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Prisme
(1996, Grappa/Koch 033662041138)
»PRISME« ist durchaus als Höhepunkt in Annbjørg Liens Schaffen zu betrachten – das beweisen auch die Verkaufszahlen. Ihre instrumentellen Fähigkeiten stehen außer Frage; sie ist zweifelsohne die Meisterin der Hardanger-Fiddle der jüngeren Generation. Auch kompositorisch hat sie's drauf: feine Melodien, angelehnt an traditionelle Folklore, aber durchaus eigenständig. Und weil sie ihr Zelt (Folklore) recht nah am Strom (Pop) errichtet hat, erreicht sie auch viele Hörer – es sei ihr gegönnt.
Zudem kann sie in ihrer Band feine Musiker begrüßen: den Gitarristen Roger Tallroth und den Schlagwerker Rune Arnesen zuvorderst, dazu Mikael Marin (viola) und Hans Fredrik Jacobsen (fl, kantele, bagpipes). Bleibt die Frage, warum sich trotzdem ein unangenehmes Gefühl beim Hören einschleicht wie ein Monster aus dem Nebel in einem Ed Wood-Film: Es sind die Keyboard-Klänge von Bjørn Ole Rasch, der zudem viele Stücke mitkomponiert hat und auch die Arrangements besorgt. Und dadurch gerät der Klang manchmal gefährlich nahe an eine Europe-Ästhetik. Da stochern dann Violine und Gitarre durch den Synthi-Nebel, und man wünscht sich, Annbjørg Lien hätte ihr Zelt doch etwas oberhalb vom Strom aufgeschlagen. (tjk)
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