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Alle Rezensionen zu Sinikka Langeland
(Genre »Jazz«, Land »Norwegen«)

 

Starflowers
(2007, ECM/Universal 171.4563)

Zugegeben: Der Norden mit der behaupteten Synthese aus Moderne und Tradition, aus Urbanität und Naturwüchsigkeit ist immer auch ein immer wieder neu gepflegtes Klischee. Doch dann nimmt man eine CD wie diese in die Hände, und alles ist wieder da: der Sound der zeitlosen, menschenleeren Landschaften, die zum Verlieren einladen; die Offenheit der um sie herum residierenden Musiker, die einen so ganz eigenen, unverwechselbaren Weg gehen. Vielleicht ist dies, weil die Vokalistin und Kantele-Spielerin Sinikka Langeland sowohl norwegische, wie finnische Wurzeln hat. Vielleicht, weil sie von der Klassik zum Folk und dann zum Jazz kam – und jede dieser Stationen wach in sich trägt. Vielleicht, weil ihr die Gedichte des Holzfällers und Nachtpoeten Hans Boerli halfen, sich von der Enge der Vorlage zu befreien, ohne sich in willkürlicher Interpretation zu verstricken.

Gewiss aber, weil sie sich eine ganz vorzügliche Band zusammengestellt hat, garniert mit den Besten der Besten: dem Bassisten Anders Jormin, dem Drummer Markku Ounaskari, dem Trompeter Arve Henriksen, dem Saxophonisten Trygve Seim. Und so fließen die tatsächlich dreizehn Stücke mal dunkel-sachte, mal helle-klingend, mal auch störrisch-schräge übergangslos ineinander und werden zu einem selbstverständlichen Ganzen. Auch dies ein Zeichen, dass da ein wirkliches Meisterwerk spielt. (frk)



Siehe auch:
Anders Jormin
Arve Henriksen
Trygve Seim

Sinikka Langeland: Starflowers

Offizielle Website

Die CD »Starflowers« war »CD des Monats« im Monat 7 / 2007.
Und so urteilten unsere anderen Autoren darüber:

Stimmt, Frank, dies ist eine besondere CD, eine, an die man sich auch nach Jahrzehnten noch erinnern wird. Die Dramaturgie ist ebenso bemerkenswert: Vom strengen, kühlen Anfang, sparsam instrumentiert, steigert sich die Intensität langsam und stetig, bis die Bläser gegen Ende viel Freiraum erhalten und die CD sozusagen explodiert. Sinikka Langeland hält mit den Saiten ihrer Kantele die Fäden in der Hand. So wohl durchdacht diese Musik ist, so ist sie doch auch tief emotional.
Tim Jonathan Kleinecke

Klar kenne und liebe ich schon »RUNOJA«, doch es liegt ein großer Sprung zwischen diesen beiden CDs. Mit »STARFLOWERS« wurde die Sängerin, die mehr als einmal an Lena Willemarks schneidend scharfe Stimme erinnert, mutiger, experimentierfreudiger. Vor allem aber punkten zwei Begleiter: Henriksens Trompete und Seims Sax ergänzen sich perfekt, stacheln sich gegenseitig an und fallen dann gemeinsam zurück nach lustvoll durchlebter Ekstase.
Leif Haugjord

Neulich noch gelesen: Das Wort »Kleinod« steht auf der roten Liste. Ein Wort, so geheimniskrämernd, beschützenswert und das Besondere bewahrend. Dieses Album ist sein Synonym. Karg und abweisend sind die Geröllfelder auf dem Cover und ebenso spartanisch erklingen auch die Songs der Rille. Fein nuanciert, jedoch mit subtilem arktischem Feuer und Spielwitz. Mit einer Weitläufigkeit, die zehrt und doch Wärme spendet. Und vielleicht überdauert mit dieser CD auch das »Kleinod«.
Markus Wiludda

Sinkkas »Neue« lief heute nachmittag, als Geschäftsbesuch mein Büro betrat. Ein hochdekorierter Marketing-Mensch kam da, der mich für einige Websites heuern wollte. »Läuft da Meditationsmusik?«, so fragte er. Nicht ganz zu Unrecht, da zu diesem Zeitpunkt nur einige Harfentöne zu hören waren. Wie sollte er ahnen, dass Im Verlauf der CD fast freie Passagen folgen werden, archaische Vokal-Soli, avantgardistische Jazz-Forschung sogar? Doch dies zu erfahren hatte er freilich weder Zeit noch Muse.
Peter Bickel

Offizielle Website      www.sinikka.no

   

Runoja
(2002, Heilo HCD 7180)

Finnskogen gehört politisch-geographisch zu Norwegen; dort leben allerdings auch Menschen, deren ursprüngliche Sprache der finno-ugrischen Sprachfamilie zuzurechnen ist – wo es Runengesänge gibt. Eben dieser alten, meist nur vokal überlieferten Gesänge nahm sich Sinikka Langeland an. Zumindest den Texten, die verschiedene Zwecke hatten. Die Musik hat sie selbst geschrieben, ausgehend von Runengesängen verschiedener Herkunft. Runensänger (Runoja) waren hochangesehene Menschen voll Weisheit.

Die Norwegerin spielt eine 37-saitige Kantele virtuos und sehr individuell, mit einem gewissermaßen »pianistischen« Ansatz. Die Stücke entwickeln sich aus einfacher Melodik, öffnen sich harmonisch und rhythmisch, werden mystisch und spannend. Dafür hat sie die richtigen Musiker, allesamt Jazzer: Pål Thowsen (dr) groovt um die Bass-Ostinati von Bjørn Kjellemyr; Arve Henriksen lässt seine Trompete herrlich neblig-verhalten, aber fast zu selten hören. Die Stimme? Klar, schnörkellos, präsent. Langeland schafft aus Archaischem Modernes und eine große, wichtige, innovative CD. (tjk)



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