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Alle Rezensionen zu Annbjørg Lien
(Genre »Folk«, Land »Norwegen«)

 

Prisme
(1996, Grappa/Koch 033662041138)

»PRISME« ist durchaus als Höhepunkt in Annbjørg Liens Schaffen zu betrachten – das beweisen auch die Verkaufszahlen. Ihre instrumentellen Fähigkeiten stehen außer Frage; sie ist zweifelsohne die Meisterin der Hardanger-Fiddle der jüngeren Generation. Auch kompositorisch hat sie's drauf: feine Melodien, angelehnt an traditionelle Folklore, aber durchaus eigenständig. Und weil sie ihr Zelt (Folklore) recht nah am Strom (Pop) errichtet hat, erreicht sie auch viele Hörer – es sei ihr gegönnt.

Zudem kann sie in ihrer Band feine Musiker begrüßen: den Gitarristen Roger Tallroth und den Schlagwerker Rune Arnesen zuvorderst, dazu Mikael Marin (viola) und Hans Fredrik Jacobsen (fl, kantele, bagpipes). Bleibt die Frage, warum sich trotzdem ein unangenehmes Gefühl beim Hören einschleicht wie ein Monster aus dem Nebel in einem Ed Wood-Film: Es sind die Keyboard-Klänge von Bjørn Ole Rasch, der zudem viele Stücke mitkomponiert hat und auch die Arrangements besorgt. Und dadurch gerät der Klang manchmal gefährlich nahe an eine Europe-Ästhetik. Da stochern dann Violine und Gitarre durch den Synthi-Nebel, und man wünscht sich, Annbjørg Lien hätte ihr Zelt doch etwas oberhalb vom Strom aufgeschlagen. (tjk)



Siehe auch:
Lynni Treekrem
Väsen
Kari Iveland
Tom Russell

Annbjørg Lien: Prisme

Offizielle Website

Offizielle Website      home.online.no/~brasch/alien

   

Come Home
(2010, Heilo/Galileo HCD7244)

Annbjørg Lien als »Andre Rieu der Hardangerfiddel« zu bezeichnen, wäre zu frech. Dennoch: Die norwegische Geigerin, früher aktiv in der Folkgruppe Bukkene Bruse, dürfte wohl die international populärste Vertreterin dieser Spielart sein, und diesen Erfolg erreicht man natürlich nicht ohne Anbiederung an den Massengeschmack und ein properes Äußeres. Während bei ihr bislang oft ein unheilvoller New Age-Unterton oder wirre Synthesizer-Modernismen den Gesamteindruck trübten, hat sie sich mit »COME HOME« ganz auf die alten Traditionen besonnen.

Nur Lien und ihr Langzeitbegleiter und Ehemann Bjørn Ole Rasch, der statt Synthesizer lediglich ein konventionelles Harmonium benutzt, spielten die CD schön gemütlich im heimischen Studio bei Kristiansand ein. Durch diese traditionelle Erdung gewinnt Annbjørg Liens »Fiedelei« an Sympathie, und singen kann die Lady auch, wie sie im Titeltrack beweist. Willkommen daheim! (peb)



Siehe auch:
Sondre Bratland & Annbjørg Lien

   

Aliens Alive
(2002, Grappa GRCD4178)

Mit dieser Live-CD hat Annbjørg Lien den kreativen Tiefpunkt ihrer Karriere erreicht. Spielen kann sie ja, und ihre Band (u.a. Roger Tallroth – g, Rune Arnesen – dr, perc) auch. Das Ergebnis allerdings spottet jeder Beschreibung. Sinnfrei röhrt (etwas wie) ein Didgeridoo; pappig-süße bis bombastische Keyboards (Bjørn Ole Rasch) kleistern alles zu wie Betonkäse die Tiefkühl-Pizza.

Weiter schmiegen sich Hardanger-Fiedel und keltisches Pfeiferl aneinander zu einem unheilvollen Gefiepe, während die zweifellos vorhandene Virtuosität ebenso zur Applaus-Sammelbüchse verkommt wie der 20-Sekunden-»Blues« des Gitarristen. Dazu billige Scherze aus der Mottenkiste: zehn Sekunden »Peer Gynt« mit ein paar »Ahs« statt Noten – das Publikum tobt, der CD-Spieler wird grün vor Scham. Karl Moik, öffne Deinen Musikantenstadl und lass Annbjørg Lien nie wieder heraus! (tjk)



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