|
Glóandi
(2005, Material/Harmonia Mundi MRE 013-2)
Skepsis stellt sich automatisch ein, wenn eine Platten-Bio den Mythos vom in den Genen liegenden isländischen Intellekt entwirft, der Musik erfrischend anders klingen lässt. Auch wenn sich der in Wien lebende Helgi Jonsson laut eigener Ausssage drei bis vier Monate pro Jahr in Island inspirieren lässt, so startet sein Solo-Debüt doch mit recht gewöhnlicher Poprock-Melange – melodisch griffig zwar und in angenehm schlurfendem Balladenschritt, aber was soll daran isländisch sein?
Bei Track 3 und 7 – den beiden einzigen mit isländischen Texten leider – blitzt es dann aber doch durch, das liebenswert verschroben-schrullige, und das liegt nicht (nur) am Klang der Sprache: Die beteiligten Instrumente suchen nach neuen Sounds, Helgi packt seine Posaune aus, die er auch beim Iceland Symphony Orchestra oder der Jazz Big Band Graz bläst, und die Songs beginnen unmerklich abzuheben. Toll auch die beim melancholischen Zwiegespräch »Orbital« aufblitzende Jazz-Gitarre von Wolfgang Muthspiel – auf dessen Label der Wahl-Wiener hier veröffentlicht. Kurz: »GLÓANDI« (=Glühend) zeigt viel Potenzial, das aber nur zum Teil genutzt wird. (peb)
|