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Alle Rezensionen zu Helgi Jonsson
(Genre »Pop«, Land »Island«)

 

Glóandi
(2005, Material/Harmonia Mundi MRE 013-2)

Skepsis stellt sich automatisch ein, wenn eine Platten-Bio den Mythos vom in den Genen liegenden isländischen Intellekt entwirft, der Musik erfrischend anders klingen lässt. Auch wenn sich der in Wien lebende Helgi Jonsson laut eigener Ausssage drei bis vier Monate pro Jahr in Island inspirieren lässt, so startet sein Solo-Debüt doch mit recht gewöhnlicher Poprock-Melange – melodisch griffig zwar und in angenehm schlurfendem Balladenschritt, aber was soll daran isländisch sein?

Bei Track 3 und 7 – den beiden einzigen mit isländischen Texten leider – blitzt es dann aber doch durch, das liebenswert verschroben-schrullige, und das liegt nicht (nur) am Klang der Sprache: Die beteiligten Instrumente suchen nach neuen Sounds, Helgi packt seine Posaune aus, die er auch beim Iceland Symphony Orchestra oder der Jazz Big Band Graz bläst, und die Songs beginnen unmerklich abzuheben. Toll auch die beim melancholischen Zwiegespräch »Orbital« aufblitzende Jazz-Gitarre von Wolfgang Muthspiel – auf dessen Label der Wahl-Wiener hier veröffentlicht. Kurz: »GLÓANDI« (=Glühend) zeigt viel Potenzial, das aber nur zum Teil genutzt wird. (peb)


Zu den aktuellen Tourterminen von Helgi Jonsson

Helgi Jonsson: Glóandi

Offizielle Website

Offizielle Website      www.helgijonsson.com

   

For The Rest Of My Childhood
(2009, Fast Land FL-002)

Eine nahtlose Fortsetzung des vor vier Jahren erschienenen Debüts »GlÓANDI«. Helgi Jonsson – klassisch ausgebildeter Posaunist, der die letzten acht Jahre in Österreich lebte, nun jedoch wieder in seine isländische Heimat zurückgezogen ist – hängt abermals seinem traumverlorenen Singer/Songwriter-Pop nach: intim und unspektakulär in ein LoFi-Klangbild gegossen, versponnen arrangiert und immer mit leicht melancholischem Unterton in seiner klagenden Stimme.

Zu den Highlights gehört sicher »September«, das das allgemein kritisierte Staudamm-Projekt in Island thematisiert, das 2006 über 100 Millionen qm unberührte Natur und 107 Wasserfälle vernichtete. Helgi Jonsson bringt eine Marching Bass Drum und Streicher zusammen, setzt auf die Kraft verbogener Piano-Akkorde und quietschender Gitarrensaiten und entlässt insgesamt ein Album in die Welt, auf dem es wieder viel zu entdecken gibt. Diese Musik eines Getriebenen wirkt an regnerischen Sonntagen wohl am besten. (peb)



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