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Big Spring
(2011, Finest Grammophone)
Springt er, oder springt er nicht? Scheut er das Risiko? Macht er einfach weiter das, was er doch gut kann: Traumverlorene, zarte, gefühlsbetonte Folkpop-Preziosen schreiben, zu denen es sich so herrlich schwelgen lässt? Stehenbleiben aber ist nicht die Sache des schmalen, blassen Isländers: Auf seiner dritten Veröffentlichung »BIG SPRING wirft Helgi Jonsson Ballast ab, damit sein Ballon himmelhoch steigen kann und sich der Blick auf die eigentlichen Dinge klärt: Die großen Gefühle, nicht die kleinen. Auf den Spaß am Experiment, nicht am Verharren im Bekannten. Mit ein bisschen Hilfe von meinen Freunden, wie der dänischen Sängerin Tina Dico.
Den üppigen Streicher-Arrangements hat Jonsson nicht entsagt, auch den sanften Balladen nicht. Nur strahlen sie noch intensiver. Ganz neue Töne schlägt er aber in Songs wie »Passport To Passport« ein, wo aggressive Electronics plötzlich die Macht ergreifen und die Club-Tanzfläche girrend lockt. Oder in »Stuck in Traffic«, wo schräge schräge Reggae-Rhythmen unterwartet cool und selbstironisch daherkommen. Seine Meisterstücke aber liefert der Barde, der dezidiert nicht brav und harmlos werden will, mit den beiden Schluss-Songs »The Pond« und »The Lake« ab. Melodramen der großen Geste, mit großem epischem Atem. Schwanengesänge auf den Verlust der großen Liebe. Wem beim Zuhören hier nicht das Herz schmerzt, der hat keines. Und ganz zum Schluss: Ein wenig Hoffnung. Helgi Jonsson springt auf seinem dritten Album. Und ihm wachsen Flügel, die ihn sicher über den Abgrund und zu den lichten Weiten des Horizonts tragen. (emv)
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