|
European
(2010, Labrador/Broken Silence LAB 126)
Sambassadeur sind überhaupt nicht so harmlos. Trotz allen vordergründigen Tweepop-Gezwitschers und heile-Welt-Getues. Nein, nichts davon, wenn man genauer hinhört. Hinter der clerasilreinen Jungmädchenstimme von Sängerin Anna Persson verbergen sich bittersüße Traurigkeiten, herzzreißende Realitäten. Das Quartett aus Göteborg hat auf seinem dritten Album »EUROPEAN« einen Initiationsritus abgeschlossen, eine Reifeprüfung abgelegt. Mit müheloser Eleganz und unangestrenger Geschlossenheit kommen diese neun Songs daher. Opulent kammermusikalisch arrangiert. Funkelnde Pianoperlen. Augenzwinkernde Art-Garfunkel-Zitate. Saxofone, keine Pauken. Ach!
Die Kunst im Pop besteht darin, die Zuhörer nicht merken zu lassen, dass es verdammt vertrackt ist, dass jeder dieser scheinbar schwerelosen Töne nicht per Zufall, sondern durch harte Arbeit just an diese Stelle geraten ist. Sambassadeur haben die Disziplin und das Können, die Scheinwerfer auf die Leichtigkeit zu richten, nicht auf die Anstrengung. Das Klassische, Zeitlose anzustreben, nicht das Hippe. Ernsthaft und trotzdem schwelgerisch sein. Eine untergründige Melancholie zulassen, wenn die Dinge auseinanderbrechen, aber niemals wüten. Erwachsen sein. Wie im Song »High And Low«, der ein bisschen sehr herzzreißend ist. Es ist nicht einfach, aber wir schaffen das, weil wir die Größe haben, einen Schritt neben uns zu treten. Wie Sambassadeur. Die es lächelnd zulassen, dass ihr Cover von Tobin Sprouts »Small Parade« der vielleicht schönste Song des ganzen Albums ist. (emv)
|