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Alle Rezensionen zu Susanna Wallumrød
(Genre »Pop«, Land »Grenzgänger«)

 

mit Giovanna Pessi: If Grief Could Wait
(2011, ECM/Universal ECM 2226 / 2777197)

Gut, es war natürlich nur eine Frage der Zeit, bis Susanna Wallumrød auf ECM veröffentlichen würde. Keine Überraschung. Ihr Bruder ist schließlich schon seit über fünfzehn Jahren dort zu Hause, und Susannas Alben haben mit einigen songorientierten ECM-Platten der letzten Zeit mehr gemein als mit dem Gros der Rune-Grammofon-Kolleg(inn)en. »IF GRIEF COULD WAIT« überrascht dann aber doch erst einmal: Gemeinsam mit der Basler Barock-Harfenistin Giovanna Pessi, die auf drei CDs des Christian Wallumrød Ensembles mitwirkte, ebenso bei Rolf Lislevand und als Teil von Susannas »Sonata Mix Dwarf Cosmos«, interpretierte sie einen Zyklus Alter Musik. Es geht ins 17. Jahrhundert, zu Henry Purcell. Untergejubelt, wenn man das mal so lax sagen darf, hat sie dabei drei Lieder der 1970er Songwriting-Klassiker Leonard Cohen und Nick Drake sowie zwei Eigenkompositionen.

Nicht wenige werden nun erst einmal abwinken, in arg zwiespältiger Erinnerung an Stings sehr ähnlich angelegte Versuche, seinen musikalischen Horizont in die vorklassische Musikgeschichte zu erweitern. Mit ungleich weniger Erfolg, muss festgehalten werden. Denn die nächste Überraschung ist: »If Grief could wait« ist gar nicht so weit von Susannas bisherigen Werk entfernt. Im Gegenteil, trotz Unterstützung durch zwei weitere »Alte Musiker«, Jane Achtman (Gambe) und Marco Ambrosini (Nyckelharpa), schreibt diese CD ihre aparte und sanfte Popstilistik unbeirrt fort, gewohnt modern und geschmackvoll. Weniger erfreut dürften die puristischen Liebhaber Alter Musik sein. Denn was Susanna Wallumrød als Popsängerin natürlich nicht zu bieten hat, ist eine klassisch geschulte Stimme, wie man sie sonst bei Purcell hört. (ijb)



Siehe auch:
Christian Wallumrød Ensemble
Rolf Lislevand
Susanna and the Magical Orchestra

Susanna Wallumrød: mit Giovanna Pessi: If Grief Could Wait

   

Flower Of Evil
(2008, Rune Grammofon/Cargo RCD 2080)

Susannas erste Alben waren eigentlich letzte Alben, perfekte, dunkel schimmernde Musikjuwelen, und keine Debuts, nach denen man noch besser werden könnte. Die Musik war kompromisslos entkernt, zum Bersten voll mit stillem Schmerz, minimalistisch und universal. Was sollte danach noch kommen?

Darauf hat Susanna Wallumrød bei »FLOWER OF EVIL« keine Antwort, was sie in zwölf neuen Cover- und zwei eigenen Songs beständig zu verbergen versucht. Ihr Ansatz: Die entkernte Musik mit den Mitteln von Arrangement und Klangvernebelung zu vergrößern. Das Ergebnis: Eine enttäuschende Gleichförmigkeit; die Songs funktionieren fast alle gleich, die oft verstörenden Überraschungen des früheren »Magical Orchestra«-Partners Morten Qvenild bleiben fast vollständig aus. Da hilft es auch nicht, dass das Eröffnungsduett mit Bonnie »Prince« Billy in Ruhe und Kraft nah an die ersten beiden Alben heranreicht. Zu viel Anderes ist zu kitschig, zu sentimental, zu glatt. Der Sog der schwarzen Schwermut wirkt nicht mehr, auch wenn Susannas Stimme weiterhin eine Ausnahmeerscheinung ist. Da hilft auch der CD-Titel nicht mehr mit seinem Wink in Richtung des so schön morbiden Bauelaire-Flairs.

Was also tun? Weg mit den Schnörkeln! Vielleicht ist es Zeit für ein Punk-Album. Einfach mal ordentlich die Seele aus dem Leib schreien. Und sie dann in aller Stille wieder in neue Songs hineinholen. (sep)



Siehe auch:
Christian Wallumrød

   

Sonata Mix Dwarf Cosmos
(2007, Rune Grammofon RCD 2066)

Für ihr erstes Soloalbum hat sich Susanna Wallumrød von ihrem magischen Ein-Mann-Orchester Morten Qvenild als festem Partner verabschiedet, dafür aber eine ganze Reihe von Rune-Grammofon-Kollegen ins Boot geholt: ihren Bruder Christian am Klavier, Øystein Greni an der Gitarre, Pål Hausken am Schlagzeug, Helge Sten mit seinem Mellotron, Bassist Ingebrigt Håker Flaten, außerdem eine Harfenistin und Thereminspielerin.

Jetzt sollte man trotzdem nicht mit überbordenden Arrangements rechnen; die Songs bleiben minimalistisch, entkernt, traurig, wenn auch nicht so düster und voller Weltschmerz wie auf den Vorgängeralben. Sanft verrauchte Jazz-Töne dominieren. Die zwölf selbstgeschriebenen Songs sind wohnlicher, ohne die dunkel saugenden Abgründe von »Jolene« oder »Hallelujah« – immer noch eher ein Herbst- als ein Sommeralbum, aber weniger konsequent, weniger kompromisslos melancholisch. Und dennoch ist Susanna mit ihrer verlorenen und doch so stilsicheren Stimme immer noch eine kostbare, schwarz schillernde Perle norwegischer Popmusik. (sep)



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