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Sense
(2010, MY Recordings MY05)
Bevor man eine Raknes-CD anhört, setzt man sich immer aufrecht hin, atmet nochmal tief durch, macht die Augen zu, schließt die Fenster (wegen der Nachbarn) und macht sich auf was gefasst. Hier jedoch sind diese Vorsichtsmaßnahmen zwecks seelischer Gesundheit und Rücksichtnahme auf die Umwelt gar nicht nötig. Die Experimentalfrau zeigt eine zahme Seite - na gut, klar, vollkommen harmlos ist auch die nicht, aber hörbarer als das meiste, was es sonst von ihr so gibt.
Elf Tracks. Die ersten fünf so nah aufgenommen, als säße einem Raknes auf den Knien und hauche, zischle und gluckse einem ins Ohr. Die nächsten fünf dann auf Distanz, Frau Raknes singt und schreit aus voller Kehle, in einem Raum mit dem perfekten Nachhall. Der letzte Track dann versöhnliches Geklingel und der so charakteristische Raknes-Nonsense-Silbensalat.
Was jetzt vielleicht ein bisschen albern oder doch anstrengend klingt, übt einen starken Sog aus - weil der Hörer diesmal jede wirre Wendung, jede Silbe, jeden Stimm-Loop und jeden Trommelschlag gründlich nachhören und einordnen kann, ohne sich durch hundert andere Soundschichten zu wühlen. So entsteht ein verblüffend intimes Album - ja, wenn man ganz verwegen wäre könnte man sagen: Frau Raknes hat den Blues. (sep)
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