|
The Mess Age Is Joy
(2004, Glitterhouse/Playground ALCD01)
Zweifelt noch jemand daran, wer die Musik von Midnight Choir entscheidend definiert hat? Er möge Al DeLoners Solo-Debüt hören, das nach seinen eigenen Worten nie zur Veröffentlichung geplant war. Nur Skizzen sollten sie sein; lediglich zur Demonstration, wie die Songs klingen sollten: »Da, wo ich jetzt "ba-ba-ba-pa" singe, soll dann ein Englischhorn rein, eine Trompete, naja, halt etwas Orchestrierung«, erklärte er der Plattenfirma. Doch diese überzeugte den Singer/Songwriter, dass sein Album genau so und nicht anders zu erscheinen habe: ein Mann mit seinen Instrumenten – Gitarre, Mundharmonika, Melodica, ein paar billige Keyboards –, unspektakulär selbst aufgenommen in seinem Heim-Studio.
Sicher hat Al DeLoner nicht diese samtig schmeichelden Stimme von Paal Flaata, sondern ist mit einer eher ungelenken, näselnden Stimme »gestraft«. Doch seine Songs und seine reduzierten Arrangements, wo ein Äther-Rauschen oder eine verhallte Melodica alle Einsamkeit der Welt auszudrücken verstehen, sind die Essenz dessen, was die Musik von Midnight Choir immer ausgemacht hat: Weltschmerz, Enttäuschung, Nachtgedanken, gegossen in bewusst schlichte Songs von berückender Schönheit. (peb)
|