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Alle Rezensionen zu Sambassadeur
(Genre »Pop«, Land »Schweden«)

 

European
(2010, Labrador/Broken Silence LAB 126)

Sambassadeur sind überhaupt nicht so harmlos. Trotz allen vordergründigen Tweepop-Gezwitschers und heile-Welt-Getues. Nein, nichts davon, wenn man genauer hinhört. Hinter der clerasilreinen Jungmädchenstimme von Sängerin Anna Persson verbergen sich bittersüße Traurigkeiten, herzzreißende Realitäten. Das Quartett aus Göteborg hat auf seinem dritten Album »EUROPEAN« einen Initiationsritus abgeschlossen, eine Reifeprüfung abgelegt. Mit müheloser Eleganz und unangestrenger Geschlossenheit kommen diese neun Songs daher. Opulent kammermusikalisch arrangiert. Funkelnde Pianoperlen. Augenzwinkernde Art-Garfunkel-Zitate. Saxofone, keine Pauken. Ach!

Die Kunst im Pop besteht darin, die Zuhörer nicht merken zu lassen, dass es verdammt vertrackt ist, dass jeder dieser scheinbar schwerelosen Töne nicht per Zufall, sondern durch harte Arbeit just an diese Stelle geraten ist. Sambassadeur haben die Disziplin und das Können, die Scheinwerfer auf die Leichtigkeit zu richten, nicht auf die Anstrengung. Das Klassische, Zeitlose anzustreben, nicht das Hippe. Ernsthaft und trotzdem schwelgerisch sein. Eine untergründige Melancholie zulassen, wenn die Dinge auseinanderbrechen, aber niemals wüten. Erwachsen sein. Wie im Song »High And Low«, der ein bisschen sehr herzzreißend ist. Es ist nicht einfach, aber wir schaffen das, weil wir die Größe haben, einen Schritt neben uns zu treten. Wie Sambassadeur. Die es lächelnd zulassen, dass ihr Cover von Tobin Sprouts »Small Parade« der vielleicht schönste Song des ganzen Albums ist. (emv)

 Sambassadeur: European

Offizielle Website

Offizielle Website      www.sambassadeur.com

   

Migration
(2008, Labrador LAB106)

Sambassadeur machen jetzt Metalcore. Kleiner Scherz. Auch wenn an kleinen Rädchen wie Vocoder und Produktion gedreht wurde, ist die Beständigkeit im Schaffen dieses Projektes weiterhin ihr treuester Begleiter.

Popmusik ist ihre Passion, der sie mit Hingabe auch auf ihrem aktuellen Werk erliegen. Versteckt unter Tonnen von Ahornsirup, umhüllt von Schwaden aus Zuckerwatte und verschwenderisch mit Puder bestäubt, eröffnen sich Welten feinster Popmusik. Die, und das ist das eigentlich bemerkenswerte, gänzlich ohne kitschige Untertöne auskommt, auch wenn die stimmliche Niedlichkeit und Naivität von Anna Persson omnipräsent ist. Gleich der Opener »The Park« führt einen Triumphtanz auf, in dem auch das Beach Boys-Cover »Fallin' In Love« und das reichhaltig instrumentierte »Something To Keep« wie fehlende Puzzlestücke mit einstimmen. (maw)

   

Sambassadeur
(2005, Labrador LAB071)

Hingehauchte Pop-Puderwölkchen, die eher in einer Dachkammer am Montmartre entstanden sein könnten als in einer Studenten-WG in Skövde. Das Quartett, benannt nach einem Album von Serge Gainsbourg, geht auf seinem selbstbetitelten Debütalbum auf eine sanfte Erkundungsreise flüchtiger Gefühle. Ein kindlicher Spieltrieb verleiht den Songs Flügel – und reibt sich auf charmante Weise mit Referenzen an das französische Chanson der 60er Jahre. Mit »La Chanson de Prévert« aus der Feder von Gainsbourg zollen die vier dem Altmeister Tribut.

Drei Gitarren und ein Bass, abwechselnd die Stimmen von Anna Persson und Daniel Pembo – in der Rhythmus-Sektion nur Tambourin oder ein paar unauffällig unterlegte Beats. Erstaunlicherweise funktioniert diese Mischung als eleganter Großstadtpop, dessen Kraft in den leisen, unterkühlten Tönen liegt. Bevor die urbanen Hymnen ins Schmachtende zu kippen drohen, kriegt das Songwriting die Kurve ins leichtfüssige Poplager. Voilà, ein viel versprechender Auftakt. (emv)

   

Between The Lines
(EP, 2005, Labrador LAB069)

Ein Appetithappen Sambassadeur, der Lust auf mehr fröhlichen flaumzarten, aber durchaus temperamentvollen Anorak-Pop macht. Geschickter Zug, die kleine Mitträller-Hymmne »Between The Lines« gleich an den Anfang der gleichnamigen EP zu stellen. Man kann nicht anders, als lächelnd durchs Wohnzimmer zu steppen.

Dass die Labrador-Labelkollegen wie Club 8 und die Acid House Kings oder auch die Finnen von Le Futur Pompiste mit ihren Kompositionen inhaltlich nicht weit entfernt stehen, soll uns hier nicht stören. Die Beats zum Beispiel, die das Quartett unauffällig einschmuggelt, deuten darauf hin, dass Sambassadeur ihren eigenen Weg gehen werden. Alle vier Songs sind übrigens auch auf dem Debüt-Album der Schweden enthalten. (emv)



Siehe auch:
Club 8
Acid House Kings
Le Futur Pompiste



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