsky



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