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Alle Rezensionen zu Amiina
(Genre »Avantgarde«, Land »Island«)

 

Kurr
(2007, Evelyn Records EVER11CD)

Das ist nicht massenkompatibel, ganz und gar nicht. Aber was soll man auch erwarten, wenn sich vier Frauen Mitte Zwanzig mit allen nur erdenklichen Instrumenten zum Musizieren in die isländischen Westfjorde zurückziehen? Die Kreationen von Sólrún Sumarlidóttir, María Sigfúsdóttir, Edda Run Olafsdóttir und Hildur Ársælsdóttir, die als Streichquartett bereits Sigur Rós begleiteten, könnten einer verzauberten Musikbox oder einem tschechischen Puppentheater entsprungen sein.

Glockenspiel und Harmonium, singende Sägen und Posaunen, Glocken und Synthesizer, Weingläser und Violinen, Harfen und Himmelschöre und noch viel mehr fügen sich zu einem charmanten Ganzen, das nicht von dieser Welt zu sein scheint. Auch vom Infoblatt vorgeschlagene Assoziationen von trunkenen Insekten, verstörten Nagetieren oder dem verregneten Foto einer Edith Piaf sind nicht von der Hand zu weisen. Der Rezensent ist etwas in Erklärungsnot. (peb)



Siehe auch:
Sigur Rós
Jónsi & Alex

 Amiina: Kurr

Offizielle Website

Die CD »Kurr« war »CD des Monats« im Monat 6 / 2007.
Und so urteilten unsere anderen Autoren darüber:

Das Schöngeistige und Erdenferne ist tatsächlich nicht von der Hand zu weisen. Allerdings wirkt die Musik nicht halb so verschroben und obskur, wie sie (und der Rezensent) es gerne hätten. Der partielle Leerlauf suggeriert Versponnenheit und lenkt davon ab, dass »KURR« weder packend, noch mit innovativ-schillernden Melodien versehen ist. Ein gutes Album. Keine Sensation.
Markus Wiludda

Schön, schön, schön! sei hier ausnahmsweise Stefan Gwildis zitiert. »Erdenferne« o.ä. mag ich hier nicht erkennen (was bitte ist das?), aber feine Melodien, kunstvoll inszeniert mit einem unerschöpflichen Sammelsurium an Instrumenten. Assoziation: Pat Metheny trinkt Tee mit dem Penguin Café Orchestra. Und wenn die CD aus ist, kann man nochmal Gwildis zitieren: ... aber nu is' auch gut.
Tim Jonathan Kleinecke

Elfenhaft, eigenwillig, versponnen, poetisch - diese Attribute lassen sich auf isländische Musiker von Björk bis Sigur Rós anwenden. Auch Amiina machen keine Ausnahme. Ihre Kompositionen schweben wie Nebelfetzen über karge Landschaften, sind zerbrechlich wie dünnwandige Glasvasen und brauchen viel Raum und Ruhe, um sich in ganzer Schönheit entwickeln zu können. Das ist im Ergebnis immer wieder wundervoll, aber zwischendurch gibt es Längen. Als Debüt unbedingt viel versprechend!
Eva-Maria Vochazer

Schön. Ja, schön. Einfach – schön. Nicht hübsch oder gar nett ist dies Werk der vier Islandladies. Sondern – schön. Im Sinne von schlicht und gleichzeitig ergreifend. Vielleicht so, als habe man alles seine CDs und Platten in einem großen Topf gekocht und die dabei entstandene Musik von allem Ballast und allem Aufdringlichen und allem Beifallsheischendem entkernt. Von daher hält »Kurr« die nächsten zwanzig Jahre. Und die danach auch. Versprochen.
Frank Keil

Offizielle Website      amiina.com

   

Seoul Song
(EP, 2006, The Workers Institute/Baked Goods A2)

Vielleicht ist es gut so. Vielleicht gehört es zu Amiina, dass sie das Schicksal nicht herausfordern. Denn wieder haben die vier streichenden Damen – mit nun einem »i« im Namen mehr – nur eine EP mit drei Songs abgeliefert, aber was heißt da – nur?
Wieder entfalten sie ihre stille und doch eingängliche Musik anhand allerlei Geklöppel und Getrippel und langen, mal auf der Stelle tretende Streichersentenzen, erlöst von gegen jede Wohlfälligkeit anquetschenden Tönen.

Und wenn sie im zweiten Lied noch ihre Stimmen erheben und verweben und im dritten Song all dies mit einen heiseren Rhythmusteppich unterlegen, zeigt sich, dass eben Experimentierfreudigkeit weit mehr zählt als das Abliefern einer marktkompatiblen CD. (frk)

   

AminaminA
(EP, 2005, The Workers Institute/Baked Goods TWI 1)

Amina, die sich neuerdings Amiina nennen, stützen das sphärische Wesen von Sigur Rós wesentlich. Sie nutzen die dunklen Töne, die entstehen, wenn man etwas an den Stromkreislauf anschließt, ebenso wie vergleichsweise klassische Instrumente wie die Geige, die Viola und allerlei Schlagwerk, das hell und eindringlich klingelt und klongelt. Geradezu göttlich tönt der Song »Hemipode«, getragen von einem überirdischen Cello.

Nicht minder jenseitig »Fjarskanistan«, wo einzelne Tonfolgen vor sich hin perlen, während sich im Hintergrund ganz sachte eine eindringlich orchestrale Kulisse aufbaut, die zuweilen an die Kompositionen Arvo Pärts erinnert. Ja, es sind nur vier Songs. Aber mehr wird kommen. Fasse dich in Geduld. Es bleibt dir auch gar nichts anderes übrig. (frk)



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